Zapfen aus aller Welt

Der imposante Zapfen der Mexikanischen Weißkiefer

Zapfen aus aller Welt

Von Sabine Krüger

"Witwenmacher", so heißt einer von über 400 Zapfen, die in einer der größten privaten Zapfensammlungen zu sehen sind. Und zwar im Botanischen Garten Wuppertal.

Zapfen aus aller Welt

WDR 4 Drinnen und Draußen | 10.03.2018 | 02:17 Min.

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Eine Leidenschaft für Zapfen

Vor über 40 Jahren hat der Apotheker Wolf Stieglitz aus Erkrath angefangen Zapfen zu sammeln. Das Gartenzimmer im Botanischen Garten Wuppertal wird dafür bald zu klein.

WDR 4 Drinnen und Draußen: Zapfen aus aller Welt

Ein Nadelbaum-Bestimmungskurs im Jahr 1984 war die Initialzündung. Wolf Stieglitz war fasziniert davon, wie unterschiedlich Zapfen aussehen, obwohl sie alle ähnlich aufgebaut sind. Hier hält er sein längstes Exponat in der Hand: Der Zapfen der Mexikanischen Zuckerkiefer kann bis zu 60 Zentimeter lang werden.

Ein Nadelbaum-Bestimmungskurs im Jahr 1984 war die Initialzündung. Wolf Stieglitz war fasziniert davon, wie unterschiedlich Zapfen aussehen, obwohl sie alle ähnlich aufgebaut sind. Hier hält er sein längstes Exponat in der Hand: Der Zapfen der Mexikanischen Zuckerkiefer kann bis zu 60 Zentimeter lang werden.

Auf immerhin bis zu 35 Zentimeter bringen es die Zapfen der Coulters-Kiefer. Sie wächst im Südwesten Kaliforniens und im Norden Mexikos. Besonders gemein sind die Widerhaken an den Spitzen. "Der Baum heißt auch Witwenmacher", erzählt Wolf Stieglitz. "Dieser Zapfen wiegt eineinhalb Kilogramm, die Bäume werden bis zu 30 Meter hoch. Da möchte man nicht drunter stehen, wenn der Zapfen fällt."

Den ebenfalls sehr großen Zapfen der Mexikanischen Weißkiefer findet Wolf Stieglitz besonders schön: "Der ist so interessant gebogen und so elegant aufgefächert."

Die braunen Pünktchen hier, nur ein paar Millimeter groß, sind die kleinsten Zapfen. Sie gehören zu einem Steineiben-Gewächs aus Tasmanien (Lagarostrobos franklinii). "Das ist der älteste Baum der Welt: 10.500 Jahre alt", sagt Wolf Stieglitz. Der Zweig ist ein Geschenk des Botanischen Gartens Düsseldorf, wo zwei Nachfahren dieses ältesten Baums stehen.

Dies ist nur ein Teil der imposanten Zapfen-Ausstellung, ergänzt durch großformatige Fotos über den Holztafeln. Links oben sind Wacholderbeeren abgebildet. Sie sind streng genommen keine Früchte, sondern Zapfen. "Beeren-Zapfen nennt man das: Das sind drei Fruchtblätter, die in diesem Zapfen zusammengeführt werden, der nicht verholzt."

"Der Zapfen der Zypern-Zeder ist interessant, weil er oben einen Nabel hat. Das ist etwas ganz Besonderes", so Wolf Stieglitz.

Die langen dreizipfeligen Gebilde über den Samen-Schuppen dieses Douglasien-Zapfens sind sogenannte Deck-Schuppen. Bei der Douglasie ragen sie weit über die Samen-Schuppen hinaus. Bei anderen Nadelgehölzen bilden sich die Deckschuppen zurück, weshalb sie für uns ein ungewohntes Bild sind.

Auf diesen Zapfen ist Wolf Stieglitz besonders stolz, weil er doppelt gewachsen ist und weil er von einer gefährdeten Art aus Mexiko stammt (Pinus oaxacana). Geschickt haben ihn ungarische Wissenschaftler, die 40 Jahre in Mexiko an Kiefern geforscht haben. "Zunächst wollten sie keine abgeben, aber nach ein paar Jahren Wartezeit kam dann ein Paket mit mehreren schönen Exemplaren", so Stieglitz.

Die Kiefern sind in der Ausstellung am stärksten vertreten. Der größte Zapfen mittig in der oberen Reihe ist der unserer Waldkiefer (Pinus sylvestris). Auch auf dieser Wandtafel zeigen sich die enormen Größenunterschiede der verschiedenen Arten.

Rechts unten hängt der jüngste Neuzugang: ein Blütenstand eines australischen Palmfarnes. Beim Aufhängen ist er aufgebrochen, was aber den Blick frei gibt auf die orangefarbenen reifen Samen. "Die sind sehr eiweißhaltig und dienen den australischen Ur-Einwohnern als Nahrungsergänzung", erklärt Wolf Stieglitz. Auch dieses beeindruckende Objekt ist ein Geschenk des Botanischen Gartens Düsseldorf.

Zum Ende der Führung verschenkt eine Teilnehmerin noch selbst gebackene Hefe-Zapfen: "Die sind zwar nicht botanisch zu bestimmen, aber mit Butter schmecken sie lecker", schmunzelt sie. "Mhm, ja, süß", kommentiert Wolf Stieglitz.

"410 bis 420 verschiedene Objekte aus allen fünf Kontinenten beinhaltet die Ausstellung", bilanziert Wolf Stieglitz stolz. Er leitet die Botanische Sektion des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal und ist auch dessen Geschäftsführer. Der Apotheker hat zudem den Heilpflanzen-Bereich des Botanischen Gartens Wuppertal mitgestaltet. Da lag es für ihn nahe, seine Sammlung dem Park zur Verfügung zu stellen.

Die Zapfen-Ausstellung findet sich im Gartenzimmer schräg gegenüber vom Elisenturm, dem Wahrzeichen des Botanischen Gartens Wuppertal. Wolf Stieglitz arbeitet derzeit an einer Broschüre zur Ausstellung.

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