Ein Physiker taugt nicht zum Popstar – eigentlich!

Geburtstag Stephen Hawking

Ein Physiker taugt nicht zum Popstar – eigentlich!

Stephen Hawking hat sich mit Astrophysik und Kosmologie einen Namen gemacht. Bekannt war er aber auch wegen seiner Krankheit, die ihm Stimme und Kontrolle über seinen Körper nahm. Heute ist Hawking gestorben.

"Die Wissenschaft kann die Entstehung des Universums auch ohne einen Schöpfergott erklären", so lautete das selbstbewusste Credo des Physikers Stephen Hawking. Er lieferte Erklärungen für Gravitationsfelder, Raumzeit und Unendlichkeit. Manchmal war das sogar für nicht Astro-Physiker verständlich. 2014 erneuerte er im Alter von 72 Jahren seine Definition für sogenannte Schwarze Löcher, hungrige Schwerkraft-Schlünde im Universum.

Er halte es für unerlässlich, dass sich die Menschheit mit den Geheimnissen des Weltraums auseinandersetze, sagte Hawking im Interview mit der BBC. "Früher oder später wird die Erde mit einem Asteroiden zusammenstoßen", so Hawking, "und wir können nichts dagegen tun. Die Menschheit muss also raus ins All, um ihr langfristiges Überleben zu sichern."

Früher Tod vorhergesagt

Geboren 1942 im englischen Oxford war sein Spitzname schon zu Schulzeiten „Einstein“. Mit 17 Jahren studiert er Physik in Oxford, mit 20 Kosmologie in Cambridge. 1963, im Alter von 21 Jahren, aber bekommt er die Diagnose ALS, Amyotrophe Lateralsklerose, eine unheilbare Nervenkrankheit, die seine Muskeln lähmt und ihn später an den Rollstuhl fesselt. Die Ärzte geben ihm höchstens noch zwei Jahre. Aber so leicht lässt sich Hawking nicht davon abbringen, die Rätsel des Universums zu knacken. Schließlich wird er in Cambridge an dem Lehrstuhl Mathematik-Professor, an dem einst Isaac Newton lehrte.

Felicity Jones, Stephen Hawking und Eddie Redmayne

Stephen Hawking mit den Filmdarstellern Felicity Jones und Eddie Redmayne

2014 macht Regisseur James Marsh aus diesem Stoff ein Drama. "Die Entdeckung der Unendlichkeit", so der Name des Films. Darin spielt Darsteller Eddie Redmayne den Physiker und Felicity Jones dessen erste Ehefrau Jane Wilde.

Hindernisse überwinden – seine wichtigste Eigenschaft

Stephen Hawking

Der Sprachcomputer lässt ihn mit anderen kommunizieren

Seit 1985 konnte das Physik-Genie nur noch per Sprachcomputer kommunizieren, den er später nur noch mit den Bewegungen seiner Pupillen steuerte. Die blecherne Computer-Stimme wurde zu Hawkings Markenzeichen. Hawking überwand immer wieder Grenzen – auch die zwischen Wissenschaftler und Popstar. Das schafften in der Geschichte nur ganz wenige Naturwissenschaftler. Ende der 80er Jahre wurde das Physik-Genie auch außerhalb der Fachwelt berühmt – mit seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit". Darin beschreibt er verständlich, wie sich das Universum physikalisch entwickelt haben könnte. Das Werk verkauft sich mehr als neun Millionen Mal, wird in viele Sprachen übersetzt.

Es gilt aber auch als der am wenigsten gelesene Bestseller aller Zeiten. Ein Forscher entwickelt daraufhin scherzhaft den "Hawking-Index", eine Rangliste von Büchern, die zwar am meisten gekauft, aber zu Hause als Schmuck im Regal gelassen werden.

Im Alter wird Hawking zum Mahner

Porträtaufnahme von Stephen Hawking.

Bewegungslos und ohne Sprache - andere hätten aufgegeben

Im BBC-Interview zeigte er sich besorgt, dass Künstliche Intelligenz und automatisierte Systeme immer mehr Jobs überflüssig machen könnten. Den ungeteilten Glauben an den technischen Fortschritt teilte er nicht. "Die Entwicklung einer vollständigen Künstlichen Intelligenz könnte das Ende der Menschheit bedeuten", warnte Hawking. "Die Künstliche Intelligenz würde sich verselbständigen und sich immer schneller weiterentwickeln. Wir mit unserer langsamen Evolution könnten da nicht mithalten und würden verdrängt."

Trotz allem: Hawking bezeichnete sich immer als Optimisten. Und diese Einstellung hat ihm wohl geholfen: Sein vorausgesagtes Ende hat er um mehr als ein halbes Jahrhundert überlebt. Er wurde Vater von drei Kindern und später Großvater. Sein Rezept für dieses erfüllte Leben verriet Hawking dem CNN-Journalisten Larry King: Er wolle die Antworten wissen. Er liebe das Leben. Er wolle weitermachen, so lange es geht. Was solle man auch sonst machen?

Am Mittwoch (14.3.) starb Stephen Hawking im Alter von 76 Jahren.

Autor des Radiobeitrags ist Tobias Jobke.

Stand: 14.03.2017, 14:00