Obstveredelung – Reiser schneiden

Reiser kann man mit einer Rosenschere schneiden

Obstveredelung – Reiser schneiden

Von Sabine Krüger

Möchten Sie den gleichen Apfel wie Ihr Nachbar? Dann fragen Sie, ob Sie sich Reiser schneiden dürfen! Auf eine robuste Unterlage gepfropft, wächst der Baum dann auch bei Ihnen.

Obstveredelung – Reiser schneiden

WDR 4 Drinnen und Draußen | 19.01.2019 | 02:18 Min.

Download

Mit Reisern alte Obstsorten erhalten

Den Rheinischen Bohnapfel bekommt man nicht im Supermarkt. Aber genauso wie man Stauden sortenecht mit Stecklingen vermehrt, kann man Obstbäume mit Reisern vermehren. So geht's!

Timo Sachsen

Timo Sachsen ist Geograph, aber der Obstbau liegt bei ihm in der Familie. Für den Verein Bine betreut er mehrere Streuobstwiesen mit alten Obstsorten. Der Verein bietet unter anderem Kurse zum Schnitt und Veredeln von Obstbäumen an, damit auch Hobbygärtner die alten Schätze in ihren Gärten pflanzen und pflegen können. Der Reiserschnitt ist Teil eins des Veredelungskurses, bei dem das Material für die Veredelung geschnitten wird.

Timo Sachsen ist Geograph, aber der Obstbau liegt bei ihm in der Familie. Für den Verein Bine betreut er mehrere Streuobstwiesen mit alten Obstsorten. Der Verein bietet unter anderem Kurse zum Schnitt und Veredeln von Obstbäumen an, damit auch Hobbygärtner die alten Schätze in ihren Gärten pflanzen und pflegen können. Der Reiserschnitt ist Teil eins des Veredelungskurses, bei dem das Material für die Veredelung geschnitten wird.

Als Motivationsspritze fürs Reiserschneiden in der Kälte schenkt der Kursleiter zunächst warmen selbst gepressten Apfel-Quitten-Saft aus. Und er verteilt Äpfel alter Sorten zum Verköstigen. Die Gelben unten in der Tüte sind die Sorte "Schöner aus Nordhausen", der rötliche Apfel oben ist die "Rote Sternrenette" und darunter eine rote Mutation vom "Schöner von Boskoop".

Barbara Littauer liebt Äpfel. Auch dieser "Schöner von Nordhausen" schmeckt ihr hervorragend. Vor einiger Zeit hat sie sich einen Apfelbaum für ihren Garten gekauft. Weil sie "keine Ahnung" hat vom Obstbau, freut sie sich sehr über das Kursangebot von Bine e.V. Heute möchte sie Reiser schneiden von ihren Lieblingssorten, die sie dann im zweiten Teil des Veredelungskurses im Februar 2019 auf eine robuste Unterlage pfropfen wird.

Da, wo dann die Reiser der gewünschten Obstsorte auf die robuste Unterlage gepfropft wurden, wird man immer die Veredelungsstelle erkennen. Timo Sachsen zeigt das an einem Baum auf der Streuobstwiese: "Das hier ist ein Hochstamm. Hier ist der Kronenansatz ungefähr bei 1,90 Meter und die Veredelungsstelle unterhalb des Kronenansatzes. Das sieht man daran, dass die Rinde darüber anders aussieht als die darunter."

Bevor es ans Reiser-Schneiden geht, gibt es für die 14 Teilnehmer noch etwas Theorie von Timo Sachsen: "Der beste Zeitpunkt fürs Reiserschneiden ist der Winter. Denn nach den ersten Frösten ist der Saftfluss im Baum herabgesetzt, man spricht dann von der Saftruhe. Bei Frost selbst sollte man keine Reiser schneiden, weil da schnell was bricht. Der beste Zeitpunkt zum Veredeln ist kurz bevor der Saftfluss im Baum wieder angeregt wird, also im Februar, eventuell auch noch März."

Ideale Reiser (rechts) sind ca. 30 cm lange, etwa bleistiftdicke Stücke eines einjährigen Astes von der sonnenbeschienenen Seite des Baumes mit mindestens vier Triebknospen. Die Triebknospen sollten Holztriebe sein, aus denen Äste treiben, nicht Blüten und Früchte. Zum Vergleich links ein Fruchtstand, der nicht als Reis geeignet ist. Fruchtstände erkennt man daran, dass ihre Knospen dicker sind. Einjährige Äste sind die jüngsten Äste am Baum, erkennbar am hellen Holz.

Dann geht's an die Praxis! Das heißt: Vor jedem Schnitt überlegen, ob dieser Ast als Reiser geeignet wäre. Der im Foto wäre es nicht, da der Ast zu kurz ist und die Knospen außerdem nach Blütenknospen aussehen. Also wieder weg mit der Gartenschere! Wer sicherstellen möchte, dass er über das Werkzeug keine Krankheiten überträgt, desinfiziert es vorher noch mit Industrie-Alkohol.

Diese Reiser, die Andrea Leersch-Krüger schneidet, sehen sehr gut aus. In ihrem Heimatort im Westerwald gab es einen alten Herrn, der für alle in der Nachbarschaft die Obstbäume schnitt und veredelte. Weil sie jetzt selbst einen Apfelbaum hat, wollte sie es gerne auch lernen. Und mit einem Kurs gehe das besser, als nur mit einem Buch, findet sie.

Damit man hinterher noch weiß, von welchem Baum man Reiser geschnitten hat, sollte man sie nach Sorten sortiert bündeln und etikettieren. Bis zum Veredelungskurs im Februar reicht erstmal das Papieretikett, beschriftet mit einem wasserfesten Stift. Der veredelte Baum bekommt dann später das Metalletikett, in dem die Sorte mit dem Kugelschreiber eingeritzt wird. Das hält ewig.

Andrea Leersch-Krüger nimmt Informationen mit nach Hause, ein paar Äpfel der Sorte "Schöner von Nordhausen" und ein Bündel Reiser der Sternrenette, das sie bis zum Veredelungskurs draußen lagert. Am besten in einer Plastiktüte mit Löchern drin, zusammen mit etwas Moos als Feuchtigkeitsausgleich und in einem kleinen Drahtgeflecht, als Schutz gegen hungrige Mäuse. Vom Veredelungskurs im Februar berichten wir auch wieder.

Lesetipps

Pflanzen veredeln. Pfropfen und okulieren
Autor:  Heiner Schmid
Ulmer Verlag, 2019
9,95€

Farbatlas Alte Obstsorten
Autor: Walter Hartmann
Ulmer Verlag, 2015
24,90 €

Stand: 19.01.2019, 00:00