Naturnah gärtnern

Eine Biene auf einer pinkfarben-blühenden Wiesen-Flockenblume

Naturnah gärtnern

Von Sabine Krüger

In Naturgärten gibt es so viel zu erleben! Dafür müssen wir nur auf Gift und übertriebene Ordnung verzichten. Ein Rundgang mit Praxis-Tipps auf dem Naturschutzhof Nettetal.

Naturnah gärtnern

WDR 4 Drinnen und Draußen | 16.06.2018 | 02:20 Min.

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Naturgärten: weniger Arbeit, mehr Leben

Einen Garten komplett in einen Naturgarten umzuwandeln dauert Jahre. Aber jeder einzelne Schritt bringt interessante Naturerlebnisse. Ein Plädoyer für lebendige Gärten!

WDR 4 Drinnen und Draußen: Naturnah gärtnern

Wiebke Esmann leitet den Naturschutzhof Nettetal des Naturschutzbundes Deutschland, kurz: NABU. Bei ihrem Rundgang präsentiert sie viele kleine Schritte hin zum naturnahen Gärtnern. Hier eine Nisthilfe für nützliche Ohrwürmer, die Blattläuse, Milben und Gespinstmotten vertilgen. Die weiße Farbe am Obstbaum soll verhindern, dass die Rinde reißt. "Das ist einfach Kalk gemischt mit Tapetenkleister", so Wiebke Esmann.

Wiebke Esmann leitet den Naturschutzhof Nettetal des Naturschutzbundes Deutschland, kurz: NABU. Bei ihrem Rundgang präsentiert sie viele kleine Schritte hin zum naturnahen Gärtnern. Hier eine Nisthilfe für nützliche Ohrwürmer, die Blattläuse, Milben und Gespinstmotten vertilgen. Die weiße Farbe am Obstbaum soll verhindern, dass die Rinde reißt. "Das ist einfach Kalk gemischt mit Tapetenkleister", so Wiebke Esmann.

Das Naturgärtnern fängt mit dem Vorgarten an. Statt toter Kiesflächen (links im Modellbeet), womöglich noch mit Plastikfolie darunter, sodass die Fläche versiegelt ist, empfiehlt der NABU bunte Wildblumen-Wiesen (rechte Fläche). "Die muss man auch nur zweimal im Jahr mähen. In der Regel im Juni und im September", erklärt Wiebke Esmann.

Sehr beliebt bei Bienen ist zum Beispiel dieser violett-blühende Wiesensalbei (lat.: Salvia pratensis). Der Lippenblütler blüht von Mai bis August und fühlt sich wohl in Sonne bis Halbschatten. Er liefert Bienen viel Nektar und, durch einen besonderen Mechanismus, pro Insektenbesuch genau eine Portion Pollen.

Die Wiesen-Flockenblume (lat.: Centaurea jacea) ist ein Korbblütler, der sogar von Mai bis Oktober blüht. Vor allem nachmittags lockt sie Bestäuber an, denen sie sowohl Pollen als auch Nektar bietet. Sie liebt die pralle Sonne und eignet sich fürs Beet und die Blumenwiese gleichermaßen. Rückschnitt auf drei bis vier Zentimeter nach der Blüte wird eventuell mit einer Nachblüte belohnt.

So schön kann eine Wildbienen-Nisthilfe aussehen. Sie ist überdacht, damit die Nisthöhlen im Trockenen liegen. Angenehm an Wildbienen: Sie stechen nicht! Angenehm an Wildbienen-Nisthilfen: Sie dürfen nicht geputzt werden! Hier brütet beispielsweise die Gehörnte Mauerbiene.

Wichtig ist, dass die Nisthilfen aus Hartholz bestehen, also Buche, Eiche, Robinie, und dass die Löcher nicht in Baumscheiben, sondern in die Außenseite eines Holzstücks gebohrt werden – also ins sogenannte Längsholz. Die Löcher sollten unterschiedlich groß sein, mit Durchmessern von drei bis zehn Millimetern. Oder man kauft im Naturschutz-Fachhandel Nisthilfen aus Tonziegeln. Die verschlossenen Löcher sind bewohnt.

Für Bienen, Hummeln, aber auch Schmetterlinge sind die vielen verschiedenen Wildblumenwiesen und Wildstauden-Beete auf dem Hof wichtige Lebensräume. Diese Tafel zeigt, welcher Schmetterling auf welche Art angewiesen ist. Der Schwalbenschwanz liebt die Wilde Möhre, den Kümmel und den Dill. Der Aurorafalter braucht das Wiesenschaumkraut und den Knoblauchhederich (auch: Knoblauchsrauke) als Futterpflanzen für seine Raupen.

Wenn es die Brennnessel nicht gäbe, müsste man sie erfinden! Sie ist die Futterpflanze für all diese Schmetterlingsarten: den Kleinen Fuchs, den C-Falter, den Admiral, das Tagpfauenauge und für das Landkärtchen. Sicher möchte niemand, dass sie alles andere überwuchert. Aber weil sie sich auch für Jauchen eignet, pflanzt man sie am besten in eine Rhizom-Sperre neben dem Kompost.

Ein Hort der Artenvielfalt ist auch die Trockenmauer auf dem Gelände. Sie ist an ihrer Nordseite so von Farnen zugewachsen, dass man sie selbst kaum sehen kann. Dort wachsen Hirschzungenfarne, Königsfarne und dazwischen können sich kleine Käfer, Spinnen und die inzwischen seltenen Weinbergschnecken tummeln.

Oben auf dem sonnenbeschienenen Beet fühlen sich alpine Pflanzen wohl: von Lavendel über Akelei, Taglilien, Storchschnäbel bis hin zu, weiter unten, Enzian. Ein traumhaftes Bild! Kein knallbuntes Beet, sondern ein ausgesprochen harmonisch buntes.

Naturnahe Gärten, die ein Zuhause für Tiere sein sollen, dürfen nicht ordentlich sein. Trotzdem müssen sie nicht verwildern. Stattdessen kann man gezielt Unterschlupfe schaffen und dabei noch den Gehölz-Schnitt sinnvoll weiterverwerten. Reiht man mehrere solcher Stapel aneinander, entsteht eine sogenannte Benjeshecke, mit der man auch Gartenbereiche voneinander abgrenzen kann.

Wer sich Inspiration für die Anlage oder Umgestaltung seines eigenen Gartens holen möchte, ist im Naturschutzhof Nettetal goldrichtig! Und damit es nicht beim reinen Appell zum torffreien Gärtnern bleibt, hier das Rezept für 55 Liter wasserspeichernde selbstgemischte Erde: 30 Liter Gartenerde, 20 Liter Kompost aus Grünschnitt und 5 Liter Lehm; eventuell noch Urgesteinsmehl, um den Mineraliengehalt zu erhöhen und Hornspäne als Stickstoff-Lieferant für Tomaten und Kartoffeln dazumischen.

Lesetipps

Schmetterlinge in meinem Garten. Falterfreundlich gärtnern mit den richtigen Pflanzen
Autor: Bruno P. Kremer
Haupt-Verlag, 2018
29,90 €

Wildbienenhelfer. Wildbienen und Blühpflanzen
Autoren: Anja Eder, Dirk Peters, Michael Römer
Verlag Tipp 4, 2017
39,90 €

Mein Garten summt. Ein Platz für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln
Autorin: Simone Kern
Franckh-Kosmos-Verlag, 2017
16,99 €

Mein Bienengarten: Bunte Bienenweiden für Hummeln, Honig- und Wildbienen
Autorin: Elke Schwarzer
Ulmer-Verlag, 2017
16,90 €

Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen. Leitfaden für Bau und Praxis – so gelingt’s
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pala-Verlag, 2017
19,90 €

Rasen und Wiesen im naturnahen Garten
Autorin: Ulrike Aufderheide
pala-Verlag, 2011
14 €

Stand: 16.06.2018, 00:00