Wer sät, der tauscht!

Zuckererbsen-Samen werden in ein Samentütchen gefüllt

Wer sät, der tauscht!

Von Sabine Krüger

Landesweit finden jetzt Saatgutbörsen statt: Hobbygärtner tauschen Samen alter Gemüsesorten oder seltener Stauden aus. Ein Besuch des Saatgutfestivals in St. Augustin.

Wer sät, der tauscht - Saatgut-Tausch für Pflanzenvielfalt

WDR 4 Drinnen und Draußen | 03.03.2018 | 02:15 Min.

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Saatgut-Tausch für Pflanzenvielfalt

Für viele Hobbygärtner markieren sie den Start der Gartensaison: Samenbörsen! Hier tauscht man alte Gemüsesorten, ausgefallene Stauden und bunte Blumenmischungen.

Ein Besuch des Saatgutfestivals in Sankt Augustin

Susanne Drawe (links) hat bisher nur Samen von Kapuzinerkresse gesammelt. Beim Saatgutfestival in der Waldorfschule in St. Augustin sucht sie nach Samen alter Gemüsesorten und bienenfreundlicher Pflanzen. Dazu lässt sie sich von Monika Hachtel (rechts) beraten. Die Biologin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Bio-Station Bonn-Rhein-Erft und betreut für den Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) ehrenamtlich den Tauschtisch des Saatgutfestivals.

Susanne Drawe (links) hat bisher nur Samen von Kapuzinerkresse gesammelt. Beim Saatgutfestival in der Waldorfschule in St. Augustin sucht sie nach Samen alter Gemüsesorten und bienenfreundlicher Pflanzen. Dazu lässt sie sich von Monika Hachtel (rechts) beraten. Die Biologin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Bio-Station Bonn-Rhein-Erft und betreut für den Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) ehrenamtlich den Tauschtisch des Saatgutfestivals.

Schnell wird Susanne Drawe fündig und packt folgende Samentütchen in ihren Rucksack: Mariendistel, Koriander, Borretsch, verschiedene Bohnensorten, Sommersalat und Zuckererbse. Von diesen Pflanzen wird sie künftig auch Samen ziehen, die sie dann zur nächsten Tauschbörse mitbringt. Diesmal hatte sie keine dabei, weshalb sie für ihre Samentütchen nun eine kleine Spende im Sparschwein hinterlässt.

"Es gibt immer irgendwo eine Nische, wo man etwas anpflanzen kann", sagt Julian Grinda. Der 37-jährige Bio-Informatiker hat zwar seit kurzem auch einen eigenen Garten, engagiert sich aber zudem im Urban-Gardening-Projekt in der ehemaligen Ermekeilkaserne in Bonn und in der Biotop-Pflege. Zum Tauschtisch hat er das Saatgut einer orange-blühenden Sonnenblume mitgebracht und sucht dafür Möhrensamen.

Das Angebot auf den beiden Tauschtischen ist enorm und verändert sich ständig, da immer wieder neue Interessierte vorbeikommen, die es ergänzen. Auch Monika Hachtel hat als Grundstock eine große Kiste mit Samentütchen mitgebracht. Die kleinen unsortierten Tüten sprechen das Jäger- und Sammlergen der Hobbygärtner an, die sich zudem ganz nebenbei über ihre Erfahrungen austauschen.

Auf den Tauschtisch kommt nur Saatgut von samenfesten Sorten, also keine Hybridsorten. Das garantiert, dass aus den Samen wirklich Pflanzen mit denselben Eigenschaften wachsen und sie weiter natürlich, über Wind oder Insekten, vermehrt werden können. Wichtig ist, auf den Tütchen die genaue Sorte zu notieren und das Jahr, in dem die Samen geerntet wurden. "Salatsamen sind ein bis zwei Jahre haltbar, Tomatensamen auch mal zehn Jahre", erklärt Monika Hachtel.

Eine andere Besucherin hat sich ein ganzes Sortiment an Saatgut zusammengestellt, mit dem sie drei Hochbeete in ihrem Garten bestücken wird. "Da kommen die Schnecken nicht so gut dran wie an ebenerdige Beete", sagt sie schmunzelnd. Neben Feigenblattkürbis und Fenchel nimmt sie Samen mit von vielen besonderen Tomatensorten, dazu verschiedene Distel-, Malven- und Silberblattsorten, Phacelia, Ringelblumen und Inkarnat-Klee. Letzterer ist eine Gründüngungspflanze, die den Boden verbessert und schön rot blüht.

Sehr interessant sehen diese getrockneten Fruchtstände aus. Sie gehören zum Stechapfel. Ein Besucher des Tauschtisches hat ihn schon in seinem Garten und schätzt die Pflanze wegen ihres "betörenden Duftes". Aber Achtung: Das Nachtschattengewächs ist stark giftig und kann tödlich sein! Kein Teil dieser Pflanze darf verzehrt werden!

Schön anzusehen ist auch diese Mischung mit dem Namen "Blühende Landschaft". "Sie enthält circa 30 verschiedene Sorten von Gründüngungs- und Blühpflanzen, wie zum Beispiel Sonnenblume, Ringelblume, Klatschmohn, Kornblume und die wilde Pastinake. Sie blüht von April bis Oktober, lockt Bienen an und ist Futter für Vögel. Die unterschiedlich langen Wurzeln lockern zudem den Boden", so Monika Hachtel.

Die beiden Schüler Simon Kempen (rechts) und Antonia Weber (links) aus Lohmar sind mit Antonias Mutter (Mitte) zum Festival gekommen. Letztere ist die am meisten begeisterte Gärtnerin von den Dreien, aber Simon hat auch schon Feuer gefangen. Er interessiert sich vor allem für Tomatensamen, "weil die so leicht zu ernten und anzubauen sind". Monika Hachtel empfiehlt ihm die Sorte "Black Cherry". Sie wächst gut, trägt reich, fruchtet dunkel-violett und schmeckt sehr süß.

Schon zu Beginn des Samentausches, um 12 Uhr, wurde der Tisch bereits überrannt. Um 14 Uhr ist der Andrang weiter ungebrochen. "Zwei Stunden reichen wohl doch nicht aus", resümiert Monika Hachtel und freut sich, dass von Jahr zu Jahr mehr Interessenten kommen. Diejenigen, die in St. Augustin eventuell nicht das gefunden haben, was sie gesucht haben, werden vielleicht bei weiteren Saatgutbörsen im Land fündig.

Lesetipps

Gemüse und Blumen aus eigenem Saatgut
Autorin: Heidi Lorey
Ulmer Verlag, 2017
16,90 Euro

Handbuch Samengärtnerei
Autoren: Andrea Heistinger, Arche Noah
Löwenzahn Verlag, 2016
29,90 Euro

Die Vielfalt kehrt zurück
Autorin: Ina Sperl
Ulmer Verlag, 2013
24,90 Euro

Saatgut aus dem Hausgarten
Autorin: Marlies Ortner
Ökobuch Verlag, 2010
19,90 Euro

Stand: 03.03.2018, 00:00