Rekordverdächtige Pflanzen

Rekordverdächtige Pflanzen im Botanischen Garten Bonn

Rekordverdächtige Pflanzen

Von Sabine Krüger

Besonders groß, besonders klein, extrem selten, extrem schnell und kurios. Biologin Stella Fließwasser führt uns zu erstaunlichen Pflanzenrekorden im Botanischen Garten Bonn.

Rekordverdächtige Pflanzen

WDR 4 Drinnen und Draußen 05.01.2019 02:13 Min. Verfügbar bis 05.01.2020 WDR 4

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Von Gnomen und Titanen

Die Titanenwurz ziert das Logo des Botanischen Gartens Bonn. Der Park und seine Gewächshäuser bieten aber mehr Rekorde: unter anderen auch eine der schnellsten Pflanzenbewegungen.

Rekordverdächtige Pflanzen im Botanischen Garten Bonn

Die Biologin Stella Fließwasser ist sichtlich begeistert von Pflanzen. Das überträgt sie bei ihren Führungen auf die Besucher. Hier steht sie neben dem Modell des Samens der Seychellennusspalme, eine ihrer Lieblingspflanzen. Sie hat die größten Samen im Pflanzenreich, die einzeln um die 20 Kilogramm wiegen.

Die Biologin Stella Fließwasser ist sichtlich begeistert von Pflanzen. Das überträgt sie bei ihren Führungen auf die Besucher. Hier steht sie neben dem Modell des Samens der Seychellennusspalme, eine ihrer Lieblingspflanzen. Sie hat die größten Samen im Pflanzenreich, die einzeln um die 20 Kilogramm wiegen.

Die Seychellennusspalme ist stark gefährdet. In der Natur gibt es sie nur noch auf zwei Inseln. Die Samen hängen ganz oben in der Palme. Sie müssen so schwer sein, damit sie durch die dicke Laubschicht der sehr großen Palmblätter am Boden weiter nach unten sacken können. Zusätzlich wächst dann aus den Samen zunächst eine Art Schlauch, der sich weiter durch das Laub arbeitet, bis er dann wirklich im Boden wurzeln kann.

Die Hickorynuss punktet auch auf mehreren Ebenen. Wie im Foto zu sehen, zunächst mit einer wunderschön gelben Herbstfärbung. Zum zweiten ist dieser Baum einer der ältesten im Botanischen Garten Bonn, er wurde circa 1840 gepflanzt. Und zum dritten ist er ein sogenannter Rekordbaum, ein Titel, der von der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft verliehen wird.

"Dieser Hickorynussbaum ist der größte seiner Art in Nordrhein-Westfalen", erläutert Stella Fließwasser den Rekordstatus. Ungefähr 30 Meter hoch ist er. In seiner Heimat Nordamerika wird das Holz zum Räuchern genutzt. Seine Frucht erinnert von der Form und Hülle her etwas an unsere Walnuss. Ein gefundenes Fressen für die Eichhörnchen im Botanischen Garten Bonn. 

Beim Thema Baumriesen dürfen natürlich Mammutbäume nicht fehlen. Der Botanische Garten Bonn beherbergt diesen Küstenmammutbaum. Das Schaubild zeigt, dass Mammutbäume in ihrer nordamerikanischen Heimat circa 120 Meter hoch wachsen können. "Man würde also von der Dachplattform des Kölner Doms aus in die Krone des Mammutbaums schauen", erklärt Stella Fließwasser. Neben dem Küstenmammut wächst im Botanischen Garten Bonn auch noch ein Riesenmammut.

Die Sumpfzypresse in der Bildmitte sprengt das Foto-Format. Auch sie zählt zu den höchsten Bäumen in dem Bonner Park. Wenn man genau hinsieht, kann man an ihrem Fuß, entlang des Teichufers helles Wurzelwerk erkennen, dessen kuriose Form erst aus der Nähe so richtig gewürdigt werden kann.

Mit diesen "Gnomen", wie Stella Fließwasser die Wurzelaustriebe scherzhaft nennt, atmet der Baum sozusagen: "Da Sumpfzypressen im Sumpf stehen, ist das Erdreich mit Wasser vollgefüllt, sodass kein Sauerstoff an die Wurzeln gelangt. Daher machen Sumpfzypressen diese Auswüchse nach oben über die Boden-Oberfläche, damit die Wurzeln Sauerstoff aufnehmen können."

Die Gunnera, auch Mammutblatt genannt, ist eigentlich eine großwüchsige Pflanze. Diese "Mini-Gunnera" (Gunnera magellanica) ist aber eher ein Bodendecker von der Größe des Storchschnabels, den man aus dem eigenen Gartenbeet kennt. "Aber diese hier kommt aus Patagonien und das kennt man ja, dass Pflanzen aus kalten, windigen Regionen eher einen Zwergenwuchs machen, um Ressourcen zu schonen", so die Biologin.

Auf dem Weg zum Gewächshaus passiert die Gruppe dieses unscheinbare Bäumchen (links). Das ist Sophora toromiro von der Osterinsel im Südost-Pazifik. "Wahrscheinlich eine der seltensten Pflanzen der Welt. Man hat tatsächlich gedacht, dass die Toromiro-Bäume ausgestorben seien. Aber 1988 hat man hier im Bonner Botanischen Garten zufällig einen gefunden. Der stammte aus einem Steckling einer Pflanze des Botanischen Gartens Göteborg und nun versucht man, die Bäume wieder auf der Osterinsel anzusiedeln", erklärt Stella Fließwasser.

Die Venusfliegenfalle präsentiert hier die rote Innenseite ihres Blattes. "Diese Falle schnappt ziemlich schnell zu. Wenn die Haare auf den Blattinnenseiten zum Beispiel von einer Fliege geknickt werden, gibt es einen elektrischen Impuls, der das Blatt mit der Fliege darin zuklappen lässt. Diese Schnappbewegung dauert 100 Millisekunden. Das ist wahnsinnig schnell. Schneller ist nur der Kanadische Hartriegel, wenn er seine Pollen in 0,3 Millisekunden rausschleudert."

Diese Victoria-Seerosen werden auch Riesenseerosen genannt. Die großen, weißen duftenden Blüten öffnen sich in der Abenddämmerung und locken dämmerungsaktive Käfer an. Morgens schließen sich die Blüten, die eingeschlossenen Käfer beschmieren sich mit dem Pollen und wenn sich die Blüte am nächsten Abend wieder öffnet, hat sie sich rosa verfärbt und duftet nicht mehr. Die Käfer wissen, dass sie nur in den weißen Blüten Nahrung finden.

Die grünen Punkte in diesem Wasserschälchen sind Wolffia columbiana, die kleinsten Blütenpflanzen der Welt. Da die ganze Pflanze nur 0,3 bis 0,8 Millimeter groß ist, kann man ihre Blüten nur mit sehr stark vergrößernden Lupen erkennen. Erstaunlicherweise sind diese Mini-Pflanzen verwandt mit der Titanenwurz, dem Aronstabgewächs mit der größten Blüte.

Die Titanenwurz ziert das Logo des Botanischen Gartens Bonn. "Weil wir das besonders gut können", schmunzelt Stella Fließwasser selbstbewusst: "1993 haben wir die ersten beiden Pflanzen bekommen, da waren sie noch eine totale Rarität in Deutschland. Beide haben geblüht und das war bis dahin erst das dritte Blühereignis in ganz Deutschland und eine hat danach noch überlebt und sogar nochmals geblüht."

Titanenwurzen zu pflegen ist nicht einfach, da sie anfällig sind für Fadenwürmer. "Aber wir haben hier inzwischen circa 25 Pflanzen. Aus der Mitte der Knolle kommt entweder ein Blatt oder ein Blütenstand. Der Blütenstand ist dann der größte unverzweigte Blütenstand der Welt. Der Weltrekord lag lange bei uns in Bonn, jetzt ist er bei etwas über 2,90 Meter in den USA. Aber wir holen ihn uns zurück!"

Lesetipp

77 Pflanzen-Sensationen. Die ältesten, die kleinsten, die kriminellsten, die erfolgreichsten…
Autorinnen: Karin Greiner, Edith Schowalter
DVA, 2015
19,99 €

Stand: 05.01.2019, 00:00