Cannabis auf Rezept: Für Kiffer oder Kranke?

eine Cannabis-Pflanze

Cannabis auf Rezept: Für Kiffer oder Kranke?

Von Dorothee Werkman

  • Rund 7000 Anträge auf medizinisches Cannabis
  • Wirkung und Nebenwirkungen kaum untersucht
  • Cannabis-Gesetz hinterlässt bei Ärzten viele Fragen

Seit März 2017 ist Cannabis in Deutschland auch als Medikament anerkannt. Die Techniker Krankenkasse hat mit der Universität Bremen untersucht, wie gut die neue Regelung funktioniert.

Cannabis - nicht für jeden das Mittel der Wahl

WDR 5 Leonardo Top Themen | 17.05.2018 | 05:16 Min.

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Cannabis keine Wunderwaffe

Unter Befürwortern gilt Medizinhanf als Heilmittel gegen dutzende Erkrankungen. Für den Cannabis-Report der Techniker Krankenkasse hat die Universität Bremen 140 Studien untersucht. Die Uni kommt zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit bei keiner Erkrankung wissenschaftlich erwiesen ist.  

Cannabis-Mythen widerlegt

Cannabis hilft gegen Depressionen, Demenz oder Grünen Star, sagen Befürworter. Cannabis zeigt in diesen Fällen keine Wirkung, sagt der Bericht. Nur ein Beispiel für die Mythen, die Cannabis als Medizin umranken und damit zu einer nicht gerechtfertigten Hoffnung für Schwerkranke machen.

Positive Wirkung „denkbar“ bei Schmerzen

Anders sieht es bei chronischen Schmerzen, starker Übelkeit in Folge einer Chemotherapie, Multipler Sklerose oder Epilepsie aus. Hier spricht der Bericht von einer „denkbar positiven Wirkung“. Bei psychischen Erkrankungen wie Angststörungen oder der Aufmerksamkeitsstörung ADHS sei die Wirksamkeit nur „möglich“.

Experimentieren statt Wissen

Keine Studie kann belegen, bei welchen Erkrankungen und in welcher Dosis Cannabinoide, die Substanzen der Hanfpflanze, verabreicht werden sollen. Auch die optimale Verabreichungsform ist dem Report zufolge unklar. Möglich sind unter anderem die Cannabis-Blüten, Sprays, Tropfen oder Kapseln. Das lässt Ärzte oft ratlos zurück – auch, weil eine genaue gesetzliche Regelung fehlt.

Nebenwirkungen nicht zu unterschätzen

Der Report macht auf die nachgewiesenen Nebenwirkungen von Cannabis aufmerksam, wie man sie schon aus dem illegalen Konsum kennt. Diese können auch bei der medizinischen Einnahme auftreten. Möglich sind Psychosen, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit oder psychische Abhängigkeit. Laut den Bremer Wissenschaftlern sind die Nebenwirkungen unabhängig von der konsumierten Menge.

Kein Gesetz für Kiffer

Rund jeder zweite Antrag auf medizinisches Cannabis wurde von den Kassen abgelehnt. Denn die Hürden für eine Genehmigung sind hoch. Zum einen muss eine schwere Krankheit vorliegen, zum anderen müssen konventionelle Medikamente, wenn sie die gleiche Chance auf Wirkung versprechen, Cannabis vorgezogen werden. Die meisten Rezepte für Cannabis gab es gegen Schmerzen.