Räuchern mit Nadelgehölzen

Blattspitzen des Riesen-Lebensbaums (Thuja plicata) auf einem Räuchergefäß

Räuchern mit Nadelgehölzen

Von Sabine Krüger

Räuchern kann frischen Waldduft in die Wohnung bringen. Für manche gehören angenehme Gerüche auch zu einem besinnlichen Jahreswechsel. Wir zeigen, worauf man beim Räuchern achten sollte.

Räuchern mit Nadelgehölzen

WDR 4 Drinnen und Draußen | 30.12.2017 | 02:37 Min.

Download

Dufte Nadelgehölze

Dämonen vertreiben, Desinfizieren und Danksagen, das waren in früheren Zeiten die Anlässe für Räucher-Rituale. Heute möchten wir einfach den sommerlichen Waldgeruch auch im Winter genießen.

Silvia Vermeulen

Die pharmazeutisch-technische Assistentin Silvia Vermeulen leitet im Botanischen Garten Köln, der Flora, den Rundgang zu den Räuchergehölzen. "Der Gemeine Wacholder ist das älteste Räucherwerk der Erde und wurde im Mittelalter als Heilmittel eingesetzt, wegen seiner harntreibenden und kreislaufanregenden Wirkung. Wacholder kommt eben von 'wach'", so Vermeulen.

Die pharmazeutisch-technische Assistentin Silvia Vermeulen leitet im Botanischen Garten Köln, der Flora, den Rundgang zu den Räuchergehölzen. "Der Gemeine Wacholder ist das älteste Räucherwerk der Erde und wurde im Mittelalter als Heilmittel eingesetzt, wegen seiner harntreibenden und kreislaufanregenden Wirkung. Wacholder kommt eben von 'wach'", so Vermeulen.

Der Wacholder hat drei Entwicklungsphasen: Zuerst kommen die Blüten, im zweiten Jahr dann die hellen, bläulichen Beeren (im Foto rechts) und im dritten Jahr die dunkelblau bis schwarzen Beeren (im Foto links). "Die dunklen sind die reifen, die man zum Essen und Räuchern verwendet. Aber nur die vom Echten Wacholder, denn nicht alle Wacholdersorten sind genießbar", warnt sie.

Geräuchert werden beim Wacholder die Blattspitzen und die Beeren. Es gibt zwei verschiedene ätherische Öle: eines vom Holz des Wacholders und eines von den Beeren. Die Beeren enthalten wesentlich mehr ätherische Öle als die Blattspitzen und das Holz. Die Rundgangs-Teilnehmer empfanden den Duft des Beerenöls als komplexer, feiner und frischer als den vom Holz.

Das Harz und die Sprosse der Kiefer räucherten schon die Germanen. Das galt als besonders wirksam gegen Hexen und Zauberei. "Die ätherischen Öle der Kiefer haben eine keimhemmende Wirkung, was auch das Übertragen von Krankheiten verhindern sollte", erklärt Silvia Vermeulen.

Aus demselben Grund sieht man auf mittelalterlichen Weihnachtsmärkten oft Räuchergefäße mit Tannennadeln. Fichtennadeln (im Foto links) erkennt man übrigens daran, dass sie, wenn man sie vom Ast löst, im Gegensatz zu Tannennadeln (im Foto rechts), kleine Fähnchen haben: "Fähnchen wie Fichte", lautet die Eselsbrücke.

Einen wahren Begeisterungssturm hat der Duft der Arizona-Zypresse bei den Rundgangs-Teilnehmern ausgelöst. Das ist auch ein Lieblingsduft von Silvia Vermeulen: "Die Zypresse hat was Frisches, Süßliches", findet sie. Eine Teilnehmerin schwärmt: "Ich hab das Gefühl, als ob alle meine Zellen aufgehen!"

Die mächtige Libanon-Zeder im Kölner Botanischen Garten darf nicht verräuchert werden, sie steht unter Schutz. Der Baum ist jetzt 153 Jahre alt. Das ist die zweitgrößte Libanon-Zeder in Deutschland. Im Foto sieht man links den spindelförmigen männlichen Samen, aus dem später Kätzchen werden, und rechts daneben den weiblichen Zapfen.

Diese Virginische Rot-Zeder ist ein Wacholdergewächs. "Die Römer haben in ihren Tempeln sowohl die Zeder als auch den Wacholder verräuchert, daher kommt wahrscheinlich die Begriffsverwirrung", meint Silvia Vermeulen. Die ätherischen Öle duften pfeffrig, warm, würzig. Sie sollen entspannend, harmonisierend und schleimlösend wirken.

Diese Blattspitzen stammen vom nordamerikanischen Riesen-Lebensbaum (Thuja plicata). Man kann sie zwar räuchern, aber nur in sehr geringen Dosen. Sie enthalten Thujon, ein Nervengift, das Verwirrtheit, Schwindel und epileptische Krämpfe auslösen kann. Daher am besten nur draußen verräuchern!

Generell ist das Räuchern von Nadelgehölzen in Innenräumen gefährlich, da Funken wegspringen und einen Brand auslösen können. Sicherer ist es, deren ätherische Öle in Wasser aufzulösen. Dabei reicht ein Tropfen der konzentrierten Pflanzenlösung völlig aus.

Mehr zum Thema im WDR

Lesetipps

Die Kölner Flora: Festhaus und Botanischer Garten
Autoren: Stephan Anhalt, Gerd Bermbach
J.P. Bachem Verlag, 2014
34 €

Stand: 30.12.2017, 00:00