Sträucher richtig schneiden

WDR 4 Drinnen und Draußen: Sträucher richtig schneiden

Sträucher richtig schneiden

Von Sabine Krüger

Wer Gehölze passend zum Platz kauft, hat weniger Arbeit. Wie man schneidet, wenn es dennoch nötig wird, haben wir als Faustregeln von Gärtnerin Katja Kleinert vom VHS-Biogarten Köln für Sie zusammengestellt.

Sträucher richtig schneiden

WDR 4 Drinnen und Draußen | 07.07.2018 | 02:13 Min.

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Sanfter Strauchschnitt

Auch für den Strauchschnitt gilt: "Zwei Gärtner, drei Meinungen". Gärtnerin Katja Kleinert bekennt sich im Biogarten der Volkshochschule Köln zum naturgemäßen Schnitt.

WDR 4 Drinnen und Draußen: Sträucher richtig schneiden

"Jetzt natürlich nicht die Himbeeren schneiden, wenn die Früchte dran hängen!", lacht Katja Kleinert beim Foto-Shooting. Sie ist Gärtnerin und schon viele Jahre lang ehrenamtlich aktiv im Kölner Biogarten am Thurner Hof. Zudem leitet sie dort für die Volkshochschule Gartenkurse wie den zum Strauchschnitt. "Nach der Ernte sollten die abgeernteten Ruten der Himbeeren über dem Boden gekappt werden", erklärt sie.

"Jetzt natürlich nicht die Himbeeren schneiden, wenn die Früchte dran hängen!", lacht Katja Kleinert beim Foto-Shooting. Sie ist Gärtnerin und schon viele Jahre lang ehrenamtlich aktiv im Kölner Biogarten am Thurner Hof. Zudem leitet sie dort für die Volkshochschule Gartenkurse wie den zum Strauchschnitt. "Nach der Ernte sollten die abgeernteten Ruten der Himbeeren über dem Boden gekappt werden", erklärt sie.

Wo man Ziersträucher schneidet, hängt davon ab, zu welcher der drei Gruppen sie gehören. Die erste ist die der Sträucher, die baumartig wachsen - mit ein, zwei Haupttrieben, die sich dann kurz über dem Boden verzweigen. Dazu gehören unter anderen Flieder, Magnolien, Zaubernüsse und Schneebälle. "Bei ihnen nimmt man auf gewünschter Höhe einzelne Triebe raus, die nicht so wachsen, wie man das gerne hätte", erklärt Katja Kleinert.

Die zweite Gruppe ist die häufigste. Das sind diejenigen, die mit vielen mehr oder weniger gleichberechtigten Trieben aus dem Boden wachsen, wie Ranunkelstrauch, Spiräen, Pfeifenstrauch, Sommerflieder und der Haselstrauch. "Die behandelt man ganz einfach: Sie nehmen sich jedes Jahr zwei, drei, vier, fünf der Allerdicksten und sägen die, so weit wie es geht, unten ab", so die Kursleiterin.

Da Haselsträucher sehr wuchsfreudig sind, kann es auch erforderlich werden, darüber hinaus einzukürzen. "Für alle Sträucher gilt: Nicht einfach irgendwo schneiden, sondern immer kurz hinter einer Verzweigung. Und die Haselnuss sollten Sie im Juli einkürzen, sonst schießt die Ihnen gleich wieder oben raus", rät Kleinert. Denn der Sommerschnitt löst nur schwaches Neu-Wachstum aus, der Winterschnitt starkes.

Der richtige Schnittzeitpunkt von Ziersträuchern ist generell nach der Blüte. Die Sträucher aber, die im Sommer und Spätsommer blühen, sollte man am Winterende oder Frühjahrsanfang kappen. Dazu gehört auch dieser Sommerflieder im Bild. Die Gärtnerin führt den Schnitt nicht durch, sondern zeigt nur nochmals, dass man hinter einer Verzweigung schneiden sollte.

Die dritte Wuchsform sind Sträucher, die auch mit mehreren Trieben gleichzeitig aus dem Boden kommen, aber mit zunehmendem Alter immer weiter überhängen. Musterbeispiel ist die Forsythie. "Sobald die Äste dann den Boden berühren, bilden sie Luftwurzeln, die festwachsen, sodass ein neuer Strauch entsteht. Um das zu vermeiden, schneidet man sie jeweils am Scheitelpunkt des gebogenen Asts", empfiehlt Katja Kleinert.

Ein Sonderfall ist der Heckenschnitt. "Hier schneidet man möglichst immer an denselben Stellen oben und an der Seite zum Weg. Dann verzweigt sich dort die Hecke immer stärker und wird immer dichter. Das klappt zum Beispiel bei der Hainbuche, die eigentlich ja ein Baum ist, sehr gut", meint die Gärtnerin.

Weiterer Sonderfall: Obststräucher. Um hier zu entscheiden, wo man schneidet, muss man wissen, ob der Strauch seine Früchte am einjährigen Holz ausbildet oder am zweijährigen. An diesem Stachelbeer-Strauch erkennt man das sehr gut: Das einjährige Holz ist das helle, das zweijährige das dunklere. Stachelbeeren tragen ihre Früchte am zweijährigen Holz.

Weiße und Rote Johannisbeeren (im Bild) tragen ihre Früchte an einjährigen Seitentrieben von mehrjährigen Haupttrieben. Wenn diese Haupttriebe vergreisen, bilden sie weniger Früchte. Derart vergreiste Triebe entfernt man bodennah mit einer Baumschere oder einer kleinen Säge. Katja Kleinert empfiehlt zudem, die einjährigen Triebe im Spätwinter einzukürzen.

Der VHS-Biogarten in Köln ist ein naturnaher Garten, der auch Insekten und Vögel fördert. Zum Schutz nistender Vögel regelt Paragraph 39 des Bundesnaturschutz-Gesetzes, dass vom 1. März bis zum 30. September an Hecken und Gehölzen nur schonende Pflege- und Formschnitte erlaubt sind. Und das gilt für jeden Garten! Also erstmal schauen, ob im Strauch ein Nest gebaut wurde und wenn ja, Schnittmaßnahme verschieben!

Lesetipp

Der sanfte Schnitt: Schonend schneiden im Naturgarten. Obstbäume, Rosen, Wildgehölze und mehr
Autorin: Ulrike Aufderheide
pala-Verlag, 2018
16 €

Stand: 07.07.2018, 00:00