Einsatz für lebendige Hecken

Eine Amsel in einem Weißdornbusch

Einsatz für lebendige Hecken

Von Sabine Krüger

Grenzen im Garten und Stadtbild müssen nicht hässlich sein: Lebendige Hecken nützen Menschen, Pflanzen, Tieren und dem Klima. Der BUND Köln berät und sucht "Heckenbotschafter".

Einsatz für lebendige Hecken

WDR 4 Drinnen und Draußen 16.11.2019 02:19 Min. Verfügbar bis 15.11.2020 WDR 4

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Hecken für Mensch, Natur und Klima

Der BUND Köln möchte Metall- und Plastikzäune, Maschendraht und Gabionenmauern zurückdrängen. Für mehr Leben in Wildhecken, -sträuchern und -kräutern am Garten- und Wegesrand!

Gabriele Falk, Andrea Eßfeld und Thomas Fischer vor einer naturnahen Hecke

Lebendige Hecken liegen ihnen am Herzen: Gabriele Falk (hinten links) und Andrea Eßfeld (hinten rechts) sind ehrenamtlich für den BUND aktiv, und Thomas Fischer (vorne) leitet hauptamtlich die Kampagne "Heckenbotschafter werden". Dazu gehören Rundgänge zu Positiv- und Negativbeispielen von Hecken im Kölner Stadtbild. Die Hecke hinter und rechts von den dreien dient als naturnahes Vorbild.

Lebendige Hecken liegen ihnen am Herzen: Gabriele Falk (hinten links) und Andrea Eßfeld (hinten rechts) sind ehrenamtlich für den BUND aktiv, und Thomas Fischer (vorne) leitet hauptamtlich die Kampagne "Heckenbotschafter werden". Dazu gehören Rundgänge zu Positiv- und Negativbeispielen von Hecken im Kölner Stadtbild. Die Hecke hinter und rechts von den dreien dient als naturnahes Vorbild.

"Hecken bestehen aus einer Kernzone, einer Mantelzone und einer Saumzone", erklärt Gabriele Falk. Die Kernzone sind die Sträucher, wie hier hinter den dreien das im Foto abgebildete Pfaffenhütchen. Weitere wertvolle Sträucher für die Kernzone einer naturnahen Hecke wären: Schwarzer Holunder, Schlehe, Kornelkirsche, Faulbaum, Weißdorn, Gemeiner Schneeball, Roter Hartriegel, Weide und Gemeine Felsenbirne.

In der Mantelzone finden sich niedriger wachsende Sträucher, wie die Brombeere, und Wildstauden, wie die hier abgebildete Nachtkerze. Sie blüht erst in der Dämmerung richtig auf und lockt dann mit ihrem Duft Nachtfalter an und somit auch Fledermäuse, die sich von den Faltern ernähren. Weiterhin wachsen in der Mantelzone beispielsweise Wildrosen oder auch Brennnesseln.

Im Heckensaum wachsen noch niedrigere Wildstauden, wie beispielsweise der im Foto gezeigte Waldziest. Andrea Eßfeld liebt dessen wunderschöne Blüte und hat schon beobachtet, wie sich darauf zwei Große Gartenwollbienen gepaart haben. "Man kann so schöne Naturbeobachtungen in solchen Hecken machen!", schwärmt sie. Neben dem Waldziest wächst in diesem Heckensaum auch der Gundermann. "Daran darf sich im Garten dann gerne auch der Rasen anschließen, aber darin sollte auch mal ein Gänseblümchen, ein Ehrenpreis oder ein Löwenzahn stehenbleiben dürfen, die ebenfalls wertvoll sind für die Natur", meint Gabriele Falk.

Auf der Rückseite ihres Kleingartens in der Siedlung "Kletterrose" in Köln-Sülz konnte Andrea Eßfeld diesen zwei bis drei Meter langen Heckensaum vor dem Rasenmäher retten.

Gegenüber hat die Gruppe Blick auf ein Negativ-Beispiel: "Hier lebt nichts!", kommentiert Gabriele Falk den Plastik-behangenen Maschendrahtzaun.

"Naturnahe Hecke heißt nicht 'einfach wachsen lassen'!“, mahnt Gabriele Falk. Am öffentlichen Weg am Rand der Kleingartensiedlung wächst dieser Weißdorn. Ein Ast ist abgebrochen, ein anderer schießt weitgehend unbelaubt in den Weg. Früchte sieht man an diesem Strauch kaum.

Ein paar Schritte weiter kommt die Gruppe an einem behutsam beschnittenen Weißdorn vorbei. Prompt sitzt eine Amsel in seinem Geäst.

Ein Grund, weshalb sich die Amsel diesen Weißdorn als Sitzwarte ausgesucht hat, kann auch sein, dass dieser beschnittene Strauch weit mehr Früchte trägt als der wildwachsende weiter vorne.

Hier wurde auf die Rückseite des Maschendrahtzauns mit Plastikverkleidung eine Hainbuchenhecke gepflanzt. "Grundsätzlich ein guter Ansatz, aber die Hecke ist viel zu dünn und licht. Die bietet keinen Schutzraum für Vögel oder Säugetiere, wie Igel, Gartenschläfer oder Haselmaus", bemängelt Gabriele Falk.

Wenig später folgt das Positivbeispiel: Diese Hecke ist breit und dicht genug, um Vögeln und Säugetieren als Rückzugsort zu dienen. "Eineinhalb bis zwei Meter Breite sollten es schon sein", rät Falk.

Wie zum Beweis findet die Gruppe ein Vogelnest im dichten Geäst dieser Hainbuchenhecke. "Besser als exakt kastenförmig ist es übrigens, eine Hecke unten breiter und oben schmaler zu schneiden. Dann wird die gesamte Hecke von der Sonne beschienen, auch der untere Teil", empfiehlt Gabriele Falk.

Andrea Eßfeld bricht eine Lanze für das Efeu: "Efeu würgt Bäume nicht ab, das ist ein Irrtum. Im Gegenteil: Seine Blüten und Früchte sind sehr wertvoll für die Tierwelt, weil es dann blüht und fruchtet, wenn es sonst für die Tiere kaum noch etwas anderes zu holen gibt. Aber man sieht hier immer wieder brutal gekappte Efeuwurzeln."

"Diese Hecke wurde als Vogelschutzhecke ausgewiesen. Allerdings droht sie zu verbuschen, weil Ahornsämlinge nicht entfernt werden", bedauert Andrea Eßfeld. Gabriele Falk pflichtet ihr bei: "In naturnahen Hecken sollten ungefähr alle drei Meter auch höherwachsende Bäume stehen. Sie bilden einen schönen Abschluss nach oben, der Wind wird gebremst, sie bieten Schatten, sind Sitzwarten für Vögel. Aber wenn ein Baum dicht an dicht neben dem anderen steht, dann haben wir keine Hecke mehr, sondern Wald."

Wieder zurück am Ausgangspunkt, bei der Hecke rückwärtig zu Andrea Eßfelds Schrebergarten, zeigt sie, wie die Naturhecke mal ausgesehen hat: eine intakte Hecke mit wildem Heckensaum und davor eine Holzbank auf einem Rasen, in dem auch Wildkräuter wachsen durften. Von diesem Heckensaum ist heute nur noch ein kleiner Teil übrig, weil rundum gemäht wurde.

Die Bank ist nun aus Metall, die Fläche darunter versiegelt. "Das ist für den Klimaschutz nicht hilfreich", bedauert Gabriele Falk. Mit ihrem Projekt wollen die drei im Sinne der Natur und des Klimaschutzes sowohl Privatgärtner, Kleingärtner als auch die Stadt beraten. "Das Label 'StadtGrün naturnah', das Köln am 19. September 2019 verliehen bekommen hat, dürfte uns dabei helfen", hofft sie. "Bürger und Bürgerinnen können Heckenbotschafter des BUND Köln werden, zum Beispiel, indem sie ihre eigenen oder Hecken im öffentlichen Raum melden, damit wir sie kartieren und schützen können", ergänzt Thomas Fischer.

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Stand: 16.11.2019, 12:10