Staudenbeet – Was jetzt zu tun ist

Hochsommer im Biogarten der Volkshochschule Düsseldorf

Staudenbeet – Was jetzt zu tun ist

Von Sabine Krüger

Jetzt, wenn die Stauden in ihrer höchsten Pracht in den Beeten stehen, werden auch Fehler in der Pflanzung erkennbar. Wir zeigen, wie man zum Nutzen der Pflanzen eingreift.

Staudenbeet – Was jetzt zu tun ist

WDR 4 Drinnen und Draußen 14.07.2018 02:18 Min. WDR 4

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Stauden freischneiden, kürzen, teilen

"Die Pflanze zeigt uns alles, was sie braucht", meint Gärtnermeisterin Ulla Hannecke. Beobachten sei daher wichtig. Ihre Tipps für Arbeiten im Staudenbeet im Hochsommer.

Gärtnermeisterin Ulla Hannecke hat ihr Staudenwissen bei den renommierten Gartengestaltern Peter Janke und Anja Maubach erworben. Im Botanischen Garten Düsseldorf hat sie das Nutzpflanzenbeet gestaltet. Als Kursleiterin zum Sommerlichen Staudenbeet im Biogarten der Volkshochschule Düsseldorf richtet sie ihren freundlich-kritischen Blick sowohl auf die Stauden als auch auf die Nutzpflanzen. Da, wo der Topinambur (im Bild) schwer über dem Weg hängt, stutzt sie ihn zurück, damit er sich wieder aufrichten kann.

In den Beeten des VHS-Biogartens in Düsseldorf dürfen zwischen den Zierpflanzen auch mal Nutzpflanzen wachsen. Und zwischen den mehrjährigen Stauden einjährige Sommerblüher. Der Hochsommer, in dem alles explodiert ist, erfreut mit überbordender Fülle. Der geschulte Blick der Fachfrau erkennt allerdings, wo die Gärtnerin jetzt eingreifen muss, damit sich die Pflanzen gesund weiterentwickeln können.

Den wichtigsten Grundsatz schickt Ulla Hannecke in ihrem Gartenrundgang vorneweg: Wer standortgerecht pflanzt, handelt im Sinne der Pflanze und spart sich viel Arbeit. Der sonnenhungrige Lavendel beispielsweise wird an diesem Schattenplatz nie glücklich werden. Da hilft nur: Rausnehmen und in die Sonne pflanzen!

Das ganze Jahr über Thema ist natürlich das leidige Unkrautjäten. Mit diesem Zweizahn kann man Pflanzen mit langen Pfahlwurzeln aus dem Boden hebeln. Oder sie schonend ausgraben, ohne dabei die Nachbarpflanzung zu beeinträchtigen. "Allerdings kann es einem natürlich auch mit diesem Werkzeug passieren, dass man die Wurzel zerstört", räumt Ulla Hannecke ein.

An einer Ecke bedrängen sich Hortensie, Pfingstrose, Nelkenwurz und Schwertlilie. "Im Herbst müsste hier radikal Platz geschaffen und zumindest die Pfingstrose rausgenommen werden", empfiehlt die Fachfrau. Fürs Erste kappt sie die Nelkenwurz bis ins Herz, schneidet sie also bodennah zurück.

Diese Rauhblatt-Aster ist ungewöhnlich stark in die Höhe geschossen. "Sowas machen Pflanzen beispielsweise, wenn sie zu eng stehen. Sie versuchen, sich Licht zu verschaffen", erklärt die Gärtnermeisterin. Solange sie noch nicht blüht, kann man ihre Spitzen einkürzen. Ulla Hannecke verwendet dafür eine zarte, leichte Blütenschere.  

Diese Staudensichel, auf der einen Seite Schneide, auf der anderen Säge, eignet sich sehr gut, um abgeblühte Stauden abzuschneiden, besonders Gräser und buschige Stauden wie Storchschnabel und Frauenmantel. Ulla Hannecke hat damit die Iris ausgegraben. "Der Hochsommer ist übrigens die beste Zeit, um Iris zu teilen, weil die jetzt einen Wachstumsimpuls haben", erklärt sie.

Bei Bergenien arbeiten sich gerne mal die Rhizome, das sind unterirdische Vermehrungsorgane, an die Oberfläche. "Wenn dieser Hals, wie wir Gärtner das nennen, kurz ist, würde ich einfach nur Kompost drüber schütten. Dann bewurzeln sich diese Hälse wieder und revitalisieren sich. Wenn sie länger sind, abknicken und in neue Erde setzen", rät die Gärtnermeisterin.

Dabei aber immer das Laub eine Handbreit über der Erde abschneiden. "Alternativ kann man die Bergenien nach der Blüte auch, ohne sie über die Rhizome zu vermehren, einfach nur runterschneiden. Ein bisschen Kompost verteilen, dann wird das wieder eine richtig schöne Blattfläche. Bergenien werden übrigens fälschlicherweise oft in den Schatten gepflanzt, dabei lieben sie die Sonne!", so Ulla Hannecke.

Jetzt ist auch die richtige Zeit, um Kräuter mittels Absenker zu vermehren. Ulla Hannecke demonstriert das an diesem Salbei (lat.: Salvia officinalis Tricolor). Dazu gräbt man ein Loch in die Erde, legt einen langen Trieb der Pflanze darin ab und schüttet ihn mit Erde zu.

Zum Schluss zur Sicherheit noch einen Stein darauf legen, damit sich der Trieb nicht wieder herausarbeitet. So entsteht an dieser Stelle eine eigene neue Pflanze. Steine im mediterranen Kräuterbeet sind ohnehin sinnvoll, da sie das Sonnenlicht reflektieren und so ein noch besseres Umfeld für die sonnenhungrigen Pflanzen schaffen.

Auch wenn in den Beeten des VHS-Biogartens Düsseldorf einiges ausgelichtet, eingekürzt oder im Herbst verpflanzt werden sollte, die Vielfalt ist eine wahre Pracht! Das finden auch Schmetterlinge wie Tagpfauenaugen (im Bild), Kohlweißlinge, Kleine Füchse und Admirale. Die Rundgangs-Teilnehmerinnen des Stauden-Kurses bestätigen sich ebenfalls gegenseitig, dass sie in ihren Gärten dieses Jahr auffallend viele Schmetterlinge haben. Ein Schauspiel, in dem man sich verlieren kann!

Lesetipps

Alte Staudenschätze
Autoren: Dieter Gaißmayer, Frank M. von Berger
Ulmer Verlag, 2018
39,90 €

Meine Welt der Stauden
Autor: Christian Kreß
Ulmer Verlag, 2017
29,90 €

Stauden. Die große Enzyklopädie
Herausgeber: Graham Rice, Royal Horticultural Society,
Dorling-Kindersley-Verlag, 2015,
29,95 €

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Stand: 14.07.2018, 00:00