Eine grüne Pflanze im Topf

Service Garten

Trendige Zimmerpflanzen

Zimmerpflanzen liegen spätestens seit der Pandemie im Trend. Mittlerweile gibt es sogenannte Plantfluencer, die mehrere tausen Euro teure Pflanzen auf den sozialen Medien posten. WDR5 Gartenexpertin Anja Koenzen hat einen davon besucht.

Spätestens seit der Coronakrise boomt der Markt für Zimmerpflanzen. Vor allem Blattschmuckpflanzen liegen im Trend. Sie zieren das ganze Jahr über, auch wenn die Blüten manchmal keine oder bestenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Besondere Raritäten wurden in den letzten zwei Jahren für mehrere tausend Euro unter Sammlern gehandelt – vor allem junge Menschen haben eine große Leidenschaft dafür entdeckt und posten als sogenannte "Plantfluencer" Bilder ihrer grünen Mitbewohner auf den sozialen Medien.

Das Angebot an Blattschmuckpflanzen ist vielfältig, sowohl, was die Pflege anbelangt, als auch, was das Aussehen betrifft. Mal ist es – wie bei Palmen – die straffe Wuchsform, mal sind es außergewöhnliche Wuchseigenschaften – wie man sie von Kletterpflanzen her kennt –, mal sind es besonders dekorative Blattfarben und Zeichnungen – etwa die von Maranta oder Calathea. Blattschmuckpflanzen bieten einfach für jeden Geschmack, jeden Pflegetyp und für jeden Standort das Richtige. Das verwundert jetzt nicht, denn jeder Fleck der Welt trägt ein paar interessante Arten zu der enormen Auswahl bei.

Die meisten unserer Blattschmuckpflanzen, die sich für das Zimmer eignen, stammen aus den Tropen oder den Subtropen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Klimazonen. Diese Herkunft ist wichtig zu wissen, denn danach richtet sich die Pflege. Das Kleinklima in Wohnräumen ist durchaus verschieden und nimmt Einfluss auf das gesunde Gedeihen der Pflanzen. Arten, die einen optimalen Standort haben, bekommen so gut wie keine Krankheiten und Schädlinge.

Pflanzen für vollsonnige Fensterbänke auf der Heizung mit trockener Zimmerluft

Vollbesonnte Standorte stressen Zimmerpflanzen, vor allem im Winter angesichts der sehr trockenen Luft. Denn selbst in Hitzewüsten wird es nachts oft sehr kalt und es bildet sich Tau auf den Blättern. Im Zimmer ist das jedoch nicht der Fall. Hier hilft dann ersatzweise tägliches Besprühen oder eine Einrichtung zur Luftbefeuchtung. Pflanzen, die trockene und vollsonnige Fensterbänke vertragen, entstammen oft Steppen oder Halbwüsten. Neben der bekannten Yucca“palme“ sind es Sanseverien, Euphorbien, Kakteen, Strelizien, Alocasien oder Kroton. Sie alle kommen auch mit vergleichsweise wenig Pflege zurecht und können schon mal ein paar Tage trocken stehen, sie müssen es aber nicht. Wobei im Winter wenig Wasser und gar kein Dünger dafür sorgen, dass die Pflanzen ihr Wachstum fast einstellen und nicht untypisch dünne Triebe entwickeln. Solche Triebe entstehen, wenn Pflanzen unter Lichtmangel leiden, der um den Jahreswechsel besonders groß ist. Aber von März bis Oktober kann mehr gegossen und auch wieder gedüngt werden.

Pflanzen für absonnige Fenster ohne direkte Heizung, die aber warm sind

Fenster, die nach Westen oder Osten zeigen und keine direkte Mittagssonne empfangen, sind ideal für großblättrige Blattschmuckpflanzen, die meist aus dem Unterholz von Regenwäldern stammen. Ihr Lichtbedarf ist nicht so hoch, direkte Mittagssonne würde sogar zu Verbrennungen führen, allerdings ist Morgen- oder Abendsonne willkommen. Ganzjährige, warme Temperaturen sind optimal, denn in Regenwäldern gibt es keine ausgeprägten Jahreszeiten. Für diese Pflanzen ist unser Innenraumklima optimal, von trockener Zimmerluft abgesehen. Besonders prächtige Vertreter sowohl in der Größe als auch in der Blattmaserung sind Keulenlilie (Cordyline), Maranten (Pfeilwurz), Alocasien und Calatheas (Korbmaranten). Ebenfalls geeignet sind Begonien oder für eher kleine Fensterbänke die vielfältigen Fittonien, die im Regenwald ausgedehnte, niedrige Polster am Boden bilden. Wichtig für alle diese Pflanzen ist eine gute Luftfeuchtigkeit, die man mit Verdunstungsschalen oder durch Übersprühen erhöhen kann.

Pflanzen für schattige Standorte mit erhöhter Luftfeuchtigkeit wie Badezimmer oder Küchen

Das Raumklima ist nicht in allen Zimmern gleich. Badezimmer oder Küchen sind zwar ebenfalls geheizt, aber oft deutlich luftfeuchter als Wohnräume. Diesen Effekt kann man sich zunutze machen und freie Flächen mit ein paar schönen Grünpflanzen aufwerten, die solche Bedingungen lieben. Es gibt eine Reihe dekorativer Farne mit Blattwedeln, die von ausladend üppig über bizarr bis hin zu ganz filigranen Formen reichen. Alle kommen mit vergleichsweise wenig Licht zurecht, also auch etwas abseits von Fenstern, sie wollen aber wie die meisten Grünpflanzen weder zu nass noch zu trocken stehen. Deutliche Farbakzente setzen dann die intensiv grün-bunt gemusterten Vertreter von Maranta, Calathea, Caladium oder Begonia. Hier gilt die Regel, je dunkler das Blatt, desto weiter weg kann sie vom Fenster stehen. Also weiß gemusterte Arten und Sorten näher ans West- oder Ostfenster, dunkler grüne Sorten oder solche mit purpurfarbener Unterseite "ab in die Küche" oder ins Bad.

Pflanzen für schattige Standorte abseits von Fenstern mitten im Zimmer

Pflanzen, die in der Zimmermitte frei stehen sollen, müssen einerseits mit wenig Licht auskommen, andererseits dürfen sie nicht zu viel Platz beanspruchen. Entweder müssen sie straff aufrecht wachsen, wie diverse schlanke Palmen (zum Beispiel Kentiapalme, Rhapispalme), oder als Kletterpflanzen eine Rankhilfe bekommen, an der sie emporwachsen und "gebändigt" werden können. Kletterpflanzen, die sich der Größe des Raumes anpassen lassen, sind diverse Philodendron, Fensterblatt (Monstera) oder diverse Vertreter der Efeutute (Scindapsus oder Epipremnum). In jedem Fall benötigen sie deutlich größere Töpfe als auf der Fensterbank, damit die Standfestigkeit gewährleistet ist.
Eine der unkompliziertesten Zimmerpflanzen, die mit extrem wenig Licht und Wasser auskommt, ist die Glücksfeder (Zamioculcas). Sie ist für jeden Zimmerpflanzen-Anfänger bestens geeignet. Steht sie heller, einfach etwas mehr gießen.

Pflege

Da die meisten zimmertauglichen Grünpflanzen tropischen Regionen entstammen, ist ihre Pflege meist auch einheitlich. Für alle ist eine gute Blumenerde zu empfehlen, außer für einige Pflanzen der Südseite. Diese kommen aus den mehr trockenen Tropen und bevorzugen ein eher mineralisches Substrat. Bei ihnen ist auch der Wasserbedarf geringer. Für den Rest gilt die Faustregel "frisch bis feucht halten". Weder zu viel noch zu wenig Wasser wird vertragen. Also niemals Wasser im Untersetzer oder im Übertopf stehen lassen, noch zu lange mit dem nächsten Gießen warten. Ideal ist regelmäßiges Tauchen, zumindest bei den kleineren Töpfen, an den richtigen Rhythmus muss man sich mit der Gewichts- und Daumenprobe herantasten. Das hängt von der Jahreszeit und dem Standort ab. Nimmt man die Pflanzen (ohne Übertopf) hoch, stellt man am Gewicht mit etwas Übung fest, ob der Ballen noch genügend feucht ist. Und mit dem Daumen kann man die Erde betasten: Solange sie sich angenehm anfühlt, ist sie feucht genug. Im Winter nur ganz wenig bis gar nicht düngen und auch in der lichtreicheren Jahreszeit ist relativ wenig Grünpflanzendünger nötig, denn 0auch Urwaldböden halten nur wenige Nährstoffe parat. Meist genügt die halbe Dosis. Sinnvoll ist es, die Pflanzen gelegentlich zu drehen, sonst wachsen sie einseitig zum Licht und werden schief. Blütenpflanzen, etwa Orchideen oder Zimmerazaleen, vertragen das dagegen gar nicht, zumindest, solange sie Blüten tragen. Knospenabwurf ist oft die Folge.

Autorin: Anja Koenzen
Redaktion: Iris Möller-Grätz

Service Garten ist eine Rubrik der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort freitags zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

Service Garten – trendige Zimmerpflanzen

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 11.11.2022 06:21 Min. Verfügbar bis 11.11.2023 WDR 5


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