Staude des Jahres – Edle Disteln

Eine silbergraue Edeldistel vor einem Teppich gelber Heiligenkrautblüten

Staude des Jahres – Edle Disteln

Von Sabine Krüger

Piksend und eigenwillig – so präsentiert sich die diesjährige Staude des Jahres. Mit ihrer Vorliebe für trockene, sonnige Standorte ist die Diva im Garten zukunftsträchtig.

WDR 4 Drinnen und Draußen: Staude des Jahres – Edle Disteln

WDR 4 Drinnen und Draußen 24.08.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 23.08.2020 WDR 4

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Von Diven und Teamplayern

Mit den Edlen Disteln hat der Bund Deutscher Staudengärtner dieses Jahr eine ganze Pflanzengruppe zur "Staude des Jahres" gekürt. Wir zeigen deren Vielfalt und Vielseitigkeit.

Anja Maubach schaut zu zwei Karden auf

Ganz von alleine ausgesät haben sich diese stattlichen wilden Karden. Fast schon wie die Londoner Palast-Wachen mit ihren Bärenfell-Kappen säumen sie den Weg durch die Anpflanzungen in der Traditions-Staudengärtnerei von Anja Maubach in Wuppertal. Gegründet hatte sie ihr Urgroßvater, der berühmte Staudenzüchter Georg Arends. Letztes Jahr war 130-Jähriges Jubiläum.

Ganz von alleine ausgesät haben sich diese stattlichen wilden Karden. Fast schon wie die Londoner Palast-Wachen mit ihren Bärenfell-Kappen säumen sie den Weg durch die Anpflanzungen in der Traditions-Staudengärtnerei von Anja Maubach in Wuppertal. Gegründet hatte sie ihr Urgroßvater, der berühmte Staudenzüchter Georg Arends. Letztes Jahr war 130-Jähriges Jubiläum.

Die Ehrung zur "Staude des Jahres" feiern dagegen dieses Jahr die Edlen Disteln. Ob damit auch die wilden Karden gemeint waren, ist Interpretationssache. Verstecken müssen sie sich jedenfalls nicht, denn mit ihrer Wuchshöhe sind sie auf alle Fälle ein Statement im Garten. Zudem bereiten sie Insekten wahre Festmahle und liefern Stieglitzen, auch Distelfinken genannt, im Winter leckere Samen. Und außerdem hat man die harten Samenstände früher zum Auskämmen der Wolle verwendet.

Keineswegs absprechen kann man das Adjektiv "edel" dieser Distel-Sorte: Eryngium x zabelii 'Donard Variety'. Sie wird bis zu 70 Zentimeter hoch und blüht von Juni bis September. Diese Kreuzung entstand in der Slieve-Donard-Gärtnerei in Nordirland. Die eleganten Silbergrauen tragen besonders lange Blüten-Kolben. Landschaftsarchitektin und Staudengärtnerin Anja Maubach kombiniert zu diesen zackig-wehrhaften Einzelgängern am liebsten sanft wirkende Partner, wie hier das Grüne Heiligenkraut mit seinen gelben Blütenknöpfchen.

Oder sie taucht die stachelige Diva in ein Meer weicher Wollziest-Pflanzen. "Die grafischen Blüten der Edeldisteln funktionieren im Staudenbeet am besten einzeln", findet Anja Maubach. Idealerweise überragen sie niedriger wachsende Stauden, deren Wuchs- oder Blattformen und –Beschaffenheiten mit dem stacheligen Erscheinungsbild der Disteln kontrastieren.

Dieses Mannstreu (botanisch: Eryngium x zabelii 'Big Blue') erinnert von der Wuchs- und Blütenform stark an die vorhergehende 'Donard Variety', allerdings ist die Blüte hier nicht silbergrün, sondern silberviolett. Und die beiden Bienen zeigen, dass, so stachelig Disteln sind, sie dennoch sehr gerne von Insekten besucht werden. Sie bieten viel Nektar und Pollen. Ein weiterer Grund, bei der Gartengestaltung künftig auch Disteln in Erwägung zu ziehen.

Das kleine Mannstreu wird maximal 60 Zentimeter hoch, begeistert aber auch mit einer apart silbervioletten Blüte. Auf dem Schild daneben steht, aus dem Englischen übersetzt: Ohne Träume geschieht nichts. Für Hobbygärtner, die von trockenheitsliebenden Pflanzen träumen, die ein interessantes Gartenbild schaffen, das auch noch im Herbst und Winter Bestand hat, könnten Disteln die richtige Wahl sein.

Gefälliger als die grafischen Edeldisteln sind die violett-blühenden Kugeldisteln, wie Echinops ritro 'Veitch’s Blue'. Hier in einem typischen Bauerngarten-Umfeld von Margeriten und roter Schafgarbe. "Kugeldisteln können auch im Staudenbeet einfacher kombiniert werden, weil sie mehrblütig sind, wie viele andere Stauden auch, im Gegensatz zu den Edeldisteln mit nur einer Blüte. Zudem werden Kugeldisteln gerne auch in Sträuße gebunden", so Anja Maubach.

Weniger bunt, nur in Kombination mit den hellgrünen Blättern der Fetthenne wirkt auch die Kugeldistel gleich edler. So setzt auch diese sanftere Variante einen deutlichen Akzent in einer modernen Beetgestaltung. Alle Disteln mögen sonnige, trockene, eher nährstoffarme Gartenplätze. Im Klimawandel macht sie das attraktiv. Einzige Ausnahme: Die Purpur-Kratzdistel braucht zwar auch Sonne, dazu aber feuchte, nährstoffreiche, kalkarme Böden.

Am Wochenende vom 24. bis 25. August öffnet die Arends-Maubach-Staudengärtnerei ihre Pforten. Dabei wird die Landschaftsarchitektin und Staudengärtnerin Anja Maubach auch selbst durch ihren Garten führen.

Lesetipps

Alte Staudenschätze
Autoren: Dieter Gaißmayer, Frank M. von Berger
Ulmer Verlag, 2018
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Der Naturgarten. Planen, gestalten, pflegen
Autorin: Alexandra Rigos
Fotografen: Jürgen Becker, Marianne Majerus
Becker Joest Volk Verlag, 2013
39,90 €

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Stand: 07.08.2019, 11:27