Gartenstuhl zwischen Ziergras

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Faszination Ziergräser – die perfekten Alleskönner

Ein Zauber liegt über den Gräsern – kein Wunder, dass sie zunehmend an Bedeutung bei der Balkon- und Gartengestaltung gewinnen.

Wenn im Herbst die Blütenpracht im Garten zurückgeht, dann ist die Zeit der Ziergräser gekommen. Intensive Gelb-, Kupfer-, Rot- und Grüntöne, die sich im Herbstwind wiegen, machen Balkon und Garten nun attraktiv. Manche Sorten blühen bis in den November hinein und selbst viele der abgeblühten Ähren sind noch bis ins nächste Frühjahr ein Blickfang. Besonders, wenn Rauhreif die Halme verzaubert oder aufrechte Gräser dem Schnee trotzen. 

Schon allein ihre Vielfalt im Aussehen, was sowohl Farbe als auch Form angeht, überzeugt. Aus einem Büschel können borstige oder elegant gebogene Blätter sprießen, andere Gräser wachsen straff aufrecht und können klare Strukturen im Beet erzeugen.

Ob gradlinig oder bogig überhängend bis flach aufliegend, immer bieten Gräser dem Wind eine Spielfläche. Der berühmte Staudenzüchter und Garten-Philosoph Karl Foerster bezeichnete sie nicht umsonst "Harfen" im Gartenkonzert. Sie sollten seiner Meinung nach am besten mit großblättrigen Stauden als "Pauken" im Pflanzen-Orchester kombiniert werden. Mit Gräsern kann man im Zusammenspiel mit anderen Pflanzen eine ganz eigene Gartenarchitektur erschaffen.

Wintergrüne Gräser schmücken den Garten das ganze Jahr hindurch. Die nicht wintergrünen verwandeln sich im Laufe des Gartenjahres von zartgrün im Frühling, sattgrün im Sommer zu schillernden rot-, violett-, kupfer-  oder Brauntönen im Herbst.

Bei den nicht wintergrünen Gräsern sollte man bei der Pflanzplanung berücksichtigen, dass sie sich erst spät im Frühjahr oder Frühsommer zeigen, so dass man sie am besten mit Stauden kombiniert, die bereits sehr früh im Jahr attraktiv sind.

Für jeden Standort das passende Gras

Kaum eine Pflanzenfamilie ist vielfältiger als die der Gräser. Sie gehören zu der größten Pflanzenfamilie auf diesem Planeten und besiedeln alle nur möglichen Vegetationszonen. Sowohl an nassen sumpfigen Stellen als auch an trockenen heißen Stellen, immer wird man an diese Lebensbedingungen angepasste Gräser finden.

Ob als Solitärpflanze, Gruppenpflanze, Bodendecker oder Kübelpflanze, sie erobern jeden Platz im Garten. Gräser sind unkompliziert und verlangen auffallend wenig Pflege und zeigen sich äußerst resistent gegenüber Krankheiten und Schädlingen.

Gräser für sonnige Standorte

Sie vertragen die sonnigsten und heißesten Plätze in unseren Gärten, auf der Sonnenterrasse oder vor der Trockenmauer. Dort wo Steine die Umgebung aufheizen, der Boden immer schnell und lange trocken ist, fühlen sich Schwingelgräser (Festuca), das Schillergras (Koeleria), die Rutenhirse auch Rotstrahlbusch genannt (Panicum virgatum) oder auch das Lampenputzergras (Pennisetum) und viele mehr sehr wohl.

Das Tautropfengras (Sporobolus heterolepsis) ist ein Gras, das sogar duftet. Seine Heimat liegt in Amerika. Es bildet dichte kleine Horste, aus denen im Spätsommer 60cm hohe Halme mit kleinen silbrigen Rispen wachsen, die ziemlich intensiv duften. Es ist eines der Lieblingsgräser von Piet Oudolf, dem berühmten niederländischen Gartengestalter, der Wildstauden und vor allem auch Gräser in den letzten Jahrzehnten international sehr prominent verwendet hat. Das Tautropfengras mag trockene sonnige Standorte, kommt aber auch mit Halbschatten klar.

Die Auslese "Cloud" präsentiert sich mit rötlichen Halmen, die sich im Herbst ockergelb verfärben. Als "Engelshaar" wird Stipa tenuissima in Deutschland bezeichnet. Trocken und sonnig möchte es stehen, wird bis zu 50 Zentimeter hoch und versamt sich gerne. Ein Gras, was nach der Pflanzung frisch grün aussieht, sich im Jahreslauf zu einem hellen beige verfärbt. Wer Wert auf die grünen Halme im Frühjahr legt, sollte nach Meinung vieler Gärtner das vertrocknete Gras auskämmen. Meiner Erfahrung nach kann man es aber auch im Frühjahr zurückschneiden. Mit diesem Gras kann man sehr natürlich und leicht wirkende Pflanzungen in Kombination mit Gaura oder Salvien anlegen – aber genauso auch abstrakt-reduzierte Gestaltungen erzielen, wenn man auf blühende Begleitstauden verzichtet.

Gräser für den Schatten                                   

Winige schwach bunte Gräser ziehen leichten Schatten und feuchte Erde vor. Wie beispielsweise das Japan-Waldgras (Hakonechloa macra) oder auch einige Sorten der Gartensegge (z.B. Carex conica "Snowline" oder Carex Flacca "Buis"). Diese Gräser sind eine gute Lösung für schwierige, lichtarme Stellen im Garten. Sie harmonieren mit Farnen und Funkien (Hosta). Gerade im schattigen oder lichten Bereich fühlen sich einige immergrüne Arten, die die Wintersonne nicht mögen, mit ihren gelb oder weißbunten Sorten wohl. Sie beleben gerade die dunklen und schattigen Stellen unter Bäumen und Sträuchern.

Pflanzen und Pflege von Gräsern

Obwohl viele der Gräser filigran wirken, sind sie meist erstaunlich robust und kommen ohne viel Pflege aus. Die beste Pflanzzeit für Ziergräser ist das Frühjahr, denn einige von ihnen benötigen zum guten Anwachsen in den ersten Monaten einen wärmeren Boden. Außerdem mögen viele Sorten während der Anwachsphase die Winternässe der kalten Jahreszeit nicht. Pflanzt man sie dagegen im Frühjahr, haben sie ausreichend Zeit, bevor der Winter kommt gut einzuwurzeln und sind dann ausreichend winterfest.

Viele Gräser mögen keine Staunässe und für sie ist daher ist ein lockerer Boden wichtig. Also setzen Sie die Gräser am besten ab Ende März in tendenziell eher nährstoffarmen Boden. Am Anfang ist eine Düngung mit einem organischen Dünger oder Humus empfehlenswert. Später muss nicht mehr nach gedüngt werden.

Waldstauden freuen sich über eine Mischung aus Erde und vorkompostiertem Laub. Steppengräser bevorzugen einen Cocktail aus Erde, die mit Sand abgemagert wurde.

Gräser am besten erst im zeitigen Frühjahr zurückschneiden. Denn die Blätter schützen die Pflanzen vor Kälte und verhindern stehende Nässe, die sich sonst gerne in hohlen Halmen bildet und zum Faulen des Grases führt. Schneiden sie den Horst im Februar maximal auf 10-15 Zentimeter zurück, dann können bald die neuen Halme wieder sprießen.

Einige Gräser neigen dazu, im inneren Bereich zu verkahlen. Dann den Horst ausgraben und wie einen Kuchen in Stücke aufteilen. Den verkahlten Teil entsorgen und die restlichen Stücke wieder einpflanzen.

Gräser auf Balkon und Terrasse

Gräser eignen sich auch hervorragend für Balkone und Terrassen. Hierbei sollten sie auch darauf achten, dass sie einen lockeren Boden haben und unten eine Drainageschicht einbringen, damit keine Staunässe in den Kübeln entsteht. Freie Abflusslöcher in den Töpfen aus denen überschüssiges Wasser ablaufen kann sind eine Grundvoraussetzung.

Da die Gräser im Kübel dem Frost ganz anders ausgesetzt sind, als im Freien, sind sie anfälliger im Winter. Daher umwickeln sie im Winter die Kübel und stellen sie sie an einen windgeschützten Platz. Dann haben sie auch noch im nächsten Jahr Freude an ihrem Grasarrangement auf dem Balkon. 

Insbesondere das Japanaldgras (Hakonechloa macra) mit seinen bogig überhängenden, je nach Sorte farblich unterschiedlichen Blättern ist ein Hingucker. Mit dem Blaustrandhafer oder auch Dünengras genannten Leymus arenarius kommt Strandstimmung auf die Terrasse und die verschiedenen Rutenhirsen (Panicum), Chinaschilfe (Miscanthus) oder auch die unterschiedlichen Lampenputzergräser (Pennisetum) passen zu nahezu allen Gestaltungsstilen – sei es abstrakt modern, naturhaft oder lässig.
Auch Bambus ist ein Gras, das sich hervorragend als Sichtschutz anbietet, da es wintergrün ist.

Autor: Anja Koenzen
Redaktion: Iris Möller-Grätz

Service Garten ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort freitags zwischen 10.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

Service Garten – Faszination Ziergräser: die perfekten Alleskönn

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 23.09.2022 08:01 Min. Verfügbar bis 23.09.2023 WDR 5


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