Veredeln – Aus Zwei mach Eins

Ein Reis wird zum Veredeln angeschnitten

Veredeln – Aus Zwei mach Eins

Von Sabine Krüger

Kürzlich haben wir darüber berichtet, wie man Reiser schneidet. Jetzt folgt Teil zwei: das Veredeln. Ein Kurs in Eschweiler zeigt, wie aus Edelreisern neue Obstbäume werden.

Veredeln – Aus Zwei mach Eins

WDR 4 Drinnen und Draußen 23.02.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 23.02.2020 WDR 4

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Neuer Obstbaum aus alter Sorte

Möchten Sie einen Ableger einer speziellen Obstsorte? Dazu brauchen Sie ein Reis dieser Sorte und eine bewurzelte Unterlage einer anderen. Wir zeigen, wie Sie beide verbinden, damit daraus ein Obstbaum wird.

WDR 4 Drinnen und Draußen: Veredeln – Aus Zwei mach Eins

Nach dem Reiserschnitt folgt Teil zwei des Veredelungskurses von Timo Sachsen. Für den Verein Bine e.V. bringt er elf Teilnehmern die einfachste Form der Veredelung bei: die Kopulation. Dazu werden ein bewurzeltes Stück einer Obstsorte, die sogenannte Unterlage, mit einem Reis einer anderen Obstsorte, dem sogenannten Edelreis, verbunden. Das Edelreis ist ein Stück Ast von der Obstsorte, die der fertige Baum später tragen soll.

Nach dem Reiserschnitt folgt Teil zwei des Veredelungskurses von Timo Sachsen. Für den Verein Bine e.V. bringt er elf Teilnehmern die einfachste Form der Veredelung bei: die Kopulation. Dazu werden ein bewurzeltes Stück einer Obstsorte, die sogenannte Unterlage, mit einem Reis einer anderen Obstsorte, dem sogenannten Edelreis, verbunden. Das Edelreis ist ein Stück Ast von der Obstsorte, die der fertige Baum später tragen soll.

Rechts in den Eimern stehen die bewurzelten Unterlagen und quer liegen die Reiser verschiedener Apfelsorten, wie "Rote Sternrenette" oder "Roter Boskoop". Letztere wählt man nach dem eigenen Geschmack aus und danach, ob man eher einen Tafel- oder einen Lagerapfel haben möchte. Die Unterlage hat auch Einfluss auf die Entwicklung des Baums. Je nach Sorte wird aus der veredelten Pflanze später eher ein kleiner oder ein großer Baum.

Deshalb wollen Unterlagen und Edelreiser gut ausgewählt sein. Timo Sachsen hilft den Kurs-Teilnehmern beim Kombinieren.

Neben Reisern von Äpfeln hat er auch solche von Kirschen mitgebracht, wie "Inspecteur Löhnis" und "Kassins Frühe Herzkirsche" sowie die Birnensorten "Alexander Lucas" und "Gute Graue".

Werkzeug braucht man natürlich auch zum Veredeln: Ganz links liegt ein Okuliermesser. Okulieren ist eine andere, kompliziertere Veredelungsart. Dann folgt eine Kopulierhippe, das ist ein gebogenes Messer zum Kopulieren. Rechts daneben ein gerades Kopuliermesser. Mit welchem man besser klarkommt, muss jeder selbst ausprobieren. Ganz rechts dann die Gartenschere, mit der das veredelte Pflänzchen am Schluss gekappt wird.

Offensichtlich kann man auch mit einem Okuliermesser kopulieren, Hauptsache, das Messer ist scharf. Der schnittfeste Däumling schützt vor Verletzungen. Denn beim Kopulieren schneidet man zum eigenen Körper. Den Schnitt führt man an der Unterlage und am Edelreis gegengleich jeweils gegenüber einer Knospe aus. Diese sogenannten Zugknospen sorgen dafür, dass die Veredelungsstelle schneller zusammenwächst.

Bei einem idealen Schnitt liegt die Knospe ungefähr mittig. Das Reis sollte in schräger Linie ohne Drehung glatt durchgeschnitten sein – ohne dass noch ein langer Fortsatz bleibt. Die Schnittfläche sollte ungefähr zwei- bis dreimal so lang sein wie die Dicke des Reises: "Da beim Veredeln die beiden Pflanzenteile an einer sehr dünnen Schicht unterhalb der Borke, dem Kambium, zusammenwachsen sollen, braucht der Schnitt eine gewisse Länge. Zu lang darf er aber auch nicht sein, weil Wunden immer die Gefahr von Krankheiten bergen", so Timo Sachsen.

Karl Kelzenberg aus Würselen tut sich, wie alle Anfänger, zu Beginn etwas schwer mit dem Schnitt. Er kommt aber schnell in Übung und erntet Lob vom Kursleiter.

Hat man die Unterlage und das Edelreis in ungefähr demselben Winkel und ähnlich lang angeschnitten, sollte man die Wunden möglichst nicht mehr anfassen, um Verunreinigungen zu vermeiden. Damit die Schnittstellen nicht austrocknen heißt es zudem: Zügig weiterarbeiten! Also, beide Teile aneinanderlegen und mit einem speziell dafür geeigneten elastischen Klebestreifen umwickeln, dem sogenannten Medifilm. "Der wächst später mit und löst sich irgendwann auf", erklärt Timo Sachsen.

Sind die Schnittstellen fest umwickelt, wird das Edelreis, also der obere Teil, nach drei bis vier Knospen hinter der Veredelungsstelle gerade mit der Gartenschere gekappt und mit einem Wundverschluss-Mittel verstrichen. Dann muss die junge bewurzelte Pflanze in einen Topf mit Erde. Karl Kelzenberg nimmt einen "Roten Boskoop" und einen "Roten Berlepsch" mit nach Hause.

Andrea Leersch-Krüger hat zusammen mit ihrer Tochter vier Bäumchen veredelt: einen "Rheinischen Bohnapfel", einen "Roten Boskoop", eine "Ananasrenette" und eine "Rote Sternrenette". Die "Ananasrenette" und die "Rote Sternrenette" verschenken sie an Freunde.

Lesetipps

Pflanzen veredeln
Autor:  Heiner Schmid
Ulmer Verlag, 2019
9,95€

Farbatlas Alte Obstsorten
Autor: Walter Hartmann
Ulmer Verlag, 2015
24,90 €

Stand: 23.02.2019, 00:00