Wir bauen uns ein Wasserkraftwerk

Wir bauen uns ein Wasserkraftwerk

Von Katja Goebel

Tüfteln, erfinden und experimentieren: Beim landesweit größten Physikwettbewerb für Schüler werden unter anderem Wasserkraftwerke im Miniaturformat oder einmalige Flugobjekte gebaut. In Duisburg steigt das Finale der "Freestyle-Physics".

Schüler beim Schülerwettbewerb Freestyle-Physics

Leon ist 12 Jahre alt und geht in die sechste Klasse eines Gymnasiums in Schwelm. Eigentlich. Denn im Fach Physik durfte er glatt zwei Klassen überspringen. Der Junge tüftelt und experimentiert für sein Leben gern. Jetzt hat sich Leon bei den Freestyle-Physics angemeldet. Der Wettbewerb der Universität Essen-Duisburg bietet Schülern seit 14 Jahren die Möglichkeit, ihre Erfindungen einer Fachjury zu präsentieren. Und die Konkurrenz ist groß: Allein 2015 machen etwa 600 Schülergruppen mit.

Leon ist 12 Jahre alt und geht in die sechste Klasse eines Gymnasiums in Schwelm. Eigentlich. Denn im Fach Physik durfte er glatt zwei Klassen überspringen. Der Junge tüftelt und experimentiert für sein Leben gern. Jetzt hat sich Leon bei den Freestyle-Physics angemeldet. Der Wettbewerb der Universität Essen-Duisburg bietet Schülern seit 14 Jahren die Möglichkeit, ihre Erfindungen einer Fachjury zu präsentieren. Und die Konkurrenz ist groß: Allein 2015 machen etwa 600 Schülergruppen mit.

Drei Tage lang stellen die Schüler ihre Physik-Beiträge vor. Gebaut werden sollte diesmal unter anderem ein Wasserkraftwerk im Miniaturformat. Ziel der Aufgabe: Eine Wassermühle oder ein Kraftwerk zu entwickeln, das ein Gewicht möglichst hoch hebt. Die Jury war begeistert von Leons Erfindung. Der 12-Jährige hat nämlich fast als Einziger im Wettbewerb alles aus Holz selbst gebaut. Einfache Erklärung: "Metall rostet und Edelstahl wäre zu teuer."

Allein 75 Wasserkraftwerke hat die Jury aus Physik-Professoren und Doktoranden im Wettbewerbszelt auf dem Unicampus unter die Lupe genommen. Einer der Juroren ist Thorsten Kelling (r.). Er zeigte sich begeistert von den Einfällen der Schüler. "Es sind viele kreative Ideen dabei, wenn auch nicht alle Experimente am Ende wirklich gut klappen."

Schrecksekunde am Tisch der Schüler vom Gymnasium An der Stenner in Iserlohn. Irgendwie will das Wasser nicht durch den Schlauch laufen. Auch der zweite verzweifelte Versuch, einen Liter Wasser durch das Röhrchen zu schicken, schlägt fehl. Plötzlich hat Schülerin Greta eine Erklärung. "Da steckt noch ein Stück Kleenex drin. Damit haben wir den Schlauch gestern sauber gemacht."

Und tatsächlich. Der Fremdkörper wird entfernt, das Wasser läuft. Noch einmal Glück gehabt. Die 12-jährigen Schülerinnen Greta und Cornelia sind glücklich, dass ihr Wasserkraftwerk doch noch funktioniert. Ihr Bauwerk ist zum Teil aus bunten Legosteinen. "Das soll ja auch schön aussehen", sagt Cornelia.

Am Nachbartisch bereitet sich derweil ein alter Hase auf seinen Auftritt vor. Nils ist 15 und war schon ein paar Mal bei den Freestyle-Physics dabei. Sein Physiklehrer Rolf Prost vom Pascalgymnasium in Grevenbroich bestätigt: "Wir haben in den letzten Jahren auch schon ein paar Preise mit nach Hause genommen."

Gemeinsam mit Klassenkamerad Simon präsentiert Nils der Jury das Experiment um ihre Wassermühle. Also: Erst mal Wasser oben rein ...

... dann setzt sich an einem Holzgalgen eine Flaschenzugkonstruktion in Bewegung und zieht damit ein Gewicht - diesmal eine Flasche, die mit Gewichten beschwert ist - nach oben. Die Jury ist beeindruckt. Denn das Gewicht bringt satte 764 Gramm auf die Waage. Mehr, als an den Nachbartischen bislang im Einsatz war. Außerdem wurde beim Experiment kaum Wasser verschüttet. Ob das für einen Preis reicht, muss am Ende die Siegerehrung zeigen.

Auf den Tischen im Wettbewerbszelt wimmelt es von Schaufelrädern und jede Konstruktion ist einmalig. "Darum geht es auch beim Wettbewerb", sagt Organisator Andreas Reichert von der Fakultät für Physik. "Die Schüler sollen sich spielerisch mit dem Fach Physik auseinandersetzen und selbst auf pfiffige Lösungen kommen." Leider komme die Physik in der Schule immer noch viel zu kurz. Ein Grund dafür sei der Lehrermangel in dem Fach.

Wenige Meter weiter werden Flugobjekte der Schüler von einer Expertenjury begutachtet. Gebaut werden sollte ein Fluggerät, das wie ein Ahornblatt möglichst langsam und senkrecht zu Boden sinkt. Als Baumaterial waren nur Papier, Kleber und Bindfaden erlaubt. Und ein Höchstgewicht von 10 Gramm.

In einer Flugarena ohne störenden Seitenwind wurden alle Fluggeräte auf Tauglichkeit getestet.

Fast alle. Mancher Tüftler musste erst nacharbeiten. Dieser schwarze Flieger war mit 20 Gramm eindeutig zu schwer. Doch die Jury gab den Schülern noch eine zweite Chance. "Ihr habt doch bestimmt eine Schere mit. Dann macht das Ding mal kleiner." Noch bis Donnerstag (18.06.2015) läuft der Wettbewerb Freestyle-Physics in Duisburg, bei dem unter anderem auch noch Tauchbote und Wasserraketen gezeigt werden.

Stand: 17.06.2015, 10:00 Uhr