Regionale Sorten – Bönnsch Jemöhs

Bonner Beste und Rheinlands Ruhm im Nutzpflanzengarten der Universität Bonn

Regionale Sorten – Bönnsch Jemöhs

Von Sabine Krüger

Möschebonne, Bonner Beste, Vorgebirgstrauben und Schwarze Poppelsdorfer werden im Botanischen Garten Bonn gehütet, damit sie nicht verschwinden wie die Perle von Muffendorf.

Regionale Sorten – Bönnsch Jemöhs

WDR 4 Drinnen und Draußen | 15.09.2018 | 02:20 Min.

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Von Möschebonne und Schwarzer Poppelsdorfer

Im Nutzpflanzengarten der Universität Bonn werden alte regionale Sorten erhalten und vermehrt. Für die vormals landwirtschaftlich geprägte Region wichtige Kulturgüter!

Biologin Barbara Bouillon zeigt Weinbergpfirsiche im Botanischen Garten Bonn

Die Biologin Barbara Bouillon arbeitet hauptamtlich in der Biologischen Station Rhein-Sieg und bietet in den Botanischen Gärten Bonn Führungen an. Auch im etwas unbekannteren Nutzpflanzengarten, der unter anderem alte regionale Sorten beherbergt. Der abgebildete Pfirsich ist aber leider keine regionale Sorte, sondern ein Weinbergpfirsich. "Die regionalen Sorten 'Perle von Muffendorf' und 'Oberpräsident von Schorlemer' müssen leider als verschollen gelten", bedauert Barbara Bouillon.

Die Biologin Barbara Bouillon arbeitet hauptamtlich in der Biologischen Station Rhein-Sieg und bietet in den Botanischen Gärten Bonn Führungen an. Auch im etwas unbekannteren Nutzpflanzengarten, der unter anderem alte regionale Sorten beherbergt. Der abgebildete Pfirsich ist aber leider keine regionale Sorte, sondern ein Weinbergpfirsich. "Die regionalen Sorten 'Perle von Muffendorf' und 'Oberpräsident von Schorlemer' müssen leider als verschollen gelten", bedauert Barbara Bouillon.

"Stielmus wurde früher regelmäßig auf den Feldern angebaut, zu Bündeln zusammengepackt und verkauft", so die Biologin. Es heißt auch Rübstiel, denn tatsächlich handelt es sich um die Blattstiele der Mairübe. Die werden so dich gesät, dass kein Platz für Rüben ist. Stattdessen verwertet man die Blätter in Eintöpfen, als Gemüsebeilage oder als Salat.

Waschechte Bonner beziehungsweise Vorgebirgspflanzen sind diese Stangenbohnen: ganz links die Sorte Möschebonne, in der Mitte die Lengsdorfer Speckbohne und ganz rechts der Ruhm vom Vorgebirge. "Der Bonner Begriff Mösche bedeutet Spatzen. Bei der Möschebonne sind die Bohnensamen in den Schoten gescheckt wie Spatzeneier. Wenn sie reif sind, kann man daraus Suppe kochen", erklärt Barbara Bouillon.

Erstaunlich ist, dass in der Region bereits vor mehr als 60 Jahren mit Sojabohnen experimentiert wurde – am damaligen Institut für landwirtschaftliche Botanik, dem Vorgänger des heutigen Nutzpflanzengartens. "Durchsetzen konnte sich die Schwarze Poppelsdorfer zwar nicht, aber ein Hingucker sind ihre schwarzen Bohnenkerne schon", meint Barbara Bouillon. "In der asiatischen Heimat der Sojabohne sind die Tage nicht so lange hell wie bei uns, aber man hat es eben versucht."

Die Königin der Nacht ist zwar eine russische Tomatensorte, aber viel zu schön, um sie hier nicht zu zeigen. "Wenn sie reift, schlägt der blauschwarze Farbton in Rot um. Er soll besonders gesund sein, weil er Antioxidantien enthält, die unsere Zellen vor freien Radikalen schützen, also Krebs vorbeugen sollen. Daher wird er heute gerne in Gemüsesorten reingezüchtet", erklärt die Fachfrau.

Diese beiden sind wieder echte Regionalmatadoren: links die Tomatensorte Bonner Beste und rechts Rheinlands Ruhm. Zweitere ist ein Abkömmling von Bonner Beste, gezüchtet von der Niederdollendorfer Firma Frembgen. Wenig ruhmreich ist allerdings, dass sie anfällig ist für die Tomatenkrankheit Grünkragen, bei der die Frucht oben grün und fest bleibt. "Die Bonner Beste ist eine Sorte, die hier sehr früh reift und deshalb früher hohe Preise erzielen konnte", so Barbara Bouillon.

Wer beim Herbstfest des Nutzpflanzengartens Samen kauft, um die Bonner Beste zu ziehen, kann aus den Früchten dann selbst wieder neue Samen gewinnen. "Bei einer sogenannten Normaltomate, wie der Bonner Besten, sind diese in zwei Kammern angeordnet mit einer Scheidewand dazwischen", erklärt die Biologin. Und eine Teilnehmerin, die schon einmal die Bonner Beste im Garten hatte, bescheinigt ihr einen guten Geschmack.

Zwischen Bonner Beste und Rheinlands Ruhm ist ein Gurkenbeet. "Tomaten bestäuben sich in der Regel selbst, bevor die Blüte richtig geöffnet ist. Damit bleiben die Sortenmerkmale rein. Vielleicht aber wurde dennoch sicherheitshalber das Gurkenbeet dazwischen gepflanzt, um einer Fremdbestäubung durch Insekten zusätzlich vorzubeugen", so Bouillon.

Und das ist sie, die Gurke, die zwischen die Tomaten gepflanzt wurde: Vorgebirgstraube heißt die Sorte. "Man pflückt sie natürlich normalerweise solange sie noch grün ist. Aber wir hier möchten ja Samen ernten, um die Sorten zu erhalten", erklärt die Biologin. Kleine Früchte kann man direkt vernaschen oder einlegen. Größer gewachsene verwendet man als Senf- oder Salatgurken.

Schön anzusehen ist der Nutzpflanzengarten der Universität Bonn auch. Das Kleinod liegt aber nicht auf dem Gelände des Botanischen Gartens, sondern etwas versteckt im Katzenburgweg 1, auf der anderen Seite der Meckenheimer Allee. Der Garten ist sonntags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis 20 Uhr. Auf dem Herbstfest am 07. Oktober 2018 können voraussichtlich auch wieder Samen von alten Sorten erstanden werden.

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Stand: 15.09.2018, 00:00