Prädikat "Schmetterlingsfreundlicher Garten"

Ein frisch geschlüpfter Schwalbenschwanz-Schmetterling vorm ersten Abflug

Prädikat "Schmetterlingsfreundlicher Garten"

Von Sabine Krüger

Um wieder mehr Lebensräume für Schmetterlinge zu schaffen, können Hobbygärtner ihre Gärten als schmetterlingsfreundlich auszeichnen lassen. Wir stellen das NABU-Projekt vor.

Prädikat "Schmetterlingsfreundlicher Garten"

WDR 4 Drinnen und Draußen 18.07.2020 02:21 Min. Verfügbar bis 18.07.2021 WDR 4 Von Sabine Krüger

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Mehr Schmetterlinge in die Gärten!

Wer Schmetterlinge in seinen Garten locken möchte, muss auch Raupen fördern. Wir zeigen, welche Pflanzen wichtig sind: zur Eiablage, als Raupen- und als Schmetterlingsfutter.

Kirsten Giesen und Bernhard Schmuhl an ihrem Gartentor mit der Plakette "Schmetterlingsfreundlicher Garten"

Sie freuen sich über die Auszeichnung ihres Privatgartens in Bergisch Gladbach als "Schmetterlingsfreundlicher Garten": die 55-jährige Apothekerin Kirsten Giesen und ihr 59-jähriger Partner Bernhard Schmuhl. "Ich hoffe, dass andere auf die Plakette aufmerksam werden und dann vielleicht auch naturnah gärtnern möchten", sagt Kirsten Giesen. Ausgezeichnet wurde ihr Garten vom NABU NRW im Rahmen des Projektes "Zeit der Schmetterlinge".

Sie freuen sich über die Auszeichnung ihres Privatgartens in Bergisch Gladbach als "Schmetterlingsfreundlicher Garten": die 55-jährige Apothekerin Kirsten Giesen und ihr 59-jähriger Partner Bernhard Schmuhl. "Ich hoffe, dass andere auf die Plakette aufmerksam werden und dann vielleicht auch naturnah gärtnern möchten", sagt Kirsten Giesen. Ausgezeichnet wurde ihr Garten vom NABU NRW im Rahmen des Projektes "Zeit der Schmetterlinge".

Herein also in den schmetterlingsfreundlichen Garten von Kirsten Giesen: "Dass das hier etwas wilder aussieht, ist gewollt. Pflanzen können ein wunderschönes ästhetisches Muster bilden, wenn man sie lässt", erklärt sie beim Rundgang. Zwischen Gräsern und Wildstauden wachsen bei ihr aber auch Prachtstauden wie Funkien und Phlox. "Ich bin keine puristische Naturgärtnerin", sagt sie, "mir soll der Garten ja auch gefallen. Und am Phlox sind in der Dämmerung zum Beispiel auch Nachtfalter wie die Gammaeule zugange. Die sumsen dann wie Mini-Kolibris um meine Duftpflanzen", schmunzelt sie.

Auch diese Edeldistel ist eine Prachtstaude. Wie man sieht, ist sie als Nektar- und Pollenlieferant auch für Insekten interessant. Die gelbe Königskerze im Vordergrund ist eine zweijährige heimische Wildpflanze und Raupenfutter für den Königskerzenmönch. "Es kann schon sein, dass die Raupen die Königskerzen komplett kahlfressen", erzählt Kirsten Giesen entspannt und freut sich trotzdem über sie. "Die können gerne ein paar von den Königskerzen haben, denn die säen sich zuverlässig selbst wieder aus."

Noch beliebter als die Edeldisteln sind bei den Schmetterlingen allerdings unsere heimischen Disteln, wie beispielsweise die Ackerkratzdistel, die Mariendistel, Eselsdistel oder die Nickende Distel. Die Raupen des Distelfalters brauchen sie als Futterpflanzen. Sie weichen aber auch aus auf die Große Brennnessel, den Gewöhnlichen Natternkopf, den Huflattich, Kletten oder Malven. Der Distelfalter kann bei uns nicht überwintern und fliegt im Frühjahr von Nordafrika aus ein.

Am Tag des Gartenbesuchs hatte es leider geregnet, sodass sich erst am Ende, als die Sonne wieder rauskam, dieser einzige Weißling gezeigt hat. Der Lavendel hat ihn angelockt. "Auch keine heimische Pflanze, aber sie liefert Nahrung für den erwachsenen Schmetterling. Ich war erstaunt, als mir klar wurde, dass der Schmetterling, den wir im Garten so lieben, den größten Teil seiner Lebenszeit als Raupe oder Puppe verbringt", so Giesen. Meist vom Frühjahr bis zum Hochsommer finden Paarung, Eiablage, Raupenstadium und Verpuppung statt. Erst im nächsten Frühjahr schlüpft dann der Schmetterling.

Wer übrigens nicht möchte, dass die Raupen des Kohlweißlings den ganzen Kohl aus dem Gemüsebeet fressen, bietet ihnen eine Ablenkungsfütterung an: "Ich lasse im Gemüsebeet ein paar Radieschen oder Rucolapflanzen blühen, bevor ich den Grün- oder Rosenkohl setze. Dann wissen die Raupen schon, dass sie da randürfen und lassen mir meinen Kohl. Das hat bisher gut funktioniert", sagt die Naturgärtnerin.

Doldengewächse wie Fenchel oder Wilde Möhre sind nicht nur bei Marienkäfern beliebt. Die Raupen des Schwalbenschwanz-Schmetterlings knabbern gerne an ihnen. Schon die Raupen beeindrucken mit einer sehr schönen Musterung, können sich aber trotzdem ganz gut auf ihren Futterpflanzen vor Feinden verstecken. Der geschlüpfte Schmetterling wiederum saugt am liebsten an violetten Blüten wie denen des Sommerflieders, der Blaunessel, der Flockenblume, der Skabiosen, dem Rotklee und von Disteln.

Dieses Foto ist im Garten der Autorin dieses Beitrags entstanden. Im letzten Hochsommer hatte sich eine Schwalbenschwanz-Raupe durchs Möhrengrün im Hochbeet gefuttert. Dort hat sie sich verpuppt und im Mai dieses Jahres ist ein wunderschöner Schwalbenschwanz-Schmetterling geschlüpft. Nach seinem Abflug vom Hochbeet hat er sich elegant zur Krone des Kirschbaums aufgeschwungen. Eine unvergessliche Naturbeobachtung!

Auch Kirsten Giesen kann mit eigenen Fotos beweisen, dass ihr Garten tatsächlich ein Schmetterlingsgarten ist: "Ich freue mich jedes Jahr, wenn die Bläulinge kommen. Der Faulbaumbläuling heißt jetzt auch Gartenbläuling, weil er sich in den Gärten gut ausbreitet. Frau Bläuling packt ihre Eier dann immer in meinen Blutweiderich. Die kann man auch finden, sie sind aber relativ klein, unscheinbar und weiß. Dieses Tier kommt zuverlässig in unseren Garten."

Das Sonnenbad dieses Bläulings mit geöffneten Flügeln lässt besser erkennen, woher der Name dieses Schmetterlings kommt. Die Raupen des Garten-Bläulings ernähren sich neben dem Blutweiderich auch von Besenheide, dem Blutroten Hartriegel, Efeu, der Europäischen Stechpalme, dem Europäischen Pfaffenhütchen und natürlich dem Faulbaum.

Aber auch die Unterseiten der Flügel des Bläulings sind sehr schön, wie dieses Foto zeigt. Hier saugt einer am Dost, auch Wilder Majoran oder Oregano genannt. Eine ideale Wildstaude für den Klimawandel, weil sie es trocken und heiß liebt: "Den Dost mag ich besonders gerne, weil er auch eine Futterpflanze für mich ist", scherzt Kirsten Giesen.

Den gelb-blühenden Hornklee hat Kirsten Giesen extra für die schön dunkelblauen Hauhechel-Bläulinge in ihrem Garten angesiedelt, aus dem Saatgut einer Freundin. "Seitdem ich vorne Rotklee und hinten den gelben Hornklee habe, habe ich viel mehr Hauhechel-Bläulinge hier. Das ist sehr schön zu sehen, dass sich die Mühe lohnt."

Mit dem Taubenkropfleimkraut hat sich Kirsten Giesen das Waldbrettspiel in den Garten geholt. Es gehört, wie Tagpfauenauge, Admiral und Kleiner Fuchs zu den Edelfaltern.

Auch das Landkärtchen ist ein Edelfalter und hat sich hier auf der Fetthenne niedergelassen. Es lebt, wie das Waldbrettspiel, eigentlich in Wäldern, aber die ausgewachsenen Schmetterlinge lassen sich von einer feuchten Umgebung mit Bäumen, Gebüsch, Hecken und weißen Blüten auch in Gärten locken. Wer dann noch eine wilde Ecke mit Brennnesseln im Garten stehen hat, hat vielleicht das Glück, dass ein Weibchen dort seine Eier ablegt.

Das heimische Seifenkraut hat Kirsten Giesen bewusst angepflanzt, um Tiere in ihr grünes Paradies zu holen. Und es hat geklappt: "Tagsüber kommt manchmal das Taubenschwänzchen und saugt an den Blüten. Weil die in der Dunkelheit leuchten und duften, wird es zudem nachts von Nachtfaltern umschwärmt." Pflanzen, die Nachtfalter anlocken, sind gleichzeitig auch fledermausfreundlich, weil diese sich von Nachtfaltern ernähren. Das Seifenkraut macht Ausläufer und ist daher besonders als Bodendecker geeignet. Nimmt es überhand, lässt es sich leicht ausreißen.

Apropos Nachtfalter: Die gelben Blüten der Nachtkerze öffnen sich erst so richtig in der Dämmerung. Dann leuchten sie und verströmen einen wunderbar frischen Duft, der an eine Mischung von Zitrone und Vanille erinnert. Ganz wichtig ist, dass Gärten nachts tatsächlich dunkel sind und nicht dauerhaft beleuchtet werden. Denn sonst fliegen Nachtfalter statt der Nektarquelle das künstliche Licht an, verlieren dabei Zeit und Energie oder verbrennen daran.

Carola Hoppen, ehrenamtliche Mitarbeiterin vom NABU NRW, freut sich über den schmetterlingsfreundlichen Garten von Kirsten Giesen und hat ihr gerne Urkunde und Plakette überreicht. Sie fasst nochmals die wichtigsten Kriterien für schmetterlingsfreundliche Gärten zusammen: Gärtnern ohne Gift und Torf, wilde Ecken mit Brennnesseln und verblühten Stauden stehen lassen, den Garten im Herbst nicht aufräumen und den Staudenschnitt im Frühjahr in Bündeln zur Seite stellen, damit beispielsweise aus Puppen noch Schmetterlinge schlüpfen können. Ganzjährig Blüten anbieten, auch heimische Wildstauden, und den Garten nachts nicht dauerhaft beleuchten.

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Tiere pflanzen. Faszinierende Partnerschaften zwischen Pflanzen und Tieren
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Stand: 15.07.2020, 16:03