HIV und Aids immer noch ein Tabu

HIV und Aids immer noch ein Tabu

Von Marion Kretz-Mangold

  • Welt-Aids-Tag am 1.Dezember
  • Über 12.000 Menschen in Deutschland wissen nichts von ihrer Infektion
  • Online-Angebote und Tests für Zuhause

Viele HIV-Positive wissen gar nichts von ihrer Infektion - und gefährden damit sich und andere. Bundesweit sind das 12.700 Menschen, schätzt das Robert-Koch-Institut. Dahinter steckt einerseits die Angst vor dem Stigma, das der Krankheit immer noch anhaftet. "Aber auch den Medizinern fehlt oft noch der Blick für eine Erkrankung", so Arne Kayser von der Aids-Hilfe Bochum, der auch im Landesvorstand der NRW-Aidshilfe ist.

Eine Hausfrau mit HIV?

Er hat beobachtet, dass Ärzte Patienten mit entsprechenden Symptomen immer wieder behandeln, ohne zu erkennen, dass vielleicht eine HIV-Infektion dahinter steckt. "Sie kommen bei der 45-jährigen Hausfrau nicht auf die Idee, einen Test zu machen", sagt Kayser. "Das ist ziemlich dramatisch." Dabei ist längst bekannt, dass Aids keine "Schwulenkrankheit" ist. Deswegen, so Kayser, habe die Aidshilfe eine Kampagne gestartet, die Ärzte dafür sensibilisieren soll.

Welt-AIDS-Tag 2017

WDR 5 Morgenecho - Interview | 01.12.2017 | 05:42 Min.

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Nicht-Wissen und Nicht-Wissen-Wollen

Das andere Problem: Viele sind sich vielleicht des Risikos bewusst, zum Beispiel, weil sie ungeschützten Sex hatten. "Aber es ist wie beim Krebs", sagt Kayser. "Da gehen sie auch erst zum Arzt, wenn sie ein großes Melanom haben. Dabei ist es extrem wichtig, sich frühzeitig behandeln zu lassen." Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Chancen, ein fast normales Leben zu führen.

Aids-Test für zuhause

AIDS-Virus (Computersimulation)

Das Aids-Virus

Heute leben dem RKI zufolge gut 88.000 HIV-Positive in Deutschland. Die medizinische Versorgung klappt, es hapert aber noch an der Prävention. Es gibt zwar Tabletten, die eine Ansteckung verhindern sollen - ihre Wirkung ist aber umstritten. Einen anderen Weg geht man am Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin "Walk in Ruhr", das am Katholischen Klinikum Bochum angesiedelt ist. Dort gibt es ein sogenanntes "Sampling Kit", mit dem sich Ratsuchende zuhause selbst Schleimhaut- oder Blutproben entnehmen und im Zentrum testen lassen können.

Mehr Online-Beratungen

Neu ist eine Online-Partnerbenachrichtigung, mit der Menschen mit erhöhem Infektionsrisiko ihre Sexualpartner anonym auffordern können, einen Test zu machen. Demnächst soll es auch einen Onlinetest geben, bei dem Teilnehmer einen Fragebogen ausfüllen können. Anhand der Daten können die Mediziner dann einschätzen, wie groß das Infektionsrisiko tatsächlich ist - eine Hilfe, Aids realistisch einschätzen zu können.

Stand: 28.11.2017, 14:59