Weihnachtsboten – Schön und lecker

Ein Weihnachtskaktus im Sukkulentenhaus des Botanischen Gartens Münster

Weihnachtsboten – Schön und lecker

Von Sabine Krüger

Weihnachtsbräuche weltweit, Weihnachtspflanzen und die Frage: Wie wachsen eigentlich die Gewürze unserer Weihnachtsbäckerei? All das zeigt ein Rundgang im Botanischen Garten Münster.

Weihnachtsboten – Schön und lecker

WDR 4 Drinnen und Draußen 22.12.2018 02:22 Min. Verfügbar bis 22.12.2019 WDR 4

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Von Weihrauch, Weihnachtskaktus und Weihnachtsstern

In Botanischen Gärten repräsentieren heimische und exotische Pflanzen Weihnachtsbräuche weltweit. Bei geführten Rundgängen kann man diese Traditionen mit allen Sinnen erleben.

Biologin Mirja Hentschel

Biologin Mirja Hentschel führt zu den Weihnachtspflanzen im Botanischen Garten Münster. Lange vor dem Weihnachtsbaum war schon die Stechpalme, auch Ilex, eine traditionelle Winterpflanze, die man sich ins Haus geholt hat. Der heidnische Brauch verehrte die immergrüne Pflanze als Verheißung des nächsten Frühjahrs, die Dornen sollten das Böse abwehren. Das Rot der Beeren stand für Blut, Liebe und Fruchtbarkeit.

Biologin Mirja Hentschel führt zu den Weihnachtspflanzen im Botanischen Garten Münster. Lange vor dem Weihnachtsbaum war schon die Stechpalme, auch Ilex, eine traditionelle Winterpflanze, die man sich ins Haus geholt hat. Der heidnische Brauch verehrte die immergrüne Pflanze als Verheißung des nächsten Frühjahrs, die Dornen sollten das Böse abwehren. Das Rot der Beeren stand für Blut, Liebe und Fruchtbarkeit.

Bei uns steht natürlich der Weihnachtsbaum an erster Stelle der Weihnachtspflanzen. Links eine Fichte, rechts eine Tanne. Der Unterschied drängt sich förmlich auf: Bei der Fichte hängen die Zapfen, bei der Tanne stehen sie. "Wenn man sich Zapfen an den Weihnachtsbaum hängt, dann sind das nie Tannenzapfen! Denn Tannenzapfen zerfallen schon oben auf der Tanne und man hat nur noch die Spindel stehen", klärt Mirja Hentschel auf.

Im mediterranen Raum verwendete man Granatäpfel als Christbaumschmuck. "Die roten Früchte am Baum sollten im nächsten Jahr eine reiche Ernte bringen. Und in Griechenland warf man frisch verheirateten Paaren Granatäpfel vor die Tür: Je mehr Kerne herausfielen, desto größer sollte deren Kindersegen werden", erzählt die Biologin.

Der Weihnachtsstern trägt die klassischen Weihnachtsfarben Rot und Grün. "Der amerikanische Botschafter in Mexiko, Joel Roberts Poinsett, hat diese Pflanze Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in die USA eingeführt. Leider verträgt der Weihnachtsstern keine Zugluft. Wenn man den also vom Markt nach Hause trägt, dann hat man vielleicht eine Woche lang Freude daran und dann rollen sich die Blätter ein und der Weihnachtsstern wirft alle Blätter ab. Und Staunässe mag er auch nicht", warnt Mirja Hentschel.

Zudem ist der Weihnachtsstern eine Kurztag-Pflanze. Das liegt daran, weil er aus der Äquatorregion kommt und dort die Tage nicht länger als zwölf Stunden sind. "Dieser Weihnachtsstern steht bei uns im Kaffeeraum und dann entwickelt er eben nicht die charakteristisch weihnachtliche Rotfärbung. Die Gärtnereien verdunkeln ab Ende Oktober die Gewächshäuser, damit das nicht passiert. Am natürlichen Standort werden Weihnachtssterne stattliche Bäume", so Hentschel.

Erkennen Sie die Pflanze? Es ist eine knospende Amaryllis, beziehungsweise botanisch korrekt Hippeastrum, auf Deutsch: Ritterstern. "Er braucht ab Oktober ungefähr sechs bis acht Wochen Trockenheit und darf erst danach wieder gegossen werden, damit er blüht", erklärt die Biologin. Auch er trägt die klassischen Weihnachtsfarben Rot und Grün.

"Ich finde, die Christrose muss sich hinter dem Weihnachtsstern nicht verstecken, und schon allein wegen ihres Namens ist sie für Weihnachten gerade zu prädestiniert. Zudem hat sie den Vorteil, dass man sie auspflanzen kann, sodass man lange Freude an ihr hat", bricht Mirja Hentschel eine Lanze für die Christrose.

Der Weihnachtskaktus ist, wie der Weihnachtsstern, eine Kurztagspflanze und er braucht eine Trockenphase wie der Ritterstern. Die optimale Blühtemperatur liegt zwischen zehn und fünfzehn Grad. Vielen werden sich wie Mirja Hentschel erinnern: "Bei meiner Oma stand der im ungeheizten Flur. Man musste immer schauen, dass man schnell durch den Flur ins warme Wohnzimmer kam. Dort hat der Kaktus natürlich besonders lange geblüht."

Bei einer Weihnachtspflanzen-Führung darf natürlich der Arabische Weihrauch nicht fehlen, denn das war eine der drei Gaben der heiligen drei Könige: "Gold stand für das Königreich, Myrrhe für das Leiden und Weihrauch für das Heiligtum", erklärt Hentschel. "Man gewinnt das Harz, indem man den Weihrauch anritzt. Dann wird es getrocknet und verräuchert."

Koriander ist häufig in Lebkuchen-Gewürzmischungen zu finden, allerdings die Samen, nicht die Blätter. "Der Name kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt Wanze, weil man diesen seifigen Geruch mit dem verglichen hat, den Wanzen ausströmen", so Hentschel. Eine Medizinstudentin unter den Rundgangs-Teilnehmern ergänzt, dass es genetisch bedingt sei, ob man Koriander mag. Menschen mit weniger Geschmacksknospen mögen ihn, die mit mehr empfänden ihn als seifig.

Das Charakteristische an dieser Pflanze ist, dass hier die Blüten direkt aus dem Stamm wachsen. "Das nennt man in der Botanik Kauliflorie und ist typisch für den Regenwald. Dort ist es für die Bestäuber viel einfacher am Stamm hochzuklettern als in den dünnen Baumwipfeln rumzuturnen. Bei uns sind die meisten Windbestäuber, aber das funktioniert im dichten Regenwald auch nicht", so die Biologin. Welche Pflanze ist es?

Es ist der Kakaobaum! "Auch wegen der schweren Schoten ist es besser, dass die Früchte direkt am Stamm wachsen", ergänzt Hentschel. Der Kakaokonsum steigt in der Weihnachtszeit extrem an. "Der lateinische Name ist Theobroma und heißt auf Deutsch: Göttertrunk. Montezuma soll täglich um die fünfzig Tassen Kakao getrunken haben."

Ingwer-Schnitten werden inzwischen auch häufig zu Weihnachten gebacken. Hier sieht man die Pflanze dazu. Das, was wir essen, ist das Rhizom, also das unterirdische Wachstumsorgan. Kauft man im Handel Knollen mit Augen (siehe kleines Bild), kann man Ingwer als Zimmerpflanze ziehen. "Einfach in die Erde, noch ein kleines bisschen Erde drüber, dann müsste die Knolle neu austreiben und man kann bei Bedarf welche ausgraben und in der Küche verwenden", erläutert Mirja Hentschel.

So sehen Erdnuss-Pflanzen aus, deren Nüsse auch sehr beliebt sind in der Weihnachtsbäckerei. Sie gehören zu den Schmetterlingsblütlern wie unsere Erbsen. "Das Faszinierende an ihr ist, dass sie ein Selbstpflanzer ist. Nach der Selbstbefruchtung der Blüten bildet sich ein langer Stiel, der sich zu Boden biegt und in die Erde schiebt, wo sich dann die Erdnuss bildet. Also im Prinzip hat die Pflanze ihren Samen selbst gepflanzt", so Hentschel bewundernd.

Nach so viel Geschichten über die Zutaten der Weihnachtsbäckerei kann der Rundgang nicht ohne Verkostung enden: Bei Weihnachtspunsch, Walnuss-Apfel-Kuchen, Weihnachts-Maronentalern und selbstgebackenen Eis-Waffeln tauscht sich die Gruppe lebhaft über die Eindrücke aus. Ein echtes Verwöhn-Programm vom Team des Botanischen Gartens Münster!

Lesetipp

Biblische Gärten und ihre Pflanzen
Autoren: Joachim Brocks, Christine Weidenweber
Cadmos Verlag, 2016
16,95 €

Stand: 22.12.2018, 00:00