Nistkästen selber bauen

Ein selbstgebauter Meisen-Nistkasten

Nistkästen selber bauen

Von Sabine Krüger

Wer jetzt Nistkästen aufhängt, hilft Wildtieren! Denn Vögel und Haselmäuse nutzen sie auch zum Überwintern. Mit einfachen Bausätzen sind die Häuser schnell zusammengeschraubt.

Nistkästen selber bauen

WDR 4 Drinnen und Draußen 24.11.2018 02:21 Min. Verfügbar bis 24.11.2019 WDR 4

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Ein Haus für die Meise

Neubauten bieten Vögeln kaum noch Nistplätze. Einen Ausgleich schaffen Nistkästen. Naturpädagogin Martina Schultze baut mit Kölnern einen einfachen Kasten für Meisen.

Sie kommen in friedlicher Mission: Die Naturpädagogin Martina Schultze leitet einen Kurs zum Nistkastenbau, im Auftrag der NABU-Station Leverkusen-Köln, hier unterstützt von deren Geschäftsführer Sönke Geske. Eine der ersten Lektionen von Martina Schultze: Der abgebildete Kasten auf dem Flipchart ist nicht zu empfehlen! Vögel brauchen keine Anflugstange, im Gegenteil, auf ihr können Nesträuber landen, denen so das Plündern leichter gemacht wird.

Die Vögel, die wir mit einem Nistkasten glücklich machen können, sind die, die ihre Nester in Höhlen bauen. Natürliche Höhlen baut der Buntspecht, der dafür alte Bäume braucht und jedes Jahr eine neue zimmert. Die vom Specht verlassenen nutzen dann andere Höhlenbrüter, wie Meisen. Da aber alte Bäume oft abgeholzt werden, gibt es immer weniger natürliche Nisthöhlen. Martina Schultze hat "Wohnungsgesuche" von Vögeln formuliert, die zeigen, was welche Art braucht.

Sie hat auch Nester mitgebracht, aus verlassenen Kästen. Das Nest ganz links stammt aus einem Meisenkasten, der auf einem Schulhof hing: "Wahrscheinlich haben die Kinder gefilzt, und die Vögel haben die wärmespendenden Reste in ihr Nest eingebaut", vermutet die Naturpädagogin. "Wenn Sie Haustiere haben, sammeln Sie deren Fellreste nach dem Kämmen! Ich verstreue sie dann im Frühjahr auf dem Balkon und im Garten und im Nu tragen Vögel sie für ihre Nester weg."

Weiteres Anschauungsmaterial: verschiedene Vogeleier in Gläsern. Von links nach rechts ein Ei von einer Ringeltaube, von einer Amsel, einer Heckenbraunelle, einer Kohlmeise und zuletzt das einer Blaumeise. "Ist es nicht faszinierend, dass aus diesem winzigen Ei ein ganzes Vögelchen schlüpft?", staunt Martina Schultze besonders über das kleinste. "Übrigens: Ist das Ei akkurat äquatorial aufgepickt, ist ein Vögelchen geschlüpft, ist es chaotisch zerstört, hat wohl die Elster das Küken verspeist", erklärt sie.

Der Kurs findet in den Riehler Heimstätten statt, einer Wohnanlage der Sozial-Betriebe Köln für Senioren in Köln-Riehl, ist aber offen für alle Interessierten. Tatsächlich wohnt ungefähr die Hälfte der Teilnehmer nicht auf dem Gelände, wie auch Dieter Küpper (links) und Horst Mührs (rechts). Sie kennen sich vom Kegeln: Auf der Bahn sind sie sonst Gegner, aber für den Nistkastenbau haben sie sofort ein Team gebildet.

Für den Kurs, der als Inklusionsprojekt vom Landschaftsverband gefördert wird, hat Martina Schultze Bausätze im Internet bestellt. Sie wurden in der Justizvollzugsanstalt Herford produziert, sind günstig und leicht zusammenzubauen. Eine Montageanleitung liegt bei, aber Martina Schultze gibt Starthilfe: "Als erstes werden die Seitenwände an die Rückwand geschraubt."

Als nächstes wird der Unterboden eingeschraubt. Dieter Küpper arbeitet ansonsten ehrenamtlich für das Reparatur-Café in der Senioren-Wohnanlage und hat zwei eigene Akku-Schrauber mitgebracht. "Du bist aber ausgerüstet, leck mich an den Füßen!", scherzt sein Kollege Horst Mührs. Die Senioren und Seniorinnen haben sichtlich Spaß am Werken für die Piepmätze.

Jetzt noch das Dach drauf schrauben. Für Dieter Küpper ist es der erste Nistkasten, den er selbst zusammengebaut hat. Horst Mührs ist zuvor schon mithilfe von Bauanleitungen des NABU in Serienproduktion gegangen: "Ich hab schon Familie und Freunde mit einer ganzen Reihe Nistkästen versorgt, ohne Bausatz. Das krieg ich auch innerhalb einer Stunde hin", erzählt er.

Zum Schluss noch die Vorderseite: Damit der Kasten gereinigt werden kann, wird sie so montiert, dass man sie auf- und zuklappen kann. Mit einer Ringschraube und einem Schlitz in der Klappe kann der Nistkasten verschlossen werden. Die dunkle Raute um das Einflugloch ist ein Specht-Schutz. Die verstärkte Öffnung sorgt dafür, dass Spechte das Loch nicht größer klopfen können. So bleiben diese Kästen mit dem Einflugloch von 28 Millimetern Größe den kleinen Meisen vorbehalten.

Zum Schluss noch am Dach die Aufhängung für den Kasten montieren und fertig ist das Meisen-Haus!

Bei ein paar Paketen fehlten Schrauben, aber ansonsten sind Dieter Küpper und Horst Mührs voll des Lobes für den Bausatz. An einem weiteren Termin werden die Senioren die Kästen noch gemeinsam aufhängen. Martina Schultze erklärt, worauf zu achten ist: "Nicht in die pralle Sonne und nicht an die Wetterseite hängen, am besten in südöstlicher Richtung auf zwei bis drei Metern Höhe. Und wenn dort viele Katzen unterwegs sind, unten am Baumstamm einen Ring zur Katzenabwehr anbringen!"

Ulrike Sommer wohnt auf dem Gelände der Riehler Heimstätten und hat ihren Nistkasten von Hand zusammengeschraubt. Mit Wachskreiden hat sie noch einen herzlichen Gruß für die Vögel draufgeschrieben. Martina Schultze rät: "Verwenden Sie bitte keinesfalls giftige Farben und Lacke, das ist schädlich für die Tiere! Nehmen Sie stattdessen Wachsstifte und zum Fixieren Leinöl!" – "Und zum Anbringen Aluminiumnägel, die schädigen den Baum nicht!", ergänzt Sönke Geske.

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Einfach selber bauen. Artgerechte Nist- und Futterhäuser für heimische Vögel mit Tipps zur richtigen Vogelfütterung
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Stand: 24.11.2018, 00:00