Leuchtender Herbst im Botanischen Garten in Düsseldorf

Die Herbstsonne bringt Früchte und Blätter der Mispel zum Strahlen

Leuchtender Herbst im Botanischen Garten in Düsseldorf

Von Sabine Krüger

Nochmal so richtig im bunten Herbst schwelgen – das können Sie bei unserem Rundgang durch den Botanischen Garten Düsseldorf.

Herbstbunte Blätter und Blüten

Gelb, Orange, Braun, Rot: Die Bäume machen sich wieder schick. Und auch am Boden gibt es noch ein paar bunte Blüher. Der Botanische Garten Düsseldorf feiert den Herbst.

Freilandmeister Jan-Philipp Uerlings

Jan-Philipp Uerlings ist Freilandmeister im Botanischen Garten Düsseldorf und führt 25 Pflanzenfreunde zu den Herbst-Highlights. Wenn er in einem kleinen Garten nur Platz hätte für ein Gehölz mit schönem Herbst-Aspekt, würde er sich für die Eichenblättrige Hortensie entscheiden. "Die wird höchstens drei Meter hoch. Und das für eine Hortensie unübliche geschlitzte Laub verfärbt sich rot, passend zu den braunen Rispen der vormals weißen Blüten“, so Uerlings.

Jan-Philipp Uerlings ist Freilandmeister im Botanischen Garten Düsseldorf und führt 25 Pflanzenfreunde zu den Herbst-Highlights. Wenn er in einem kleinen Garten nur Platz hätte für ein Gehölz mit schönem Herbst-Aspekt, würde er sich für die Eichenblättrige Hortensie entscheiden. "Die wird höchstens drei Meter hoch. Und das für eine Hortensie unübliche geschlitzte Laub verfärbt sich rot, passend zu den braunen Rispen der vormals weißen Blüten“, so Uerlings.

Ähnlich warm leuchtet der Kaki-Baum (Diospyros kaki). "Sein Laub ist deshalb besonders schön, weil es verschiedene Rottöne ausbildet. Und die satt-orangefarbenen Früchte hängen bis in den Winter hinein noch am Baum und bringen so Farbe in den Garten", schwärmt der Gärtner. Pflücken ist übrigens verboten, denn nachfolgende Besucher sollen das strahlende Orange ja auch noch genießen können.

Noch knalliger Gelb-Orange-Rot leuchtet das Blätterwerk des Tupelobaumes (Nyssa sylvatica). Er kommt aus dem atlantischen Nord-Amerika, also aus der Region vom Hudson bei New York City bis zum Mississippi. Damit der Baum bei uns genauso strahlt wie im amerikanischen Indian Summer hat Jan-Philipp Uerlings einen Tipp: "Ins Pflanzloch ein bisschen Kies reingeben für eine gute Drainage, sodass der Baum trockener steht; das intensiviert die Herbstfärbung."

Die gelbe Mispelfrucht strahlt mit der Herbstsonne um die Wette. Jan-Philipp Uerlings mag ihr Herbstlaub besonders gerne, "weil es verschiedene Farbnuancen von Gelb, Orange und Grün zeigt." Sie stammt ursprünglich aus Westasien, ist inzwischen aber in Westeuropa gut verbreitet. Die Früchte haben ein sehr saures, fruchtiges Aroma, brauchen aber etwas Frost: "Da kann man tolle Marmeladen und Gelees draus machen", so Uerlings.

Von Grün zu Orange-Braun verfärben sich die Nadeln der Sumpf-Zypressen, die sie im Winter zusammen mit kleinen Ästen abwirft. "Mit der abblätternden rötlichen Borke auch ein schönes Bild", findet der Gärtner. Sumpf-Zypressen kommen unter anderem im Marschland der Everglades im Süden Floridas vor. Näher für uns: dieser Baum im Botanische Garten Düsseldorf und ein besonders schönes und altes Exemplar im Park von Schloss Dyck.

Das knallig orange- bis burgunderrote Laub des Schlitzahorns ist ein echter Herbst-Klassiker. "Und wenn er im Frühjahr austreibt, hat er wunderschöne Knospen, die leicht filzig aussehen. Vom Wuchs her ist er ein Kleinbaum, weil er nicht so hoch wird, aber er braucht Platz in die Breite", warnt Jan-Philipp Uerlings. Er wünscht sich, dass der Ahorn in den Gärten seine urwüchsige Form ausleben darf.

Als Unterpflanzung für den Ahorn bietet sich diese Segge an (Carex hachijoensis Evergold). Ihr rahmgelber, breiter Mittelstreifen wird von einem Dunkelgrün gesäumt, das sehr gut mit dem Burgunderrot der gefallenen Ahornblätter harmoniert. Wer hätte gedacht, dass "Unordnung" im Garten so elegant aussehen kann?

Das Rot der Ahornblätter findet sich auch in diesem Bodendecker wieder, dem Chinesischen Bleiwurz. Die zunächst bräunlich-grünen, dann grünen Blätter verfärben sich im Herbst rot, dazu blühen von August bis Oktober enzianblaue Blüten. Der Bleiwurz liebt trockene Standorte. "Allerdings braucht man im Frühjahr etwas Geduld, weil die Pflanze spät austreibt", so Uerlings.

Auch eine traumhafte Herbst-Kombination: tiefrosa blühender Knöterich (Persicaria), der giftige, aber wunderschön violette Eisenhut und dahinter das Japanische Blutgras mit seinen bordeauxroten Spitzen. Sowohl das Gras als auch der Knöterich nähmen zwar gut Fläche ein, wucherten aber nicht, so Uerlings. Ideal also, um schön gestaltet Unkraut zu unterdrücken. Dagegen kann der Sommer fast einpacken.

Ein wunderbarer Herbstlichtfänger ist auch das helle China-Schilf im Hintergrund. Hier umspielt von einem purpurfarbenen Teppich der Hohen Fetten Henne (Sedum telephium Herbstfreude). "Hat leider den Nachteil, dass die Pflanzen bei sehr nährstoffreichen Böden hoch wachsen und auseinanderbrechen", warnt der Gärtner. Deshalb entweder den Boden mit Sand und Kies abmagern oder stützende Nachbarn, wie das China-Schilf, daneben setzen.

Genauso wie die Fette Henne ist auch der Asiatische Herbst-Steinbrech (Saxifraga cortusifolia), mit weißen Sternblüten und einer roten Blattunterseite, eine späte Bienenweide. Im Botanischen Garten Düsseldorf besiedelt er eine halbschattige Senke, in der es lebhaft summt. Rundgangs-Teilnehmerin Gudrun Lang aus Benrath ist hingerissen: "Den möchte ich haben!"

Zum Ende des Rundgangs steht die Sonne schon tief und bringt das bunte Laub dieser Rotbuche zum Strahlen. Jan-Philipp Uerlings möchte die Teilnehmer auch von den Vorteilen der Laubdecke am Boden überzeugen: "Wenn man das Laub liegen ließe, hätte man einen braunen Teppich, in dem im Frühjahr dann das grüne Gras und beispielsweise Schachbrettblumen durchschimmerten – sehr schön!"  

Leuchtender Herbst

WDR 4 Drinnen und Draußen | 28.10.2017 | 02:34 Min.

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So verfärbt sich das Laub

In diesem Jahr hat sich das Laub der Bäume früh verfärbt. In den Botanischen Gärten lässt sich das Schauspiel besonders variantenreich genießen, da hier auch exotische Bäume stehen. Bei seiner Führung im Botanischen Garten Düsseldorf erklärt der Gärtner Jan-Philipp Uerlings, wie es zur Herbstfärbung kommt: "In den grünen Blättern ist der grüne Farbstoff Chlorophyll, der für die Fotosynthese der Pflanzen wichtig ist. Und dieser grüne Farbstoff wird jetzt abgebaut. Die Nährstoffe daraus werden dann im Stamm eingelagert. Das heißt, die Pigmente Rot, Orange, Gelb, Violett sind vorher auch schon in den Blättern vorhanden. Nur sieht man sie nicht, weil dieser grüne Farbstoff sie überlagert."

Deshalb werfen Bäume ihr Laub ab

Mit dem Abwerfen des Laubs im Herbst, bereiten sich die Bäume auf den frostigen Winter vor, erläutert Jan-Philipp Uerlings. Im Frühjahr und Sommer ziehen grüne Blätter Nährstoffe aus dem Boden. Wenn aber im Winter der Boden gefroren sei, könnten Bäume über die Wurzeln kein Wasser mehr nachziehen. Über das Laub verdunsten Bäume Wasser. Indem Bäume im Herbst also ihr Laub abwerfen, vermeiden sie Wassermangel bei Frost. "Wann die Bäume damit anfangen, hängt von den Temperaturen ab, von den Lichtverhältnisse und den Phytohormonen in den Pflanzen", so der Gärtner. Phytohormone sind Botenstoffe, die die Entwicklung von Pflanzen steuern.

Gefallenes Laub auch mal liegen lassen!

Die Rotbuche ist in unseren Wäldern einer der häufigsten Bäume. "Rotbuchen bekommen eher ein bräunliches Laub, welches im Winter aber oft auch teilweise hängenbleibt, manchmal sogar bis ins Frühjahr noch während des Neuaustriebs. Manche mögen braunes Laub ja nicht, aber die Natur macht ja nichts unnütz", meint Uerlings. Er hat auch viel für das gefallene Laub übrig. Es bietet Insekten und Igeln Unterschlupf. "Und wenn im Frühling dann das grüne Gras und eventuell gepflanzte Schachbrettblumen oder Krokusse durchschimmern, ist das sehr schön," so Jan-Philipp Uerlings‘ Empfehlung. Rundgangs-Teilnehmerin Gudrun Lang nimmt es sich zu Herzen. Sie wird im Garten künftig nicht mehr alles so ordentlich aufräumen.

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Stand: 28.10.2017, 00:00