Lebendiges Totholz

Ein Holzstamm mit Pilzen und Löchern an der Außenseite

Lebendiges Totholz

Von Sabine Krüger

Totholz ist Lebensraum für Käfer, Insekten und Vögel. Und das nicht nur im Wald, sondern auch in unseren Gärten. Wir zeigen, wie es zweckmäßig und schön eingesetzt werden kann.

Lebendiges Totholz

WDR 4 Drinnen und Draußen 23.11.2019 02:17 Min. Verfügbar bis 22.11.2020 WDR 4

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Totholz – Nahrungsquelle, Wohnraum und Arena

Spechte picken Larven aus toten Stämmen, bauen ihre Bruthöhlen darin und trommeln darauf, zur Revierverteidigung. Stehendes und liegendes Totholz bereichert auch die Gärten.

Johannes Schürmann legt Weidenäste zwischen Holzpflöcke

Johannes Schürmann wünscht sich mehr lebendige Naturgärten. Deshalb engagiert er sich im Naturgartenverein und war auch vor zehn Jahren bei der Gründung der Naturarena in Wesel-Bislich dabei. Die hat der Verein zusammen mit der NABU Kreisgruppe Wesel auf einem 8.000 qm großen Gelände angelegt. Dazu gehört auch ein 100 qm großer Totholzgarten, in dem er bei einem Rundgang demonstriert, wie man eine Benjeshecke anlegt.

Johannes Schürmann wünscht sich mehr lebendige Naturgärten. Deshalb engagiert er sich im Naturgartenverein und war auch vor zehn Jahren bei der Gründung der Naturarena in Wesel-Bislich dabei. Die hat der Verein zusammen mit der NABU Kreisgruppe Wesel auf einem 8.000 qm großen Gelände angelegt. Dazu gehört auch ein 100 qm großer Totholzgarten, in dem er bei einem Rundgang demonstriert, wie man eine Benjeshecke anlegt.

Die Benjeshecken, die den Totholzgarten umzäunen, sehen recht wild aus, aber im eigenen Garten kann man das auch schlanker und ordentlicher gestalten. "Dann kann auch der Nachbar nicht meckern", meint Johannes Schürmann. Das Prinzip: Zwischen zwei Reihen Holzpflöcke wird Astschnitt aus dem Garten gestapelt. Damit kann man verschiedene Gartenräume voneinander trennen und Vögel und Igel verstecken sich gerne darin.

"An diesem Klotz kann man erkennen, wie die Verrottung von Totholz beginnt, denn zuerst kommen die Pilze. Die sind auch schon da, wenn man sie noch gar nicht sieht. Das ist der Fruchtkörper des Pilzes, wenn er später nach außen wächst. Die Pilze machen es erst möglich, dass Kellerasseln oder Tausendfüßler das Holz bearbeiten können", erklärt Schürmann.

Ein paar Schritte weiter stehen tote Baumstümpfe auf dem Boden. Es sind Teile eines alten Birnbaums. Im Garten können sie als Sitzplatz dienen. Johannes Schürmann möchte den Rundgangsteilnehmern aber vor allem den ökologischen Wert dieses Totholzes zeigen. Er fordert sie auf, die Stümpfe anzuheben und drunter zu schauen.

Zum Vorschein kommt ein schwarzer Käfer, der sofort versucht, sich einzugraben. Die hellere Struktur rechts vom Käfer auf dem Foto ist der sogenannte Mulm. Mulm ist von Tieren, Bakterien, Pilzen abgebautes lockeres, erdartiges Holz im Stamm. Viele Käferarten, wie zum Beispiel der Hirschkäfer, brauchen für ihre Entwicklung große Mengen Mulm – und das über viele Jahre.

Johannes Schürmann setzt den Käfer auf seine Hand, damit die Gruppe ihn besser betrachten kann. Entweder handelt es sich um ein Hirschkäferweibchen oder um einen Balkenschröter. Beide sehen sich sehr ähnlich: Der Balkenschröter ist kleiner und wird auch "Kleiner Hirschkäfer" genannt. Hirschkäfer sind sehr selten, aber ihr größtes Vorkommen in Nordrhein-Westfalen liegt im benachbarten Diersfordter Wald.

Auch solche einfachen Haufen aus verschiedenen toten Holzarten sind sehr nützlich: "Egal, ob sie im Schatten oder in der Sonne liegen, es profitieren immer verschiedene Tiere. Eine Wespe habe ich eben schon gesehen, die sich Holz geholt hat. Ein größeres Loch zeugt davon, dass sich auch ein Specht bedient hat. Im Sommer sitzen zudem gerne Schmetterlinge auf den erwärmten Stämmen", so Schürmann.

Das Sandarium hat das Team im letzten Jahr neu angelegt. Dreiviertel aller Wildbienenarten nisten im Boden, weshalb solche Sandflächen ganz besonders wichtig sind. Totholz kommt hier zum Einsatz als Begrenzung der Fläche zum Weg und in Wällen aus Wurzeln und Stämmen. Die sind, zusammen mit den Steinen, prima Verstecke für Eidechsen. Und Johannes Schürmann entdeckt einen vorbeihuschenden Sandlaufkäfer.

Auf der zweiten, sich anschließenden Sandfläche der Naturarena in Wesel-Bislich steht dieses tote Nisthilfen-Bäumchen. "Das war ein Geschenk eines Besuchers, der es für die Wildbienenarten gebaut hat, die zum Brüten markhaltige Stängel brauchen, die senkrecht stehen", erklärt der Naturgarten-Freund.

"Bei manchen kann man auch sehen, dass sie von den Wildbienen ausgehöhlt, also benutzt wurden", freut sich Johannes Schürmann.

Staketenzäune aus Kastanienholz sind ebenfalls für Wildbienen interessant. "Man sieht, dass auch da kleine Löcher drin sind: Hornissen, Wespen und Wildbienen kratzen für ihren Nestbau das Holz vom Zaun. Zugegebenermaßen sind Kastanienzäune nicht billig, sie kosten circa fünf Euro pro Meter, aber dafür gehört die Kastanie zu den langlebigsten Hölzern", so Schürmann.

Aus Totholz kann man natürlich auch Zäune flechten. Wer also Astschnitt von der Haselnuss oder der Weide übrig hat, kann damit sehr schöne Beetbegrenzungen herstellen. "Wenn Sie direkt die frischen Schnittreste verarbeiten und die Abstände zwischen den Pflöcken groß machen, müssen Sie die Ruten noch nicht einmal vorher einweichen", empfiehlt der Naturgärtner. Wer keine eigenen Weiden hat, hilft den Umweltverbänden beim Schnitt der Kopfweiden und darf die Reste mit nach Hause nehmen.

Hier begrenzt ein dicker Totholzstamm das Schmetterlingsbeet auf der Naturarena in Wesel-Bislich: Lebensraum für jede Menge Krabbeltiere. Im Schmetterlingsbeet wachsen Pflanzen, die es nährstoffarm, trocken und warm lieben, also sogenannte Gewinner des Klimawandels. Dazu gehören unter anderen der Hasenklee, die Kartäusernelke, der Wiesensalbei und die Moschusmalve.

"Problematisch für uns Naturgärtner sind oft Nachbarn, denen unsere Gärten zu unordentlich sind. Mit so einer Totholz-Pyramide bieten Sie den Tieren verschiedene Totholzarten an und das Gebilde ist so ordentlich, dass niemand etwas dagegen haben kann", schmunzelt Schürmann. "Vom längsten Stamm sollte ein Drittel im Boden versenkt sein. Die anderen werden eng in das 40 Zentimeter tief ausgehobene Loch daneben gepresst und die Lücken mit Holzhäcksel gefüllt, dann sollte alles stabil stehen".

Diese Stämme rechts im Bild zeigen, dass Totholz nicht nur ordentlich sein kann, sondern sogar künstlerisch wertvoll. Die bizarr geschwungenen Hölzer ragen aus dem Beet wie eine Skulptur hervor: "Wenn Sie hier mit Kindern langgehen, die sehen in den Hölzern die unterschiedlichsten Gestalten", lacht Johannes Schürmann. Übrigens: Totholz bitte nicht einfach mitnehmen, sondern vorher den Eigentümer fragen, also den Gärtner oder den Förster oder Kleinanzeigen danach durchforsten!

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Stand: 18.11.2019, 11:17