Aktivkohle in Lebensmitteln

Aktivkohle in Lebensmitteln

Aktivkohle in Lebensmitteln

  • Neuer Trend: Lebensmittel werden mit Aktivkohle versetzt
  • Hersteller versprechen Kunden Entgiftung
  • Neue Mode ist aber nicht ohne Risiken

Tief-schwarze Croissants. Sie sehen verbrannt aus, als hätten sie viel, viel zu lange im Ofen gelegen. In Italien sind sie jedoch der neueste Trend. In Städten wie Bologna liegen sie in den Auslagen der Bäcker. Neben sahnigen Teilchen gibt es schwarze Croissants - mit und ohne Pudding-Füllung.

Sieht aus wie im Ofen verbrannt

Aktivkohle in Lebensmitteln

Brikettkohle oder Leckerei?

"Also, das ist ein süßes Gebäck mit Aktiv-Kohle", erklärt Konditorin Gaia Magri. Diese wird mit den klassischen Zutaten vermischt und so wird es schwarz. Und was ist diese Aktiv-Kohle? So genau weiß das die Bäckerin gar nicht. "Es dient der Verdauung, das ist dann ein etwas leichteres Frühstück", vermutet Magri.

Aktivkohle kennt man in Deutschland eher als Arzneimittel, weiß Angela Klausen von der Verbraucherzentrale in Düsseldorf. "Sie hat hat eine große, poröse Oberfläche. Was dazu führt, dass sie Stoffe absorbieren kann." Aktivkohle wurde deshalb häufig bei Durchfall-Erkrankungen eingesetzt. In der EU ist sie aber auch als Farbstoff zugelassen.

Wer hat´s erfunden? Die Italiener!

Mario Cucchia, Geschäftsführer einer Mehlfirma, liefert seit drei Jahren auch Carbone Vegetale – Aktivkohle in Pulverform. "Ich würde behaupten, dass sich das in Italien als erstes entwickelt hat. Und jetzt beobachten wir, dass schwarze Pizza mit Aktivkohle im Mehl in Großbritannien total in der Mode ist." Der Trend setze sich auch in Deutschland fort, sagt Cucchia.

Aktivkohle in Lebensmitteln

Schwarzes Mehl gefällig?

Für Privatkunden, die zu Hause die Gäste mit schwarzem Gebäck beeindrucken wollen, gibt es bei ihm kleinere Packungen Aktivkohle-Pulver zu kaufen. Mario Cucchias Ratschlag klingt dabei simpel. "Das Mehl muss gut mit der Kohle vermischt werden, bevor Flüssigkeiten hinzukommen. Dann wird das Produkt schwarz."

Aktivkohle wirklich gesund?

Hersteller von Fruchtpürees preisen sogar eine angebliche "Detox"-Wirkung. Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Düsseldorf hält das jedoch für gefährlich. Aktivkohle könne nicht unterscheiden. "Das heißt, die Vitamine und Mineralstoffe werden mit gebunden." Aktivkohle macht Getränke also sogar nährstoffärmer.

Verhütung möglicherweise perdu

Hebamme misst Bauchumfang einer Schwangeren

Ungewollte Schwangerschaft nicht ausgeschlossen

Medikamente, die im Darm aufgenommen werden, können von der Aktivkohle ebenso gebunden und ausgeschieden werden. Für Frauen die die Pille nehmen, kann das bedeuten: Sie stehen dank ihres angeblich gesunden Smoothies ohne Verhütungsmethode da und wissen es nicht.

"Also mein ganz klarer Apell ginge dahin, von Aktivkohle, egal worin, in Lebensmitteln, wenn sie nicht nur zum Färben eingesetzt werden – die Finger lassen!", sagt die Verbraucherschützerin Clausen.

Und: Schmeckt es wenigstens?

Unsere Autorin versichert: Das schwarze Croissant fühlt sich so fluffig an wie ein normales Croissant. Mit Puderzucker obendrauf ist es italienisch süß und schmeckt auch nicht nach Kohle. Obwohl das Croissant wirklich aussieht, als wenn man es einmal in den Grill getaucht hätte.

Autorin des Radiobeitrags ist Nele Posthausen.

Stand: 11.05.2017, 15:11