Natürliche Adventsfloristik selbstgemacht

Adventskranz mit Birkenrinde, Kiefernnadeln und Zapfen

Natürliche Adventsfloristik selbstgemacht

Von Sabine Krüger

Für weihnachtliche Stimmung im Haus sorgt die passende Deko. Viel schöner als gekaufte sind selbst gemachte Adventsgestecke und -kränze. In der VHS Oberberg kann man es lernen.

Natürliche Adventsfloristik selbstgemacht

WDR 4 Drinnen und Draußen 30.11.2019 02:11 Min. Verfügbar bis 29.11.2020 WDR 4

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Weihnachtliche Gestecke und Kränze handgemacht

Floristmeisterin Christiane Roth lässt sich für ihren Adventsschmuck in der Natur inspirieren. Die Kurse in ihrem kleinen Atelier schaffen eine heimelige und kreativ-anregende Atmosphäre.

Floristmeisterin Christiane Roth mit einem ihrer Adventskränze am Gartentisch

Noch wirkt der Garten an Christiane Roths liebevoll renoviertem typisch-bergischem Fachwerk-Häuschen eher herbstlich. Ideal, um sie und einen Ihrer Adventskränze in wunderbares Licht zu setzen. Ihr Atelier ist ein Gartenhäuschen in einem landschaftlich schön gelegenen Ortsteil von Nümbrecht. In diesem Setting gerät der Kreativkurs zur kleinen Wellness-Auszeit.

Noch wirkt der Garten an Christiane Roths liebevoll renoviertem typisch-bergischem Fachwerk-Häuschen eher herbstlich. Ideal, um sie und einen Ihrer Adventskränze in wunderbares Licht zu setzen. Ihr Atelier ist ein Gartenhäuschen in einem landschaftlich schön gelegenen Ortsteil von Nümbrecht. In diesem Setting gerät der Kreativkurs zur kleinen Wellness-Auszeit.

Die 56-jährige Christiane Roth ist Floristmeisterin. Die sechs Teilnehmerinnen, die ihren Kurs über die VHS Oberberg gebucht haben, lernen also bei einer ausgewiesenen Fachfrau. Das sieht man auch an diesem professionell gestalteten Adventskranz aus Naturmaterialien, der als Beispiel dient: ein mit Moos ummantelter Kranz mit Birkenrinden-Deko, Kiefernzweigen und –zapfen, mit Flechten bewachsenen Obstbaumzweigen, getrockneten Orangenscheiben und kleinen Christbaumkügelchen.

Die 30-jährige Anne Selhorst ist Wiederholungstäterin: Dieses Jahr hat sie wieder ihre Mutter Margarete Selhorst (57 Jahre) und ihre Freundin Anne L’Habitant (30 Jahre) zum Kurs mitgebracht. Die beiden jungen Frauen wollen jeweils einen Kranz machen. Anne Selhorst hat sich einen Strohrömer mit 35 cm Durchmesser gegriffen, der schon mit einem grünen Kranzvlies umwickelt war. Daran bindet sie nun – "in Leserichtung" von links nach rechts – Moosplatten, und zwar mit dünnem Myrthendraht.

Eine andere Kursteilnehmerin umwickelt ihren "Römer", so heißen die Basiskränze, die entweder aus Stroh oder aus Styropor sind, mit kardierter Wolle. Weil Christiane Roth auch Filzkurse leitet, ist sie mit einer Kardiermaschine ausgestattet: eine Walze, auf der die Fasern zu einem vliesartigen Flor verarbeitet werden. Das weiße Textil, das an Schnee erinnert, hat interessante orange- und beigefarbene sowie blaue Einschlüsse.

Margarete Selhorst hat sich für ein natürliches Tischgesteck auf der Basis einer langen Rinde entschieden. Damit die Teelichter nicht in der Deko versinken, hat sie mit Myrthendraht umwickelte Mooskugeln auf die Rinde genagelt. Zuvor hat sie unter die Gläser für die Teelichter eine Halterung montiert. Christiane Roth hat ihr gezeigt, wie.

"Pinholder" heißen die grünen Plastiktellerchen mit den vier Füßchen dran. Sie werden mit Knetmasse von der Rolle an den Gläsern für die Teelichter befestigt. So können diese fest in die auf die Rinde genagelten Moospolster gesteckt werden. "Ich vermeide Plastik, wo es geht. Aber in diesem Fall geht Sicherheit vor", sagt Christiane Roth. "Beim Dekorieren bitte auch darauf achten, dass von Kerzen ein Sicherheitsabstand eingehalten wird!"

Tochter und Mutter diskutieren, welche Zweige sich am besten für die Deko der Rinde eignen und wie sie angeordnet werden sollten. Das Tischgesteck soll später den Esstisch zieren. Es wird also von allen Seiten betrachtet werden. Daher empfiehlt Christiane Roth eine schmale Gestaltung, die sich an der Rindenform orientiert, aber immer wieder auch zu allen Seiten etwas überhängen darf.

"Gestaltung ist ganz viel Ausprobieren: Nicht gleich alles festmachen, sondern erst arrangieren und von verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Erst dann andrahten oder festkleben!", so der Rat der Fachfrau. "Und immer vom Groben ins Feine arbeiten. Also als erstes die dominantesten Deko-Elemente platzieren!" Bei Margarete Selhorst sind das mit Flechten bewachsene Obstzweige, die sie erst mit der Klebepistole anklebt, als sie ganz sicher ist, wo sie hinsollen.

Andere Zweige müssen angedrahtet werden. Die Floristmeisterin erklärt, wie es geht: "Zunächst einen Draht in U-Form biegen. Dann dieses U auf den Ast legen, das lange Ende hinten anfassen und unter Spannung zwei-, dreimal um den Ast drehen. Dann die beiden Drahtenden auf gleicher Länge kappen. Damit kann man den Ast dann in eine Steckmasse stecken. Das ist die sogenannte Gabeldrahtung."

Die anderen Kursteilnehmerinnen, die Kerzen auf ihren Kränzen befestigen müssen, halten mit einer Zange Kerzendraht in eine Flamme, um das untere Ende zu erwärmen. Dieses untere Ende dann, ebenfalls mit der Zange, ungefähr einen Zentimeter tief in die Kerzen stoßen. "Für typische Kranzkerzen drei Drähte im Dreieck angeordnet einstecken", so der Sicherheitshinweis.

Und so sieht der erste fertige Kranz aus: vier türkisfarbene Kerzen thronen auf dem Römer, der mit Moos, Thuja, flechtenbewachsenen Obstzweigen, Zapfen, Blättern, Früchten der Baumhasel, Sternen und weißen Christbaumkügelchen verziert wurde. Blickfang ist das rost-orangefarbige Metall-Rentier.

Auch diesen Kranz ziert ein Metall-Rentier. Hier wurden aber rosafarbene Kerzen verwendet. Es dominieren die verschiedenen Grüntöne der Koniferen und Moose sowie die unterschiedlichen Formen der Zapfen. Christiane Roth steuert noch einen Tipp bei: "Beim Aufstellen des Kranzes auch die Dochte der Kerzen aufstellen, das sieht lebendiger aus!"

Und das wurde aus dem Römer, der mit der Wolle umwickelt wurde: Auf der Wolle hat die Kursteilnehmerin noch Birkenrinde befestigt, mit silbrig-glänzendem Myrthendraht. Das ist der einzige Kranz mit hohen schlanken Kerzen, die in diesem Jahr Trend sind, aber sehr gut befestigt werden müssen. "Sicher und stimmig, das ist mein Credo für Adventskränze", so Christiane Roth.

"Stimmig", das heißt für Anne Selhorst reduzierte Gestaltung. Die silbrig-farbigen Kerzen in zwei verschiedenen Größen hatte sie selbst mitgebracht. Auf den Ast mit den schwarzen Hagebutten, der als dominantes Gestaltungselement vor den Kerzen quer liegt, hatte sie schon zu Beginn des Kurses ein Auge geworfen. Auch Moos sollte unbedingt dabei sein. Zum Schluss kamen die silbrigen Blätter und die Sterne dazu.

Ihre Freundin Anne L’Habitant ist auch total "happy" mit ihrem Werkstück. "Am Anfang war ich ein bisschen orientierungslos, aber Schritt für Schritt wurde der Kranz genau zu dem, was ich mir vorgestellt hatte!" Ein besonderer Glücksfall ist das Kerzenpodest aus Holz: Das Stammstück, das Christiane Roth im Wald gefunden hatte, ließ sich haarscharf in das Kranzinnere pressen.

Auch Margarete Selhorst präsentiert ihr Adventsgesteck strahlend: Zweige mit Flechten von einem umgestürzten Apfelbaum, Magnolienzweige, Kiefernzweige, Zapfen, Holzsterne und türkisfarbene Weihnachtskugeln. Vieles wurde in Mooskügelchen gesteckt. Christiane Roth weist darauf hin, dass keinesfalls geschützte Moosarten verwendet werden dürfen. Sie selbst hat für den Kurs behutsam das nicht geschützte Lappenmoos gesammelt. Von der Vielfalt der entstandenen Werkstücke ist sie begeistert.

Lesetipps

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Stand: 28.11.2019, 10:25