Weniger Autos durch Carsharing?

Ein Autoschlüssel wird von einer Hand in eine andere gelegt.

Mobilität

Weniger Autos durch Carsharing?

Von Sonja Kolonko

  • Neue Zahlen: Über 2 Millionen Deutsche nutzen Carsharing.
  • Neues Forschungsprojekt untersucht P2P-Carsharing.
  • Dabei leiht man sich von privaten Autofahrern den Wagen.

Der Trend zum Carsharing in Deutschland ist ungebrochen. Neuen Zahlen des Bundesverbands Carsharing zufolge sind 2,1 Millionen Menschen bei 165 Anbietern registriert. Die meisten davon, etwa 1,6 Millionen, bei sogenannten Free-Floatern, also stationsunabhängigen Anbietern wie DriveNow und Car2Go. Sie sind in erster Linie in den Innenstädten der Metropolen vertreten.

Geld verdienen mit dem eigenen Auto

Deutschlands 45 Millionen Fahrzeuge stehen im Durchschnitt rund 23 Stunden am Tag still. Da liegt es nahe, über Airbnb-Modelle fürs Auto nachzudenken. P2P-Carsharing steht für Peer-To-Peer – also du und ich teilen sich ein Auto, buchbar über eine Plattform, die Autobesitzer und Mieter zusammenbringt und für eine Versicherung sorgt.

Welche P2P-Anbieter gibt es in Deutschland?

Der größte Anbieter SnappCar bietet laut eigenen Angaben bundesweit 15.000 Fahrzeuge, der zweitgrößte Anbieter Drivy immerhin 6000 Autos. Zum Vergleich: Die Flotte von DriveNow umfasst nur rund 3000 Fahrzeuge, beschränkt sich aber auch auf die fünf größten deutschen Städte. Das heißt: Der Punkt, ab dem ganz bequem überall ein Auto steht, das man sich mal kurz leihen kann, ist noch nicht erreicht.

Wie funktioniert P2P?

Nach der Registrierung bei einem der Anbieter kann man sich zum Beispiel für 37 Euro einen neuen Fiat 500 über Drivy.de ausleihen. Davon bekommt der Besitzer 26 Euro, der Rest geht an Drivy für die Versicherung und Vermittlung. Dann muss der Mieter den Autobesitzer kontaktieren, um die Schlüsselübergabe zu vereinbaren.

Das kleine Berliner Start-up Getaway hat dafür bereits eine digitale Lösung gefunden: Sie starten alle Autos mit einer Telematikbox aus, über die man das Auto orten, öffnen und wieder verschließen kann.

Wie kann man P2P attraktiver gestalten?

Ein neues vom Bundesforschungsministerium mit 100.000 Euro gefördertes Forschungsprojekt der Hochschule Bonn Rhein/Sieg will aktuell herausfinden, wie P2P beliebter werden kann.

Untersucht werden dabei sowohl unterschiedliche Preisgestaltungen als auch, welchen Effekt der Einbau der Telematikboxen haben würde. Mit diesen Boxen lassen sich Privatautos dann wie die Fahrzeuge von Car2Go und Co nutzen.

Ist Carsharing gut für die Umwelt?

Auch geteilte Autos stoßen Stickoxide und andere Schadstoffe aus. Aber die Idee hinter Carsharing ist nicht, das eigene Auto durch ein geteiltes Auto zu ersetzen, sondern auf andere Verkehrsmittel umzusteigen, zum Beispiel das Rad oder den öffentlichen Nahverkehr. Und sich nur im Notfall ein Auto zu leihen.

Stand: 27.02.2018, 14:15