Jetzt Kröten beim Wandern helfen

NABU und BUND fordern Tempo 30 für Kröten

Jetzt Kröten beim Wandern helfen

Von Sabine Krüger

Kröten und Frösche wandern nun zu ihren Laichgewässern. Damit sie auf dem Weg nicht überfahren werden, bauen Freiwillige wieder Zäune und tragen die Tiere über die Straße.

Jetzt Kröten beim Wandern helfen

WDR 4 Drinnen und Draußen 09.03.2019 02:19 Min. WDR 4

Download

Einsatz für Erdkröte, Wechselkröte und Grasfrosch

Ein Tierfreund ertrug es nicht mehr, dass auf einer Kölner Landstraße so viele Kröten starben. Er alarmierte die Umweltverbände. Seitdem bauen Aktive dort Krötenschutzzäune.

WDR 4 Drinnen und Draußen: Jetzt Kröten beim Wandern helfen

Biologe Peter Brenner (rechts) vom BUND Köln engagiert sich schon seit über zehn Jahren für den Amphibienschutz. Hier am Höhenfelder See seit drei Jahren, seitdem ein älterer Herr darum bat, an dieser Stelle aktiv zu werden. Unterstützt wird Brenner dabei von Mitgliedern des Vereins Geocaching Rheinland, wie Sven-Martin Hühne (links) und Aktiven des NABU Köln unter Leitung von Horst Bertram (nicht im Foto).

Biologe Peter Brenner (rechts) vom BUND Köln engagiert sich schon seit über zehn Jahren für den Amphibienschutz. Hier am Höhenfelder See seit drei Jahren, seitdem ein älterer Herr darum bat, an dieser Stelle aktiv zu werden. Unterstützt wird Brenner dabei von Mitgliedern des Vereins Geocaching Rheinland, wie Sven-Martin Hühne (links) und Aktiven des NABU Köln unter Leitung von Horst Bertram (nicht im Foto).

Hier am Höhenfelder See wandern hauptsächlich Erdkröten, aber auch Grasfrösche und vereinzelt Grünfrösche. "Bei den Grasfröschen werden es immer weniger. Deshalb: Jedes einzelne Tier, was wir hier retten können, ist wichtig", sagt Peter Brenner und ergänzt: "In Westhoven haben wir auch noch Wechselkröten, eine sehr seltene Art, die hauptsächlich in der Kölner Bucht und im südlichen Rheinland vorkommt." Die Rettungsmaßnahme hier: ein Krötenschutzzaun.

Christoph Schürmann ist sowohl im NABU als auch im BUND Mitglied: "Die Artenvielfalt geht zurück in Deutschland. Und ob das Vögel, Amphibien, Reptilien oder andere Tiere sind: Wo man versuchen kann, das Artensterben aufzuhalten, da bringe ich gerne meine Hilfe ein." Er zeigt, wie man einen Krötenschutzzaun baut: "Alle drei Meter wird am unteren Ende des Zauns eine Metallstange in den Boden gerammt."

Eine Klemmvorrichtung aus Plastik wird an die Metallstange geschraubt…

…und hält den Gewebezaun auf der richtigen Höhe in der Senkrechten, wie Christoph Schürmann demonstriert. 

In regelmäßigen Abständen wird der Zaun unten dann noch mit Metallhaken in der Erde fixiert.

Der 7-jährige Frederik und die 5-jährige Fenja beschweren den Zaun auf den Strecken zwischen den Metallhaken zusätzlich mit Erde. Um sicherzugehen, dass kein Frosch, keine Kröte, kein Molch unten durchkriechen kann.

Peter Brenner hilft den beiden. "Man kann Kindern sehr viel zeigen bei solchen Aktionen, auch wenn das Tier selbst vielleicht noch nicht da ist. Aber wir machen dann auch Exkursionen mit Kindern und gehen mit ihnen abends zu den Zäunen, um Tiere einzusammeln. Es gibt sehr viel Natur, gerade in den Städten. Und genau das kann man hier erleben!", wirbt er um weitere freiwillige Helfer.

Ebenfalls in regelmäßigen Abständen werden Eimer in der Erde versenkt. In die fallen Kröten und Frösche, wenn sie den Zaun entlang gehen. Wichtig dabei ist, dass die Eimer Löcher haben, damit sie bei Regen nicht volllaufen. "Unten rein kommt noch eine Laubschicht, da Amphibien es feucht lieben. Zudem können sie sich darunter vor Graureihern auf Beutefang verstecken. Und ein Stöckchen sollte auch noch in die Eimer, damit Mäuse, die eventuell auch reinfallen, wieder rauskommen."

Sogar Aktive einer Gruppe von Amphibienfreunden aus Frechen unterstützen die Kölner Kolleginnen und Kollegen von BUND und NABU. Wie Stefan Gabriel, der schon als kleiner Junge fasziniert war von der Verwandlung des Laichs zur Kaulquappe und dann zum Frosch.

Stefan Gabriel (rechts kniend) gräbt mit anderen Gruppenmitgliedern die Löcher für die Eimer und versenkt sie dann im Boden. Er ist zudem auch Geocacher und hat seine Frau Wenke Trommer mit seiner Leidenschaft für Amphibien angesteckt. In Frechen ist er zuständig für Schranken, mit denen einige Wirtschaftswege nachts wegen der Krötenwanderung gesperrt werden.

Peter Brenner vom BUND Köln und Horst Bertram vom NABU Köln appellieren an die Autofahrer, langsam zu fahren, wenn Kröten unterwegs sind. "Slalomfahren hilft nicht, weil schon ab etwas mehr als 30 km/h wegen der Sogwirkung die Lungen der Kröten und Frösche platzen." Übrigens werden landesweit Helfer für die Krötenzäune gebraucht, denn die Eimer müssen morgens geleert und die Amphibien auf die andere Straßenseite gebracht werden. Der BUND, der NABU und die Biologischen Stationen geben gerne Auskunft.

Lesetipp

Praxisleitfaden Amphibien- und Reptilienschutz. Schnell – präzise – hilfreich
Autor: Dieter Glandt, Illustrator: Martin Lay
Verlag Springer Spektrum, 2018
29,99€

Stand: 09.03.2019, 00:00