Natürlicher Gehölzschnitt

Artgerecht geschnittener Spierstrauch in Wasserfallform

Natürlicher Gehölzschnitt

Von Sabine Krüger

Sträucher so zu schneiden, dass man es nicht sieht, das ist das Ziel des artgerechten Gehölzschnitts. Ein Kurs der VHS Bergisch Land mit Landschaftsarchitektin Yvonne Göckemeyer.

Natürlicher Gehölzschnitt

WDR 4 Drinnen und Draußen 02.11.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 01.11.2020 WDR 4

Download

Gehölze artgerecht schneiden

Immer häufiger sieht man unsachgemäß zu Kästen oder Kugeln zusammengestutzte Sträucher. Yvonne Göckemeyer klärt auf: gegen den "Hausmeisterschnitt" für naturgemäßen Rückschnitt!

Yvonne Göckemeyer neben einer Weide

"Artgerechter Gehölzschnitt ist, wenn man nach dem Schnitt nicht sieht, dass geschnitten wurde und wenn die natürliche Wuchsform der Pflanze erhalten bleibt", das möchte Landschaftsarchitektin Yvonne Göckemeyer in Ihrem Kurs der VHS Bergisch Land in Leichlingen vermitteln: "Das erreicht man dadurch, dass man nicht irgendwo kappt, sondern alte Äste ganz unten oder an einer Verzweigung rausschneidet."

"Artgerechter Gehölzschnitt ist, wenn man nach dem Schnitt nicht sieht, dass geschnitten wurde und wenn die natürliche Wuchsform der Pflanze erhalten bleibt", das möchte Landschaftsarchitektin Yvonne Göckemeyer in Ihrem Kurs der VHS Bergisch Land in Leichlingen vermitteln: "Das erreicht man dadurch, dass man nicht irgendwo kappt, sondern alte Äste ganz unten oder an einer Verzweigung rausschneidet."

Das Gegenteil von artgerechtem Schnitt ist der sogenannte "Hausmeisterschnitt", nach dem es, wie hier, eher so aussieht, als seien Aliens im Vorgarten gelandet. "Das ist Sachbeschädigung!", meint Yvonne Göckemeyer, "denn es gibt eine DIN-Norm, die sagt, ein Strauch muss nach seinem Wuchs geschnitten werden. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil Radikalschnitte der Pflanze viel Energie nehmen, Blüten abgeschnitten werden, sich keine Früchte bilden und dann auch Insekten und Vögel nicht mehr profitieren können."

Bevor die Landschaftsarchitektin zeigt, wie man es richtig macht, stellt sie ihr Lieblingswerkzeug vor. Weil sie ihre Wege mit dem Fahrrad macht, muss es nicht nur gut schneiden, sondern auch leicht und klein sein, damit es in ihren Rucksack passt: "Das Sägeblatt der Säge lässt sich einschieben, die Astschere ist extrem leicht und die Gartenschere eines Schweizer Fabrikats lässt sich auseinanderbauen und jedes Einzelteil beim Hersteller nachbestellen, falls etwas kaputt gehen sollte."

Auf dem Weg zur Übungsfläche weist Yvonne Göckemeyer die Kursteilnehmer nochmals auf ein schlechtes Beispiel hin: "Das ist ein Spierstrauch, der eigentlich wie ein Wasserfall wächst und an den Spitzen blüht Und hier wird er leider immer in Kastenform geschnitten, sodass er nie zur Blüte kommt. Das ist extrem schade, weil Spiersträucher im Frühling richtiggehende Blüten-Feuerwerke sind."

Und so sieht die gleiche Strauchart aus, wenn sie artgerecht geschnitten wird. "Er hat sich zwar nicht an die Bücher gehalten, denn er soll maximal 1 Meter 50 hoch und breit werden. Die Höhe stimmt, die Breite nicht so ganz", schmunzelt Yvonne Göckemeyer, "aber man kann hier sehr gut die Wasserfall-Wuchsform erkennen."

Die Landschaftsarchitektin lässt den Strauch in ihren Kursen nur dann schneiden, wenn er über den Weg wächst. Ist das der Fall, werden die Äste, die zu lang geworden sind, ganz unten rausgeschnitten. Sie schiebt Äste beiseite, damit die Gruppe die bodennahen Stumpen der Vorjahresschnitte erkennen kann. Da im Moment kein Ast über den Weg ragt, muss auch nicht geschnitten werden.

Um die Ecke stehen Aroniasträucher. Die sollen die Kursteilnehmer nun auslichten, damit die Rosen davor wieder mehr Licht bekommen. Gelernt haben sie, alte Äste, die man daran erkennt, dass sie dicker und dunkler sind, unten oder an einer Gabelung rauszuschneiden. Der Schnitt an einer Gabelung leitet die Energie der Pflanze in den verbliebenen Ast. Das lenkt die Wuchsrichtung und verhindert, dass der Strauch nach dem Schnitt umso mehr austreibt.

Weil beim Rückschnitt alte Äste an der Basis rausgeschnitten werden, liegen dann schon mal drei Meter lange Kaventsmänner am Boden, die für den Abtransport zerkleinert werden müssen. Diese Kursteilnehmerin testet Yvonne Göckemeyers Astsäge: "Ist schon toll, das Teil!", sagt sie anerkennend, "aber für Dünneres komme ich mit meiner Discounterschere auch ganz gut klar."

An anderer Stelle arbeiten Kursteilnehmer mit Yvonne Göckemeyers Astschere. Das klappt sehr gut und sie sind davon begeistert, wie leicht das Werkzeug tatsächlich ist.

Am Ende des Kurses sind die Aroniasträucher sehr gut ausgelichtet und, wer wollte, konnte sich noch Stecklinge mitnehmen: "Einfach ein Stück Holz von zehn bis fünfzehn Zentimetern Länge an einer schattigen bis halbschattigen Stelle in den Boden stecken! Wenn der Boden über fünf Grad hat, findet Wurzelbildung statt, sodass die Sträucher jetzt noch wurzeln und im Frühjahr dann einen Wachstumsschub bekommen", erklärt Yvonne Göckemeyer.

Lesetipps

Der sanfte Schnitt. Schonend schneiden im Naturgarten. Obstbäume, Rosen, Wildgehölze und mehr
Autorin: Ulrike Aufderheide
pala Verlag, 2018
16 €

Geheimnisse der Hecken. Heilkraft, Mythen und Kulturgeschichte unserer Sträucher
Autor: Rudi Beiser
Ulmer Verlag 2019
29,95 €

Hecken. Lebensräume in Garten und Landschaft. Ökologie, Artenvielfalt, Praxis
Autor: Uwe Westphal
Illustratorin: Margret Schneevoigt
pala Verlag, 2015
16 €

Wildobst. Schlehe, Hagebutte und Co. für meinen Garten
Autorin: Ina Sperl
Ulmer Verlag, 2016
24,90 €

Stand: 31.10.2019, 09:32