Ein Korb mit frisch geernteten Birnen steht in einem Garten

Service Garten

Service Garten – Birnen, gesunde, köstliche Früchte

Der Herbst ist da und mit ihm die Zeit der Birnenernte. Birnen gehören zu den ältesten und edelsten Kulturpflanzen Europas und gelten als besonders köstlich. Wer sie im Garten ziehen möchte, hat die Wahl zwischen vielen Sorten.

Die Birne ist eine der ältesten und edelsten Kulturpflanzen Europas. Jahrhundertelang wetteiferten viele europäische Adelsgeschlechter um die verführerischsten Neuzüchtungen. Bei kaum einer anderen Obst-Art vereinigen sich Zucker, Säure und Aromastoffe zu einer solchen Fülle von harmonischen Geschmacksnuancen in zart schmelzendem, saftigem Fruchtfleisch. Auf Grund ihres geringen Säuregehalts sind Birnen zudem für viele Menschen verträglicher als beispielsweise Äpfel.

Ernte – wann sind die Birnen reif?

Man kann förmlich riechen, wenn die Birnen reif sind - dann allerdings sollte man sie möglichst unmittelbar verzehren, denn für ein Einlagern ist die Birne dann bereits zu reif. Bei Birnen unterscheidet man zwischen Pflück- und Genussreife. Ob die Birne pflückreif ist, können Sie beim Kipptest feststellen: Die Birne leicht hochnehmen und um 90 bis 180 Grad drehen. Wenn sie sich dann einfach löst, ist sie "pflückreif". Einen weiteren Hinweis geben die Birnenkerne: färben sich braun, können die Früchte gepflückt werden. Je nach Sorte hat die Birne nun noch nicht ihr volles Aroma ausgebildet, sondern sollte hierfür noch einige Zeit liegen. Dies ist insbesondere bei den lagerfähigen späteren Sorten der Fall. Birnen, die bereits im Juli/August erntereif sind, sind auch meist direkt genussreif und somit kaum lagerfähig. Birnen reifen in Etappen: voll besonnte Früchte werden schneller reif, als diejenigen, die unter Blättern verborgen oder halbschattiger hängen.

Tipp zur Lagerung

Birnen, die eingelagert werden sollen, dürfen keine Druckstellen aufweisen, da sie an solchen Stellen schneller faulen. Als Lagerungsort eignet sich ein kühler, dunkler Raum, am besten ein Keller mit hoher Luftfeuchtigkeit. Wer keinen solchen Keller hat, kann die Früchte in Obstkisten packen und diese mit einer Plane zugedeckt auf dem Balkon oder in einer Gartenhütte lagern.

Birnenbäume gibt es für den großen und kleinen Garten

Birnen können bis zu 20 Meter hoch werden, bei denen dann allerdings die Ernte schwer fällt. Praktischer sind kleinere Halbstammbäumchen, Buschbäumchen oder Spalierbirnenbäume. Wer Spalier- oder kleinere Birnbäume ziehen möchte, braucht Sorten, die auf schwach wachsenden Wurzel-Unterlagen veredelt sind. Fragen Sie am besten im Fachhandel nach der richtigen Unterlage für Ihre Zwecke. Eine schwach wüchsige niederländische Züchtung aus den 1960er Jahren ist die Sorte Condo, sie soll lediglich zwei Meter hoch und etwa 1,50 Meter breit werden. Da die meisten Birnensorten keine Selbstbefruchter sind, empfiehlt es sich eine weitere Birnensorte in die Nähe zu pflanzen. Hat man sehr wenig Platz im Garten oder nur einen Balkon oder Terrasse bieten sich die sogenannten "Familienbäume" (Mehrsortenbaum) an, auf denen bis zu vier Sorten an einem Stamm wachsen. Sinnvoll sind allerdings nur Sorten, die gleich stark wachsen, sonst wird mit der Zeit eine davon verdrängt. Und: sie sollten jeweils gegenseitig als Bestäuber geeignet sein. Wenn man von Herbst bis Anfang des nächsten Jahres Birnen ernten möchte, einfach eine geschickte Mischung verschiedener Birnen mit unterschiedlicher Reifezeit pflanzen.

Birnbaumblüte im Frühling (Pyrus communis)

Auch im Frühjahr schön: Clapps Liebling (Pyrus communis)

Birnenbaum Standort

Birnen lieben die Wärme. Es bietet sich daher an, ihnen einen sonnigen Standort anzubieten. Optimal ist es, den Birnenbaum in südlicher Ausrichtung zu pflanzen.

Birnenbaum pflanzen

Birnenbäume werden am besten im Herbst bis zum zeitigen Frühjahr gepflanzt. Sollten mehrere Bäume in den Garten kommen, so ist ein Abstand zwischen mindestens drei Metern empfehlenswert.

  • Pflanzloch, am besten so tief wie der Ballen, ausheben
  • Einen Pfahl im Erdreich befestigen, an dem der junge Baum später festgebunden werden kann
  • Birnenbaum hineinsetzen, mit Erde das Loch auffüllen und festtreten – dabei sollte die Veredelungsstelle circa zehn Zentimeter aus dem Boden herausragen

In der Anfangszeit gut gießen, da sie nach dem Pflanzen einen hohen Wasserbedarf haben– später dann nicht mehr. Dann werden sie nur noch bei starker Trockenheit gegossen. Hier ein Überblick, welche Sorten sich für den Privatgarten besonders lohnen:

Clapps Liebling

FRUCHTFLEISCH: hell gelblichweiß, halbschmelzend bis schmelzend, sehr saftig, angenehm süßsäuerlich, schwach gewürzt Pflückreife: Mitte bis Ende August
GENUSSREIFE: tritt einige Tage nach Pflückreife ein
LAGERFÄHIG: bis Ende September / Anfang Oktober (im Keller)
BAUMEIGENSCHAFTEN: geeignet sind Hoch-, Halb- und Niederstamm, geeignet für kleinere Baumformen auch als Wandspalier
BEFRUCHTUNGSPARTNER: Blumenbachs Butterbirne, Bosc’s Flaschenbirne, Clairgeau, Esperens Bergamotte, Esperens Herrenbirne, Gellerts Bb.., Gute Luise, Hardenponds Bb., Köstliche aus Charneu, Le Lectier, Madame Verté‚ Neue Poiteau, Williams u.a.

Gellerts Butterbirne

Pflückreife: Anfang bis Mitte September
GENUSSREIFE: 1-2 Wochen nach Pflückreife
LAGERFÄHIG: bis Oktober (im Keller)
FRUCHTFLEISCH: gelblichweiß, schmelzend, sehr saftig, weinsäuerlich gewürzt BAUMEIGENSCHAFTEN: Stark wachsend, ungeeignet für kleinere Baumformen BEFRUCHTUNGSPARTNER: Bosc´s Flaschenbirne, Bunte Julibirne, Clairgeau, Clapps Liebling, Gute Luise, Hardenponts Butterbirne, Köstliche aus Charneu, Le Lectier u.a.

Gellerts Butterbirnen (Pyrus communis Condo) hängen an einem Baum

Gellerts Butterbirne (Pyrus communis Condo)

Köstliche von Charneux

FRUCHTFLEISCH: Gelblichweiß, sehr zart, saftig, schmelzend, zucker-süß, fein gewürzt, schwach säuerlich(eine der säureärmsten Birnen) Pflückreife: im Laufe des Septembers
GENUSSREIFE: Ende September – Oktober
LAGERFÄHIG: bis zu 5 Monaten (im Kühllager)
BAUMEIGENSCHAFTEN: Wuchs ist sehr stark und hoch aufstrebend, geeignet für Hoch-, Halb- und Viertelstamm sowie Buschstämme
BEFRUCHTUNGSPARTNER: Andrè Desportes, Bosc’s Flaschenbirne, Bunte Julibirne, Clairgeau, Clapps Liebling, Gellerts Butterbirne, Gräfin von Paris, Gute Luise, Le Lectier u.a

Gräfin von Paris

FRUCHTFLEISCH: Gelblichweiß, halbschmelzend bis schmelzend, leicht körnig, saftig, süß, schwach bis kaum säuerlich, fein gewürzt Pflückreife: Mitte / Ende Oktober. Manche sogar bis November
GENUSSREIFE: November – Januar
LAGERFÄHIG: Im naturkühlen Obstkeller bis Januar und später
BAUMEIGENSCHAFTEN: Wuchs mittelstark, mäßig steil; geeignet für kleinere Baumformen. Ansonsten Hoch- Halbstamm und Busch
BEFRUCHTUNGSPARTNER: Bosc`s Flaschenbirne, Bunte Julibirne, Frühe von Trevoux, Gellerts Butterbirne, Josefine von Mecheln, William Christ u.a.

Birnenbaum schneiden

Genauso wie bei Apfelbäumen sollte nur ein einziger kräftiger Trieb, der sogenannte Haupttrieb, senkrecht stehen bleiben. Oftmals wachsen bei Birnenbäumen "Wasserreiser". Das sind lange dünne Triebe, die direkt in der Krone des Baums wachsen. Diese sollten unmittelbar nach dem Einpflanzen entfernt werden, da sie nur unnötig viel Energie verbrauchen und somit den Birnenbaum schwächen. Bei hochwachsenden Sorten ist es sinnvoll, in den ersten zehn Jahren fünf Mal den Leittrieb zu kürzen. Dabei wird der Leittrieb mit einem sauberen Schnitt abgetrennt, um das Wachsen in die Höhe zu verhindern. Gleichzeitig sollten hierbei auch neu gewachsene Wasserreiser entfernt werden.

Ernteeinbußen durch den Birnengitterrost

Besonders häufig tritt seit geraumer Zeit der Birnengitterrost mit rötlichbraunen Flecken auf. Es gibt noch keine Birnensorte, die gegen diese Pilzkrankheit resistent ist. Der Birnengitterrost schwächt den Baum und schränkt damit das Fruchtwachstum ein. Der Pilzerreger ist mit dem asiatischen Zierwachholder in unsere Regionen eingewandert. Auf ihm überwintert der Pilz, wenn die Birnen keine Blätter mehr haben. Im Frühjahr fliegen die Sporen gut einen Kilometer weit zurück auf den Birnenbaum. Falls man also nicht alle asiatischen Zierwachholder in der näheren Umgebung entfernen kann, bleibt als präventive Behandlung nur das Spritzen mit entsprechenden Fungiziden – möglichst zeitig im Frühjahr, wenn die Blätter an den Birnenbäume austreiben. Es gibt sowohl konventionelle aber auch biologische Mittel im Gartenfachbedarf.

Autorin: Anja Koenzen
Redaktion: Iris Möller-Grätz

Service Garten ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort freitags zwischen 10.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

Service Garten – Birnen, gesunde, köstliche Früchte

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 30.09.2022 06:33 Min. Verfügbar bis 30.09.2023 WDR 5


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