Trockenkünstler für den Garten

Eine weiße Zistrosenblüte neben einer Wolfsmilchblüte

Trockenkünstler für den Garten

Von Sabine Krüger

Die Weltwetterorganisation erwartet für 2020 wieder einen Hitzesommer: Zeit für trockenheitsverträgliche Pflanzen. Mit ihnen lassen sich auch lebendige Kiesgärten gestalten.

Trockenkünstler für den Garten

WDR 4 Drinnen und Draußen 13.06.2020 02:19 Min. Verfügbar bis 13.06.2021 WDR 4

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Dürrekünstler und lebendige Kiesgärten

Kiesgärten müssen keine "Gärten des Grauens" sein. Das zeigt ein Besuch beim Hildener Gartengestalter Peter Janke. Er stellt uns seine Favoriten für heiße, trockene Sommer vor.

Peter Janke neben einer Königskerze

Gartendesigner Peter Janke hat immer wieder für und mit (der inzwischen verstorbenen) Beth Chatto gearbeitet, der britischen großen Dame der Gartengestaltung. Berühmt geworden war sie für ihren naturnahen Kiesgarten. Da Jankes Hildener Grundstück zum Teil auf einer vom Rhein abgelagerten Sandbank liegt, mit extrem trockenem und nährstoffarmem Boden, orientierte er sich an ihrem Vorbild. Hier präsentiert er seinen ersten Dürrekünstler: die mannshoch wachsende Königskerze.

Gartendesigner Peter Janke hat immer wieder für und mit (der inzwischen verstorbenen) Beth Chatto gearbeitet, der britischen großen Dame der Gartengestaltung. Berühmt geworden war sie für ihren naturnahen Kiesgarten. Da Jankes Hildener Grundstück zum Teil auf einer vom Rhein abgelagerten Sandbank liegt, mit extrem trockenem und nährstoffarmem Boden, orientierte er sich an ihrem Vorbild. Hier präsentiert er seinen ersten Dürrekünstler: die mannshoch wachsende Königskerze.

Schon die Rosette mit den dicken silbrig-grau-grünen Blättern vorne links lässt erahnen, dass Königskerzen hoch hinaus wollen. Bei Peter Janke wachsen verschiedene Varianten in unterschiedlichen Gelbtönen, die sich teilweise auch mit einer weißblühenden Königskerze (Verbascum nigrum "album") gekreuzt haben. Sehr schön kombiniert sind die stattlichen Riesen unter anderem mit dem kleinen Flausch-Federgras aus Mexiko.

Die Gräser, auch das hochwachsende Pyrenäen-Federgras, bringen Leichtigkeit ins Gartenbild. Sie wirken, gerade in der harten Mittagssonne, als Weichzeichner. Gleichzeitig verbinden die beige-weißen Graswolken die verschiedenfarbig gestalteten Staudenflächen. Hier leuchten zwischen den Halmen Zierlauchpflanzen durch, in tiefem Burgunderrot und Rosa.

Aus der Nähe betrachtet zeigt sich, dass die kugeligen Lauchblüten aus lauter kleinen sternförmigen Blüten bestehen.

Peter Janke liebt ganz besonders diesen gelblich-grün blühenden Zierlauch, den "Gelblichen Scharflauch" (Allium obliquum): "Er ist sehr ausdauernd, eine wunderschöne Pflanze, hier kombiniert mit Reitgras."

Diese kecken Zipfelmützen sind die Knospen der Porree-Kreuzung "Summer Drummer". "Porree ist übrigens auch eine Zierde für den Garten, wenn man ihn blühen lässt. Die verschiedenen Lauchpflanzen sorgen vom frühen Frühjahr – mit dem wilden Bärlauch – bis zum Spätherbst für Blüten im Garten", so Jankes Empfehlung.

Ähnlich hoch wie der Zierlauch wachsen im Kiesgarten gelblich-grün blühende Wolfsmilchgewächse. Sie haben – wie die Gräser – die Funktion, Verbindungen zwischen den farbigen Staudenpflanzungen herzustellen. Neben den Wolfsmilchgewächsen umspielt eine Zistrose romantisch die gemütlichen Holz-Lehnstühle.

Während die reinweiße Blüte des Zistrosenstrauchs mit den gelben Staubgefäßen sommerlich-frisch wirkt, steuert die verblühende Wolfsmilch etwas Morbides bei. Eine sehr reizvolle Kombination.

In Peter Jankes "Entdeckergarten", einem anderen Garten-Raum, steht ein weiterer Zistrosenstrauch: "Zistrosen werden viel zu wenig verwendet, dabei leisten sie so viel: Sie blühen unentwegt und können Standorte aushalten, die erbarmungslos heiß und trocken sind, sie sind also besonders für Stadtgärten mit sandigen Böden geeignet. Allerdings nicht in der Hocheifel und im Sauerland: Ihre Frosthärte liegt circa bei minus acht Grad. Insekten mögen sie auch."

Zudem wachsen Zistrosen schnell. Der Strauch hinter dem Riesenschachtelhalm war vor drei, vier Jahren ein einziges kleines Pflänzchen von 40 Zentimeter Höhe. "Weil Zistrosen Schnitt nicht gut vertragen, sollte man sie von vornherein an einen Platz setzen, wo sie sich ausbreiten dürfen. Man pflanzt sie am besten im Frühjahr, spätestens bis Mitte Juli, damit sie bis zum Winter Zeit haben, ihr Wurzelwerk in den Boden zu bringen", so der Gartendesigner.

Diese mächtige Blüte gehört zum Muskatellersalbei in Peter Jankes "Silbergarten": "Auch er ist ein absoluter Insektenmagnet. Klassischerweise blüht Muskatellersalbei hellviolett. Das hier ist aber die weiße Auslese der Sorte 'Vatican White'."

"Auch der violettblühende Steppensalbei sollte an trockener Stelle in keinem Hausgarten fehlen", empfiehlt Janke. Er hat ihn kombiniert mit der weißblühenden Färberkamille der Sorte "Sauce Hollandaise". "Aber der absolute Trockenkünstler in meinem Kiesgarten war im letzten Jahr der gewöhnliche wilde Majoran: Er blühte unentwegt, hatte keine Trockenheitsschäden und war bei den Insekten sehr beliebt."

Zurück im Kiesgarten ist noch einmal Zeit, die üppige harmonisch-farbenfrohe Bepflanzung zu genießen. Hervorzuheben ist noch die violette Katzenminze der Sorte "Walkers Low", einmal gepflanzt hinter der gelblich-grünen Steppenwolfsmilch und ein zweites Mal links hinter dem Zierlauch. Die Katzenminze verdeckt hier auch das vergehende Laub des Lauchs.

Dass dieser Kiesgarten mit den "Gärten des Grauens" in städtischen Vorgärten gar nichts gemein hat, liegt unter anderem daran, dass hier nicht der Kies, sondern die Pflanzen die Hauptrolle spielen. Und dass hier weder Folien noch Vliese verwendet wurden: "Folien und Vliese unterdrücken nicht das Unkraut, sondern verhindern die natürliche Dynamik im Beet", warnt der Gartendesigner. Diese natürliche Dynamik sorgt hier für weiche Formen, die an ein ausgetrocknetes Flussbett erinnern.

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Stand: 12.06.2020, 10:28