Sturm und Unwetter: Welche Versicherung zahlt?

Unwetter

Sturm und Unwetter: Welche Versicherung zahlt?

  • Was bei Unwetterschäden zu tun ist
  • Gebäude-, Hausrat-, Kfz- und Haftpflichtversicherung sind zuständig
  • Wie man Ärger mit der Versicherung vermeidet

Heruntergefallene Dachziegel, umgestürzte Bäume und ein Keller voller Wasser: Ein Unwetter kann teuer werden. Aber wer zahlt für Schäden durch Regen, Sturm und Hagel? Und was sollte man bei der Beseitigung beachten? Hier finden Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welche Versicherung zahlt bei Unwetter?

Eine Universalversicherung gegen Unwetterschäden gibt es nicht, mehrere Versicherungsarten teilen sich die Risiken. Die Wohngebäudeversicherung kommt für Schäden am Haus auf. Die Hausrat-Versicherung ist zuständig, wenn bewegliche Gegenstände wie Möbel, Teppiche oder technische Geräte durch Regen oder Sturm in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Für Schäden an Fahrzeugen kommt die Teil- oder Vollkaskoversicherung auf. Werden andere verletzt – etwa durch einen heruntergefallenen Blumentopf – übernimmt die private Haftpflichtversicherung den Ausgleich. Bei Mehrfamilienhäusern ist in diesem Fall die Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung zuständig.

Welche Schäden zahlt die Gebäudeversicherung?

Sturmschäden am Gebäude – wie abgedeckte Dächer oder durch Regenwasser beschädigte Wände – sind grundsätzlich durch die Wohngebäudeversicherung abgedeckt, die der Eigentümer der Immobilie abschließt. Voraussetzung: Der Sturm muss mindestens die Windstärke acht haben. Bei Hagelschäden zahlt der Versicherer laut Verbraucherzentrale NRW unabhängig von der Windstärke.

Auch wenn der Blitz einschlägt und einen Brand entfacht, übernimmt die Gebäudeversicherung die Regulierung. Aber: Gewitterschäden durch Überspannung, Überstrom oder Kurzschluss werden nur von der Gebäudeversicherung übernommen, wenn eine sogenannte Überspannungsklausel vereinbart wurde. Je nach Police sind auch Schäden am Gartenhaus oder Carport eingeschlossen.

Nicht versichert sind dagegen sogenannte Elementarschäden durch ins Gebäude eindringendes Wasser von der Straße oder durch Überflutungen. Wer diese abdecken möchte, benötigt eine zusätzliche Elementarversicherung.

Wann braucht man eine Elementarschaden-Versicherung?

Die Elementarschadenversicherung wird als Zusatzbaustein zur Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung angeboten. Sie schützt vor finanziellen Folgen von Naturereignissen, wie Überschwemmung, Erdbeben, Schneemassen und Hochwasser. Die Beitragshöhe hängt von der Größe der Immobilie und der geografischen Lage des Hauses ab.

Wer eine solche Police für Elementarschutz abschließt, sollte darauf achten, dass Schäden durch Witterungsniederschläge und Schäden durch Rückstau mit eingeschlossen sind. Hier bestehen die Versicherer in der Regel auf dem Einbau einer Rückstausicherung am Kellerabfluss.

Was übernimmt die Hausratversicherung?

Möbel stehen auf der Straße

Sie greift grundsätzlich dann, wenn Möbel und andere Einrichtungsgegenstände beschädigt werden. Falls das Haus geräumt werden muss, übernimmt die Hausratversicherung für gewisse Zeit auch die Kosten für Hotelübernachtungen, Aufräumarbeiten sowie Transport und Lagerung von Möbeln.

Wer allerdings trotz eines Sturms Fenster oder Türen offen gelassen hat, bekommt kein Geld von der Versicherung. Außerdem ist eine ausreichende Versicherungssumme entscheidend.

Verbraucherschützer empfehlen mindestens 650 Euro pro Quadratmeter, um eine Unterversicherung zu vermeiden. Liegt die versicherte Summe unter dem Neuwert des Hausrats, übernimmt die Versicherung die Kosten einer Neuanschaffung nur anteilig.

Wer zahlt für Schäden am Auto?

Schäden durch herabstürzende Dachziegel, Äste, abknickende Bäume deckt die Teilkasko-Versicherung. Allerdings auch nur, wenn der Sturm mindestens Stärke 8 hatte. Auch wenn Hagel und Überschwemmungen das Fahrzeug lädieren, springt die Teilkasko-Versicherung ein.

"Da es bei dieser Police keine Schadensfreiheitsrabatte gibt, brauchen Fahrzeughalter keine Rückstufung zu befürchten", so die Verbraucherzentrale NRW. Bei einer Selbstbeteiligung wird diese vom Schaden abgezogen.

Vorsicht bei von Hochwasser gefährdeten Gebieten

Allerdings kann die Versicherung die Regulierung ganz oder zum Teil verweigern, wenn das Fahrzeug trotz polizeilicher Warnung in einem durch Hochwasser gefährdeten Gebiet abgestellt wurde.

Eine Vollkasko-Versicherung zahlt Schäden dagegen unabhängig von der Windstärke und greift auch, wenn der Schaden selbst verschuldet ist. Versichert ist in der Regel allerdings nicht der Wiederbeschaffungswert, sondern nur der Zeitwert des Wagens.

Was tun, wenn ein Schaden eingetreten ist?

  • Schäden dem Versicherer melden und das weitere Vorgehen abklären. Beispielsweise, ob Sie selbst einen Handwerker beauftragen oder die Versicherung erst einen Gutachter schickt. "Äußerungen des Versicherers sollten Sie sich unbedingt auch schriftlich geben lassen", so der Rat der Verbraucherzentrale NRW.
  • Gefahrenquellen beseitigen und so absichern, dass kein weiterer Schaden entsteht. Also das Dach notdürftig abdichten, mit Wasser vollgelaufene Keller ausschöpfen. Aber bitte keine kaputten Gegenstände wegwerfen!
  • Schäden mit Fotos und Videos möglichst detailliert dokumentieren.
  • Oft schickt der Versicherer einen Regulierer vorbei, der sich den Schaden anschaut. Die Verbraucherzentrale NRW mahnt: "Dieser ist kein unabhängiger Gutachter: Er wird vom Versicherer bezahlt und vertritt dessen Interessen."
  • Wird ein Handwerker nach Rücksprache mit der Versicherung mit der Reparatur und Beseitigung der Schäden beauftragt, sollte der Auftrag hinsichtlich Umfang, Termin und Kosten so genau wie möglicher erteilt werden. Das beugt Missverständnissen vor.

Sturm und Unwetter: Was zahlt die Versicherung und was nicht?

Egal ob Sommergewitter oder Herbststurm: Regen, Sturm, Hagel und Schnee können teure Schäden verursachen. Wer sich rechtzeitig und ausreichend versichert, muss zumindest die finanziellen Folgen nicht fürchten. Aber es gibt auch einige Tücken:

Ein Baum fällt auf ein Haus

Streitfall Baum: Weht ein Sturm einen Baum auf das Haus des Nachbarn und es gab bereits Anzeichen für eine fehlende Standfestigkeit des Baums, muss der Baumbesitzer den Schaden regulieren. Das übernimmt in der Regel die private Haftpflichtversicherung. Waren jedoch keine Schäden erkennbar, zahlt die Gebäudeversicherung des Nachbarn.

Streitfall Baum: Weht ein Sturm einen Baum auf das Haus des Nachbarn und es gab bereits Anzeichen für eine fehlende Standfestigkeit des Baums, muss der Baumbesitzer den Schaden regulieren. Das übernimmt in der Regel die private Haftpflichtversicherung. Waren jedoch keine Schäden erkennbar, zahlt die Gebäudeversicherung des Nachbarn.

Umfallen ist kein Schaden: Stürzt ein Baum auf das Grundstück des Besitzers und richtet dort keinen weiteren Schaden an, muss der Besitzer selbst das Zersägen und Entsorgen tragen. Wer sich hier absichern will, muss eine Extraklausel vereinbaren.

Die Hausratversicherung übernimmt zwar die Schäden an beweglichen Gütern, aber die meisten Gegenstände im Freien vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Dazu zählt auch das Trampolin im Garten, das bei drohendem Sturm unbedingt gesichert werden muss. Wer hier grob fahrlässig handelt, haftet für entstehende Schäden.

Schlägt der Blitz direkt ins Haus ein, ist die Wohngebäudeversicherung zuständig. Aber: Gewitterschäden durch Überspannung, Überstrom oder Kurzschluss werden nur von der Versicherung übernommen, wenn eine sogenannte Überspannungsklausel vereinbart wurde.

Läuft bei starkem Regen Wasser von der Straße oder von einem überfluteten Fluss in den Keller, winken Gebäude- und Hausratversicherung ab. Solche Elementarschäden müssen ebenfalls extra versichert werden – was sich die Versicherer häufig gut bezahlen lassen. Zudem bekommen Hausbesitzer, die in einem Hochwasser-Risikogebiet leben oder in den vergangenen Jahren einen Schaden hatten, oft keine Police.

Auch bei Schäden durch Schnee greift die normale Gebäudeversicherung nicht. Bricht ein Dach unter der hohen Schneelast etwa ein, übernimmt nur eine Elementarschadenversicherung die Regulierung. Hauseigentümer sind grundsätzlich verpflichtet, das Dach bei Gefahr von Schnee freizuräumen. Treffen Dachziegel, Blumentöpfe oder Eislawinen auf Autos oder Personen, greift die private Haftpflichtversicherung des Hausbesitzers.

Wer in ein Fahrzeug hineinfährt, das zuvor gegen einen vom Sturm umgestürzten Baum geprallt ist, erhält nur dann von der Versicherung seinen Schaden ersetzt, wenn er eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen hat. Auch ist oft unklar, inwieweit Fahrzeugteile oder sonstiges Zubehör wie Kindersitze mitversichert sind. Am besten vor Vertragsabschluss prüfen.

Sturmschäden – wer zahlt was? Servicezeit 10.02.2020 05:12 Min. UT Verfügbar bis 10.02.2021 WDR Von Maike Busse

Stand: 08.06.2020, 08:20