Lebendige Blühstreifen

In den Blühstreifen entlang des Obstweges Leverkusen dominiert die echte Kamille

Lebendige Blühstreifen

Von Sabine Krüger

Wildblumen an Ackerrändern gehörten früher zum Landschaftsbild. Dieser Lebensraum für Insekten schwindet. Ein Spaziergang zu neu ausgesäten Blühstreifen in Leverkusen.

Lebendige Blühstreifen

WDR 4 Drinnen und Draußen | 04.08.2018 | 02:22 Min.

Download

Lasst Blühstreifen blühen!

Die NABU-Naturstation Leverkusen-Köln hat gegen das Insektensterben mehrere Blühstreifen angelegt. Wir entdecken das emsige Leben darin mit Naturpädagogin Martina Schultze.

WDR 4 Drinnen und Draußen: Lebendige Blühstreifen

Naturpädagogin und zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin Martina Schultze präsentiert auf ihrem Blühstreifen-Spaziergang die zwei neuesten Anlagen in Leverkusen. Den circa 350 qm großen Blühstreifen entlang des Obstweges in Leverkusen-Biesenbach und davon links abzweigend ein zweiter von circa 300 qm neben einer Wiese. Angelegt hat beide die Biologische Station in Leverkusen in Absprache mit den Eigentümern der Flächen.

Naturpädagogin und zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin Martina Schultze präsentiert auf ihrem Blühstreifen-Spaziergang die zwei neuesten Anlagen in Leverkusen. Den circa 350 qm großen Blühstreifen entlang des Obstweges in Leverkusen-Biesenbach und davon links abzweigend ein zweiter von circa 300 qm neben einer Wiese. Angelegt hat beide die Biologische Station in Leverkusen in Absprache mit den Eigentümern der Flächen.

Der stumpfblättrige Ampfer in der Mitte des Bildes wurde nicht ausgesät, sondern soll so langsam von den Wildblumen verdrängt werden. Auf der angrenzenden Wiese nimmt die Pflanze überhand. Ziel ist eine möglichst große Artenvielfalt für Insekten zu schaffen, deren Lebensräume seit Jahren schrumpfen. Im ersten Jahr mäht man Blühstreifen mindestens zweimal, um noch vorhandenes Unkraut zurückzudrängen, dann nur noch einmal pro Jahr.

Hier wächst inmitten der noch dominanten Echten Kamille ein Knöterich. Die einjährigen Wildblumen wie Kamille und Kornblume werden verschwinden und dann von zwei- und mehrjährigen Blühern der Mischung abgelöst. Das Saatgut auf diesem Blühstreifen neben der Wiese enthält 36 verschiedene Wildblumen und elf unterschiedliche Gräser. Sie wurden bei einem Fachhandel bestellt, der lokal angepasste Mischungen zusammenstellt.

Martina Schultze demonstriert, woran man die Echte Kamille erkennt. "Öffnet man die Blüte, kann man sehen, dass der Blütenboden hohl ist. Das hat nur die Echte Kamille", erklärt sie. Zudem duftet sie stark. "Nur die Strahlenlose Kamille duftet ebenfalls. Sie bleibt aber niedriger als die Echte Kamille und sieht aus wie eine abgeblühte Pflanze. Die hat nur das Köpfchen, aber nicht die Blütenblätter", erklärt die Naturpädagogin.

Wie eine stolze Diva wirkt dieser rote Klatschmohn, umgeben von Kamille und Kornblume. Die seltene Mohnbiene ist auf ihn angewiesen, denn sie verwendet die Blütenblätter des Klatschmohns, der Kornblume, der Moschus-Malve und des Sonnenröschens als Baumaterial.

Das ist der verblühte Blütenstand des Hirtentäschels. "Das erkennt man an der typischen Form dieser Früchte. Sie sehen aus wie die Täschchen, die früher Hirten mit sich trugen", erläutert Martina Schultze, "daher der deutsche Name der Pflanze."

Manche Bockkäfer-Arten legen ihre Eier in Disteln ab. Die kratzigen Pflanzen erfüllen also eine wichtige Funktion im Ökosystem. Und für den Namen des Bockkäfers sind dessen sehr lange Fühler verantwortlich. Weil sie aussehen wie die Hörner eines Steinbocks wurde das Insekt so benannt.

"Oh, schon besetzt!", scheint das kleine Insekt rechts im Anflug zu bemerken. Bei dem Tier links im Bild sind gut die gelben Pollenhöschen zu erkennen. "An den Hinterbeinen sitzen kleine Härchen. Die Bienen streifen den Pollen, den sie sammeln mit ihren Vorderbeinen auf die Hinterbeine ab und tragen ihn so ins Nest. Im Nest streifen sie diese Pollenhöschen ab, als Futter für ihre Larven", erklärt die Naturführerin.

"Das ist eine Steinhummel", freut sich Spaziergangs-Teilnehmerin Iris Lieg. "Diese Hummel hat einen schwarzen Körper und einen orangefarbenen Po", lacht sie. "Ich versuche gerade zu lernen, sie zu bestimmen. Ich mag zwar alle Insekten, aber die Hummeln sind mir doch am liebsten."

Hier schmückt ein gelbes Schneckenhaus das grüne Blattwerk. "Im Vorbeigehen kann man das alles gar nicht sehen", meint Martina Schultze. "Je länger man einen Blühstreifen beobachtet, desto mehr entdeckt man!"

Rosa Akzente kommen im Blühstreifen neben der Wiese von der Moschus-Malve. Martina Schultze: "Sie wird bestäubt von Hummeln, von Bienen, von Schwebfliegen und vom Hummel-Schweber. Der kann fast auf der Stelle fliegen wie ein Kolibri und hat einen ganz langen Rüssel. Und Schwebfliegen gehören auch zu den Insekten, die besonders stark zurückgegangen sind."

Der andere Blühstreifen, den die NABU-Naturstation dieses Jahr angelegt hat, wächst entlang des Obstweges Leverkusen. Die gelben Blüten gehören zum Ackersenf. Er war in der Mischung "Schmetterlings- und Wildbienensaum" für den Naturraum "Westdeutsches Berg- und Hügelland" enthalten. Der Ackersenf ist ein Kreuzblütler und wird von den Raupen dieser Schmetterlingsarten gefressen: Weisslinge, Resedafalter und Aurorafalter.

Strahlendes Pink steuert die Rote Lichtnelke bei. Sie ist für tagaktive Insekten wie Hummeln und Schmetterlinge wichtig. Um an den Nektar zu kommen, beißen Hummeln mit kurzen Rüsseln von außen ein Loch in die Kelchwand. "Die weiße Lichtnelke öffnet sich gegen Abend und die lockt Nachtfalter an", erklärt Martina Schultze.

So wirkt der Blühstreifen entlang des Obstweges Leverkusens im Gelände. Vor der Industrialisierung der Landwirtschaft war das ein gewohntes Bild. Hannah Brüggemann von der NABU-Naturschutzstation wünscht sich viele Nachahmer: "Für Landwirte, die Blühstreifen anlegen, gibt es in Nordrhein-Westfalen mancherorts Förderprogramme, leider nicht in Leverkusen. Und sowohl Landwirte als auch Privatpersonen können sich zur Blühstreifen-Beratung gerne an die Biologischen Stationen im Land wenden."

Lesetipps

Schmetterlinge in meinem Garten. Falterfreundlich gärtnern mit den richtigen Pflanzen
Autor: Bruno P. Kremer
Haupt-Verlag, 2018
29,90 €

Wildbienenhelfer. Wildbienen und Blühpflanzen
Autoren: Anja Eder, Dirk Peters, Michael Römer,
Verlag Tipp 4, 2017
39,90 €

Hecken, Gartenweg und Blumenwiese
Autor: Bruno P. Kremer
Haupt Verlag, 2017
29,90 €

Rasen und Wiesen im naturnahen Garten
Autorin: Ulrike Aufderheide
pala Verlag, 2011
14 €

Stand: 04.08.2018, 00:00