Farne – Wunderbare Wedel-Welt

Ein noch eingerollter frischer Farnwedel

Farne – Wunderbare Wedel-Welt

Von Sabine Krüger

Wer eine immense Farn-Vielfalt genießen möchte, ist im Park Härle in Bonn richtig. Dort führt der passionierte Farn-Sammler Michael Dreisvogt durch sein Reich der Immergrünen.

Farne – Wunderbare Wedel-Welt

WDR 4 Drinnen und Draußen 09.11.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 08.11.2020 WDR 4

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Schatzkasten für Farn-Seltenheiten

Farne waren im viktorianischen England besonders beliebt. Aber auch heute sammeln Farn-Freunde seltene Sorten, wie Michael Dreisvogt vom Baumpark der Stiftung Härle in Bonn.

Michael Dreisvogt mit einer besonderen Sorte eines gewellten Hirschzungenfarns

Michael Dreisvogt, Technischer Leiter des Arboretum (Baumpark) Park Härle in Bonn, mit Blick auf das Objekt seiner Begierde: ein junger Hirschzungenfarn einer seltenen Sorte mit extrem gewellten Wedeln (lat.: Asplenium scolopendrium undulatum muricatum). Auf der Unterseite sind die braunen Sporenpakete zu sehen. "Oben auf den Wedeln hat die Pflanze eine ungewöhnliche Struktur, die fast aussieht wie der Rücken eines Krokodils. Ich habe sie von einer Freundin aus England geschenkt bekommen", freut sich Michael Dreisvogt.

Michael Dreisvogt, Technischer Leiter des Arboretum (Baumpark) Park Härle in Bonn, mit Blick auf das Objekt seiner Begierde: ein junger Hirschzungenfarn einer seltenen Sorte mit extrem gewellten Wedeln (lat.: Asplenium scolopendrium undulatum muricatum). Auf der Unterseite sind die braunen Sporenpakete zu sehen. "Oben auf den Wedeln hat die Pflanze eine ungewöhnliche Struktur, die fast aussieht wie der Rücken eines Krokodils. Ich habe sie von einer Freundin aus England geschenkt bekommen", freut sich Michael Dreisvogt.

Dieser gewellte Hirschzungenfarn fällt durch die gelbe Färbung seiner Wedel auf (lat.: Asplenium scolopendrium Crispum Golden Queen). "Wenn man ihn zu sonnig setzt, verbrennt er, wenn er zu schattig steht, bleibt er grün. Wir haben die beste Erfahrung mit Morgensonne gemacht. Das ist eine seltene Sorte aus dem 19. Jahrhundert, der Hochzeit der Farnliebhaberei im viktorianischen England", erklärt der Pflanzensammler.

Und diese Hirschzunge ist gar ein Einzelstück: Ihre Wedel sind an der Basis pfeilförmig, wie die Blätter der Aronstäbe. "Die habe ich selbst in einem Garten als junge Pflanze entdeckt und vermutet, dass daraus etwas Besonderes wird. Sie gibt es nur einmal auf der Welt, nämlich hier. Weil ich sie so schön finde, habe ich einen Teil einem niederländischen Freund gegeben, der sie vermehrt", so Dreisvogt über seine Hirschzunge der Sorte "Sagitato christata".

Die zweite Besonderheit dieser Farnsorte, neben der pfeilförmigen Wedelbasis, sind die gekräuselten Wedelenden.

Farne sind urwüchsige Pflanzen, die aus der Zeit der Dinosaurier stammen. "Die Hirschzunge ist ein hübsches Unkraut. Dieser einheimische Farn kommt da vor, wo es Kalk oder Basalt gibt. Deshalb passiert es relativ häufig, dass er sich an Betonstandorten, wie Mauern oder Treppen oder an Steinbrüchen, aussät. Ich finde das lockert hier die langweilige Betontreppe charmant auf", schmunzelt Michael Dreisvogt.

Ein Bild, wie vom Floristen gestaltet: ein sternförmiger Schildfarn der Sorte "Herrenhausen" (lat.: Polystichum setiferum Herrenhausen), durchwirkt von einem sehr zarten Himalaja-Venushaar-Farn (lat.: Adiantum venustum). "Dessen Wedel sind fast immergrün: Im Februar schneiden wir die alten zurück und wenn dann im März die neuen frisch austreiben, kann man sich nicht ansatzweise vorstellen, dass er winterhart ist, aber das ist ein zäher Kerl!", so Dreisvogt.

Diese wunderschön spitz zusammenlaufenden Wedelenden sind das Markenzeichen eines besonders großen Schildfarns. Diese Sorte wurde 1876 in England von einem gewissen John Bevis in einer Hecke gefunden. Die gibt es nur ganz selten. Michael Dreisvogt hat eine Pflanze als Lohn für seine Arbeit während seines Praktikums in der Monksilver-Gärtnerei in England von Joe Sharman geschenkt bekommen.

"Dieser Farn passt gut ins Rheinland, er hat jecke Wedel", scherzt Michael Dreisvogt: "An einem Wedel hat er verschiedene Stadien der Verzweigung, also eine Mittelrippe mit einfachen Fiedern, gleichzeitig aber auch doppelt oder sogar dreifach verzweigte. Da sieht jeder Wedel anders aus. Dieser Tüpfelfarn der Sorte 'Cornubiense' ist eine gute Einsteigersorte: Er wuchert nicht, ist nicht teuer, lässt sich leicht vermehren und ist gleichzeitig etwas Besonderes."

Eine wunderschöne Kombination aus einem kleinen Gras links vorne, einem Schildfarn, einem wunderschön gezeichneten Blatt eines Wild-Alpenveilchens, das im Frühjahr blühen wird und dem gelben Laub der darüber wachsenden Indianer-Banane. "Das ist fast schon ein Stillleben", meint der Parkleiter.

Sehr elegant wirkt auch dieser Wedel eines schmalblättrigen Schildfarnes der "Cruciatum-Gruppe". "Die Wedel sind zwar 60 oder 70 Zentimeter lang, aber dafür nur circa zwei Zentimeter breit. Ich mag diese schmalblättrigen Sorten besonders gerne, auch wenn sie recht langsam wachsen", so Michael Dreisvogt.

Diese zwergförmigen Schildfarne (lat.: Polystichum setiferum Congestum) gibt es im Handel relativ häufig. "Die Silhouetten der einzelnen Wedel wirken wie Weihnachtsbäume. Wenn man den presst, sieht das auch tatsächlich so aus". Die gestauchten, rundlich gesägten Fiederchen sind auch als Schnittgrün sehr beliebt.

Diese Farnwedel lassen dafür an Petersilie denken. "Das ist auch wieder eine Pflanze aus der viktorianischen Zeit. Sowas steht nicht in jedem Gartencenter! Wenn man das Detail betrachtet, wirkt er eher chaotisch, aber die ganze Pflanze ist wieder sehr schön!", beschreibt Michael Dreisvogt den Schildfarn der Sorte "Cristatopinnulum". "Farngärtnereien gibt es in Hameln und der Schweiz. Ein anderer Spezialist aus den Niederlanden tourt mit seinen Farnen über die Raritätenmärkte."

Die meisten Farne vermehren sich über Sporen. "Wenn die reif sind, sind sie in der Regel auffallend gefärbt, wie hier bei diesem Tüpfelfarn in einem satten Gelb. Die unreifen Samen wären weiß. Man könnte jetzt so einen Wedel ernten, trocknen und unter speziellen Bedingungen aussäen", so der Farnkenner.

Der seltene Kettenfarn (lat.: Woodwardia unigemmata Crispa) kommt aus dem Himalaja: "Der hat eine eigenwillige Methode, sich zu vermehren: Die bis zu zwei Meter langen Wedel wachsen zuerst nach oben. Durch das Gewicht senken sie sich ab und an dieser Stelle entsteht eine kleine sogenannte Brutbulbe, ein Knöllchen. Und so wird aus jedem Wedelende ein neuer Farn. Das ist sicherlich eine der größten Farnsorten, die man hier in Mitteleuropa kultivieren kann".

Besonders hübsch sehen die Brutbulben dieses Flaumfeder-Schildfarns aus (lat.: Polystichum setiferum plumosum densum): Sie leuchten hellgrün auf der Mittelrippe der dunkelgrünen Wedel. "Die Wedel sind in mehreren Schichten weich überlagert, der Farn wirkt fast tropisch, aber er ist völlig winterhart. Dieser Farn ist bei uns heimisch, im Neandertal findet man beispielsweise schöne Bestände".

Hier kann man den Neuaustrieb beobachten. "Die meisten Farne haben zwei Wachstumsperioden: Im Frühjahr treiben frische Wedel aus, dann machen sie eine Sommerpause und im September bis November, wenn Niederschläge kommen, treiben sie nochmal aus. Deswegen ist jetzt die schönste Zeit für Farne: Der Frühjahrs-Austrieb ist voll entfaltet, sodass man die Sorten erkennen kann und gleichzeitig treibt Frisches nach".

Zudem erstrahlt der Baumpark der Stiftung Härle in Bonn aktuell auch noch in den prächtigsten Herbstfarben. Hier ist es der rotfärbende japanische Fächerahorn der Sorte "Osakazuki", zu dessen Füßen seltene Schildfarnsorten wachsen. Beides kann bei der Farnführung von Michael Dreisvogt am 16. November bewundert werden. Nähere Informationen dazu sind im Beitrag verlinkt.

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Stand: 07.11.2019, 10:02