Sommerschnitt an Obstbäumen

Der Kursleiter zeigt dem Teilnehmer auf der Leiter, welchen Ast er abschneiden soll

Sommerschnitt an Obstbäumen

Von Sabine Krüger

Wie gut trägt Ihr Obstbaum? Falls ein Schnitt fällig sein sollte, können Sie den auch im Sommer vornehmen. Ein Kurs in Herzogenrath erklärt, für welche Bäume das sinnvoll ist.

WDR 4 Drinnen und Draußen: Sommerschnitt an Obstbäumen

WDR 4 Drinnen und Draußen 27.07.2019 02:19 Min. Verfügbar bis 26.07.2020 WDR 4

Download

Obstbaumschnitt – im Winter oder im Sommer?

Viele zögern beim Obstbaumschnitt. Der richtige Schnitt fördert aber nicht nur den Ertrag, sondern auch die Lebensdauer. In welchen Fällen man besser im Sommer oder im Winter schneidet, haben wir in Erfahrung gebracht.

Timo Sachsen und Katalin Lovas präsentieren auf einem Auto-Anhänger Werkzeuge zum Obstbaumschnitt

Timo Sachsen ist Diplom-Geograf und Obstbaumwart. Für den Verein BiNE e.V. gibt er Kurse rund um die Obstbaumpflege. Katalin Lovas unterstützt ihn dabei sowie bei der Pflege der Streuobstwiesen des Vereins. Hier präsentieren sie geeignetes Werkzeug für den Obstbaumschnitt: eine Teleskop-Zugastschere, eine japanische Zugsäge und eine Gartenschere. "Bei Garten- und Astscheren empfehle ich Bypass-Scheren, also solche, bei denen die Schnittflächen seitlich aneinander vorbeigeführt werden, damit werden die Bäume wirklich geschnitten und nicht gequetscht", so der Obstbaumwart.

Timo Sachsen ist Diplom-Geograf und Obstbaumwart. Für den Verein BiNE e.V. gibt er Kurse rund um die Obstbaumpflege. Katalin Lovas unterstützt ihn dabei sowie bei der Pflege der Streuobstwiesen des Vereins. Hier präsentieren sie geeignetes Werkzeug für den Obstbaumschnitt: eine Teleskop-Zugastschere, eine japanische Zugsäge und eine Gartenschere. "Bei Garten- und Astscheren empfehle ich Bypass-Scheren, also solche, bei denen die Schnittflächen seitlich aneinander vorbeigeführt werden, damit werden die Bäume wirklich geschnitten und nicht gequetscht", so der Obstbaumwart.

Hans Aust beteiligt sich ebenfalls als Ehrenamtler für den BUND an der Pflege der Streuobstwiesen. Gerne nimmt er die Fortbildung zum Sommerschnitt wahr. Zwischen Theorie und Praxis gibt es erst einmal Apfelringe von Timo Sachsens Lieblingssorte, der Ananasrenette. "Die Apfelringe sind ausgewogen süß und sauer. Der Saft ist eine Mischung verschiedener Sorten, schmeckt also immer anders, aber immer lecker", findet er.

Dass dieser Apfelbaum schon sehr lange nicht mehr geschnitten wurde, sieht man an den vielen hängenden Ästen und der sehr dichten Krone. Er trägt zwar viele Früchte, aber durch die engen Verästelungen bekommen diese wenig Licht. Ohne Schnitt würden sie klein bleiben, wahrscheinlich keine oder kaum Deckfarbe ausbilden und damit auch keinen besonders guten Geschmack. Nach der Theorie geht es dem Bäumchen also an Äste und Krone.

"Obstbäume, bei denen man das Wachstum anregen möchte, sollte man im Winter schneiden; solche, die man im Wachstum bremsen möchte, im Sommer. Denn wenn man dem Baum im Sommer belaubte Äste entfernt, nimmt man ihm mehr Energie als beim Winterschnitt", erklärt Timo Sachsen. Die Schnittregeln im Winter und im Sommer sind die gleichen. Der Kursleiter zeigt mit einem Stab auf einen Ast, der fast senkrecht nach unten wächst: "Vermutlich war der mal gebrochen, der stört und muss raus!"

Kursteilnehmer Torsten Arnold aus Herzogenrath übernimmt freiwillig den Schnitt mit der japanischen Zugsäge. Seine Frau Doris Heinzel hat schon den Kurs zum Winterschnitt besucht. "Danach wusste ich genau, wo ich schneiden muss und am Nachmittag waren unsere Bäume dran", lacht sie. Sie selbst schneidet am liebsten mit der Astschere. Im Kurs wurde aber auch die Zugsäge empfohlen, mit der ihr Mann begeistert arbeitet.

Unter anderen entfernt er einen Ast, der komplett im Bogen gewachsen ist. "Manche Schädlinge, auch Blattläuse, führen manchmal dazu, dass Äste die Wuchsrichtung ändern. Jetzt ist der noch kein Problem", sagt Timo Sachsen, "aber der wird ja dicker und dann verschattet der die Früchte, man kann keine Leiter anlehnen und so weiter". Obwohl also schon Äpfel dranhängen, wird der Ast gnadenlos gekappt.

Gemeinsam schaut sich die Gruppe den Baum von außen an und diskutiert, welche Äste stören und entfernt werden sollen. Freiwillige, die für den Schnitt auf die Leiter steigen, machen oft die Erfahrung, dass es von dort aus schwierig ist zu erkennen, welcher Ast raus sollte. Es ist also sinnvoll, Obstbäume zu zweit zu schneiden. Auch weil dann einer die Leiter halten kann, wenn nötig.

Kursteilnehmer Torsten Arnold testet auch nochmals den Schnitt mit der Astschere. Im Gegenlicht ist es oft schwierig, zu sehen, wo man schneiden soll. Dann hilft nur, die Leiter zu verrücken und von einer anderen Position aus zu schneiden.

"Damit der Baum die Schnittstellen gut überwachsen kann, sollte man beim Schnitt keine Kleiderhaken stehen lassen", erklärt Timo Sachsen. Dafür arbeitet dieser Kursteilnehmer bei einem dünnen Ast mit der Gartenschere nach. Man schneidet so, dass Regenwasser abfließen kann, dann braucht man auch kein Wundverschlussmittel.

Timo Sachsen empfiehlt für Sommer- und Winterschnitt die Öschberg-Palmer-Methode. Danach erzieht man eine starke Stammverlängerung zur Spitze und drum herum drei, vier robuste Äste als Leittriebe. Von diesen aus fördert man waagerechte Äste mit kurzen Seitentrieben. Denn an diesen entwickeln sich Blüten und Früchte: "Der Leitast ist jetzt gut: Er hat nach unten Masse abgegeben, die steilen Triebe sind rausgekommen. Er hat jetzt eine einigermaßen waagereche Struktur, wo er im nächsten Jahr Frucht tragen wird".

Als die untere Ebene fertig ist, macht sich Timo Sachsen mit der Teleskop-Zugastschere an die Krone. Hier geht es vor allem darum, dass die Spitze auch tatsächlich Spitze bleibt und keine Konkurrenz von anderen Trieben bekommt. Die Konkurrenten werden abgeschnitten. Und natürlich, wie in der unteren Ebene auch, Äste, die zu eng oder in die falsche Richtung wachsen.

Der Vorher-Nachher-Vergleich zeigt es: Der Baum ist nun viel lichter und die verbliebenen Äste streben eher nach oben als nach unten. Timo Sachsen fasst zusammen: "Der Sommerschnitt eignet sich vor allem für Kernobst-Bäume, also Apfel und Birne, wenn deren Wachstum gebremst werden soll, also bei starkwüchsigen Sorten oder wenn der Baum nicht weiter nach oben wachsen soll. Für die besonders stark wüchsige Kirsche ist auf alle Fälle der Sommerschnitt angesagt. Walnüsse schneidet man am besten gar nicht, weil die wild austreiben".

Lesetipps:

Obstbaumschnitt. Kernobst, Steinobst, Beerenobst
Autor: Heiner Schmid
Ulmer Verlag, 2008
9,90 €

Alte und neue Apfelsorten
Autor: Franz Mühl
Obst- und Gartenbauverlag München, 2007
19,90 €

Mehr zum Thema im WDR

Stand: 16.07.2019, 16:00