Wunderbare Wintergärten

Rizinus und verschiedene Chinaschilf-Sorten zaubern wunderbare Winterbilder

Wunderbare Wintergärten

Von Sabine Krüger

Der Garten im Winter hat seine eigenen Reize. Wenn man im Herbst nicht überall die Schere angesetzt hat! Inspirationen aus dem Botanischen Garten Düsseldorf.

Wunderbare Wintergärten

WDR 4 Drinnen und Draußen | 09.12.2017 | 02:33 Min.

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Strukturbildner im Wintergarten

Wer im Herbst nicht alles abschneidet, wird mit wunderbaren Winterbildern belohnt. Denn dann entscheiden Formen darüber, wie ein Garten wirkt. Inspirationen für Privatgärten aus dem Botanischen Garten Düsseldorf.

Andreas Fischbach

Andreas Fischbach, Gartenmeister im Botanischen Garten Düsseldorf richtet bei seinem Rundgang den Blick auf reizvolle Winterstrukturen. "Wenn die Schere liegen bleibt", lautet der Titel der Führung. Denn nur, wer im Herbst nicht alles radikal runterschneidet, kann sich im Winter über interessante Farben und Formen freuen. Zum Beispiel über die Fruchtstände der Pfeifenwinde (Aristolochia macrophylla).

Andreas Fischbach, Gartenmeister im Botanischen Garten Düsseldorf richtet bei seinem Rundgang den Blick auf reizvolle Winterstrukturen. "Wenn die Schere liegen bleibt", lautet der Titel der Führung. Denn nur, wer im Herbst nicht alles radikal runterschneidet, kann sich im Winter über interessante Farben und Formen freuen. Zum Beispiel über die Fruchtstände der Pfeifenwinde (Aristolochia macrophylla).

"Der Moment, wenn bei der Pfeifenwinde (links) im Winter die Fruchtstände aufplatzen, ist ein absoluter Hingucker", so Andreas Fischbach. Auch das Silberblatt (Lunaria annua; rechts) überzeugt mit seiner Frucht: "Sie ist eine Schote, was man an der Mittelscheidewand erkennt. Das ist das botanische Unterscheidungsmerkmal zu unseren Hülsenfrüchten, denen fehlt die Mittelscheidewand."

Beim Silberblatt schimmern die dunklen Samen durch die silbrig-pergamentartigen Hüllen. "Es war in den 70ern die absolute Modepflanze und musste in jeder Bodenvase stehen", erinnert sich der Gartenmeister. Wie man sieht, macht es aber auch im Freiland eine sehr gute Figur. "Diese zweijährige Sorte blüht im Frühjahr leuchtend dunkel-violett, die staudige Sorte (Lunaria rediviva) blüht weiß."

Vom Silberblatt zur Trauben-Silberkerze (Cimicifuga raecmosa): "Da war auch grade noch ein kleiner Zaunkönig dran, auch die Rotkehlchen kommen jetzt noch, sie ist also ein Futterlager für unsere Vögel", so Fischbach. Die Silberkerze erreicht locker eine Höhe von zwei Metern. "Diese nordamerikanische Variante blüht im Sommer, aber im Winter besticht sie durch ihre sehr stabilen Fruchtstände. Deshalb bitte erst im Frühjahr zurückschneiden!"

Die Stink-Iris (Iris foetidissima) hellt jetzt im Winter mit ihren orangeroten Früchten den Schattenbereich unter der Pfeifenwinde auf. "Den Geruch nimmt man nur wahr, wenn man mit der Nase direkt an die Blüte geht. Ich habe sie auch bei mir im Garten stehen", gibt Andreas Fischbach Entwarnung. Die kleinen orangefarbenen Kugeln malen den Wintergarten bunt, wenn alles andere längst verblüht ist.

Interessant morbide wirken diese verblühten Glattblatt-Astern (Aster novi-belgii). Sie sind als Korbblüher, wie verblühte Sonnenblumen, auch jetzt reizvoll. Zudem: Lässt man sie über Winter stehen, schützt der oberirdische Bewuchs deren unterirdischen Wachstumsorgane vor Schnee, Regen und Frost. "Die Pflanze selbst stehen zu lassen, ersetzt die Luftpolsterfolie", erklärt Andreas Fischbach.

Nicht von ungefähr heißt diese Farnart "Straußenfarn" (Matteuccia struthiopteris). Seine dunkelbraunen bis fast schwarzen Sporenträger stehen stabil aufrecht und wirken von weitem wie Vogelfedern. Die dazugehörigen Wedel hat die Witterung zu Boden gedrückt. Aber auch sie geben ein schönes Bild ab, weil sie farblich von goldbraun bis dunkelbraun changieren.

In wohltuend erdigen Farben präsentieren sich auch die Wedel des kleineren Pfauenradfarns (Adiantum pedatum). Zusammen mit abgefallenem Laub und kleinen Schneemützen wirken sie umso interessanter. "Im Frühjahr kann ich ihn ganz einfach entfernen und er treibt hellgrün, ganz filigran aus", schwärmt Andreas Fischbach, "und er entwickelt auch keine aggressiven Ausläufer."

Keinesfalls fehlen im Wintergarten dürfen Gräser, wie dieses Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides). Gräser sind natürliche Lichtspiele, besonders, wenn sich in ihren Fruchtständen Regentropfen, Schnee oder Spinnweben verfangen. "Das Lampenputzergras macht ausdauernde Ausläufer, bleibt aber platztreu und ist völlig anspruchslos", so die Empfehlung des Gartenmeisters.

Ein Riese unter den Gräsern ist das Chinaschilf (Miscanthus sinensis). Hier in nicht-blühenden Sorten (vorne) und stark blühenden (hinten rechts). Es wird nur vom Rizinus (Rizinus communis) oder auch Wunderbaum überragt. Achtung: Rizinus-Samen sind tödlich giftig! Seine großflächigen grünen Blätter bilden aber einen interessanten Kontrast zu den dünnen Halmen des Chinaschilfes.

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Stand: 09.12.2017, 00:00