Mähen mit der Sense

Eine Sense wird mit einem Wetzstein gewetzt

Mähen mit der Sense

Von Sabine Krüger

Ein eleganter Hüftschwung beeindruckt nicht nur auf der Tanzfläche, sondern auch beim Mähen mit der Handsense. Stefan Markel hat mit seiner Sensenschule den Bogen raus.

Mähen mit der Sense

WDR 4 Drinnen und Draußen | 19.05.2018 | 02:21 Min.

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Mit der Sense den Bogen raus haben

Mähen mit der Handsense will gelernt sein. Stefan Markel zeigt es gerne mit seiner fahrenden Sensenschule. Zum Beispiel in Kursen auf dem Gut Leidenhausen in Köln-Porz.

WDR 4 Drinnen und Draußen: Mähen mit der Sense

Stefan Markel, ursprünglich Anwalt, führte sein Sabbatjahr zu notleidenden Bauern nach Südtirol. Dort mussten die Wiesen gemäht werden, in Hanglage, von Hand. "Ich war Städter, habe 35 Jahre lang in Köln gelebt und konnte das natürlich nicht. Aber es hat viel Spaß gemacht mit all den Leuten", erinnert er sich. Heute leitet er seine Sensenschule, und Jack-Russel-Terrier Lucy ist immer mit von der Partie.

Stefan Markel, ursprünglich Anwalt, führte sein Sabbatjahr zu notleidenden Bauern nach Südtirol. Dort mussten die Wiesen gemäht werden, in Hanglage, von Hand. "Ich war Städter, habe 35 Jahre lang in Köln gelebt und konnte das natürlich nicht. Aber es hat viel Spaß gemacht mit all den Leuten", erinnert er sich. Heute leitet er seine Sensenschule, und Jack-Russel-Terrier Lucy ist immer mit von der Partie.

Damit das Sensen gut klappt, braucht es die passende Sense. Sensenbäume, also die Stiele, gibt es aus Holz, aber auch aus Metall. "Die einfachste Form ist ein Ast mit einem Quertrieb, an dem man sich festhalten kann. Alles andere ist Luxus. Aber warum nicht Luxus, wenn man sich die Arbeit damit erleichtert?", meint Stefan Markel.

Ein Sensenbaum sollte grundsätzlich 15-20 cm kürzer sein als die eigene Körpergröße. Besonders praktisch sind die variabel verstellbaren Sensenbäume. Der untere Griff wird auf der Höhe des Drehpunkts angebracht, also zwischen Bauchnabel und Hüfte. Bei den variablen Sensenbäumen kann auch die Richtung der Griffe verstellt werden.

"Der richtige Abstand zwischen unterem und oberem Griff ist die Länge des eigenen Unterarms plus 5-10 Zentimeter", erklärt Stefan Markel. Mit diesen Informationen sollen sich die Kursteilnehmer einen Sensenbaum aussuchen und anpassen. Die meisten entscheiden sich für die Variablen aus Holz. Los geht’s an die Inbusschlüssel!

Dann braucht es natürlich noch ein Sensenblatt. Die gibt es auch von vielen verschiedenen Herstellern und in unterschiedlichsten Längen und Breiten. Je nachdem, was gemäht werden soll: eine Wiese oder Wildwuchs oder gar kleine Bäume im Forst. Da die Übungsfläche eine unebene Obstwiese ist, empfiehlt Stefan Markel kürzere Blätter von circa 50 bis 60 Zentimeter Länge.

Bei Sensenblättern ab 50 Zentimetern muss man noch darauf achten, dass man sie im richtigen Winkel anbringt. Das erleichtert die Arbeit. Dazu legt man das Sensenblatt an seinem Bart (hinterer Teil des Blatts) an einer Mauer an und markiert die Höhe.

Dann bewegt man die Sense bis zur Spitze an der Mauer entlang und markiert auch diese Höhe. Endet die Spitze des Blatts, wie hier, etwa drei Zentimeter unter dem Bart, ist der Winkel für ein 50-Zentimeter-Blatt ideal. Passt das nicht, sollte man den Winkel korrigieren.

Kursteilnehmerin Monika Sürig möchte in ihrem großen Garten eine Wildblumenwiese anlegen. Die wird sie dann mit der Sense mähen, auch weil das bienenfreundlich ist. Wenn Sense, Körperhaltung und Gewichtsverlagerung stimmen, braucht man gar nicht viel Kraft zum Sensen. "In den Dörfern machen das ja oft die alten Leute, nicht, weil sie Kraft haben, sondern weil sie es können", ermutigt Stefan Markel.

Beim Mähen wird die Sense immer ein bisschen verbogen. Um das wieder zurechtzubiegen, wetzt man zwischendurch mit dem Wetzstein. Allerdings besser mit Arbeitshandschuhen! Man wetzt sowohl die Rück- als auch die Vorderseite. Und zwar ohne Kraft, ungefähr parallel zur Biegung der Sense, also in vielen kleinen diagonalen Bögen, das ganze Sensenblatt entlang.

"Etwas in die Knie gehen, bequem breitbeinig stehen, nach vorne schauen. Rechtshänder verlagern das Gewicht auf das rechte Bein. Die Sense liegt mit der Hamme, dem Verbindungsstück von Baum und Blatt, auf dem Boden auf. Und dann zieht man einen Bogen von rechts nach links. Das Sensenblatt wird so circa acht bis zehn mm über dem Boden entlang geführt", erklärt Stefan Markel. Bei Teilnehmer Sebastian Hamm klappt das schon sehr gut.

Wie das einfache Schärfen mit dem Dengel-Bengel geht, zeigt Stefan Markel auch noch. Dengeln nur mit dem Hammer ist eine Handwerkskunst und muss präzise ausgeführt werden. "Sehr hilfreich ist da, dass vor circa 200 Jahren ein Engländer diesen Schlagdengel erfunden hat, oder auch Dengel-Bengel", so Markel. Die Vorrichtung sorgt dafür, dass das Sensenblatt mit dem Hammer im richtigen Winkel bearbeitet wird. Das Blatt einführen, gerade halten und leicht hämmern!

Schon nach eineinhalb Stunden, zur Mittagspause mit Kaffee und Kuchen, hat die Gruppe die halbe Wiese gemäht. Stefan Markel ist begeistert. "Vier der fünf Teilnehmer sind absolute Anfänger. Und dazwischen habe ich ja auch noch erklärt. Das ist enorm schnell", freut sich der Kursleiter.

Und das ist die fixe Truppe: Angela Filz, Monika Sürig, die Zwillingsbrüder Sebastian und Christian Hamm, dahinter Alexander Stapel und vorne Kursleiter Stefan Markel mit Lucy. Die Pflaster, die Lucy in ihren Seitentaschen dabei hatte, wurden übrigens nicht gebraucht. Und alle wollen unbedingt dran bleiben am Mähen mit der Sense.

Lesetipps

Das Sense-Handbuch: Richtig dengeln, wetzen, mähen und ernten
Autor: Ian Miller
Haupt Verlag, 2017
26 €

Einfach mähen mit der Sense.  Anleitungen und Benutzungshinweise
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10,95 €

Rasen und Wiesen im naturnahen Garten. Neuanlage, Pflege, Gestaltungsideen
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Stand: 19.05.2018, 00:00