Rettet die Kastanien!

Weiße Rosskastanie

Rettet die Kastanien!

Von Sabine Krüger

Miniermotten machen derzeit den Weißen Rosskastanien das Leben schwer. Kastanienfreunde können den majestätischen Bäumen aber helfen! Wir berichten von einer Laubsammelaktion in Jüchen.

Gemeinsam gegen die Miniermotte

Aktive des BUND in Jüchen kämpfen für ihre Kastanien. Damit im nächsten Jahr keine Raupen mehr schlüpfen, die die Bäume welken lassen, treffen sie sich zu Laubsammelaktionen. Zur Nachahmung empfohlen!

Weiße Rosskastanie

Das ist sie, die Weiße Rosskastanie an der Kreisstraße 25 bei Jüchen-Bedburdyck. Marienstatue und Kastanie markieren gemeinsam die Kreuzung von zwei Feldwegen und prägen so die Landschaft. Im Juli wurden die Blätter des Baums schon welk und braun. Ein deutlicher Hinweis auf einen Befall durch die Miniermotte.

Das ist sie, die Weiße Rosskastanie an der Kreisstraße 25 bei Jüchen-Bedburdyck. Marienstatue und Kastanie markieren gemeinsam die Kreuzung von zwei Feldwegen und prägen so die Landschaft. Im Juli wurden die Blätter des Baums schon welk und braun. Ein deutlicher Hinweis auf einen Befall durch die Miniermotte.

Rechts im Foto sieht man, wie sich eine Larve in einem linsenförmigen Kokon im abgefallenen Kastanienblatt einnistet, um sich zu verpuppen. Im Frühling schlüpfen sie als Motten. Die Motten fliegen in den Baum und vermehren sich. Die Raupen fressen die Blätter, kappen deren Versorgungsbahnen, sodass das Laub braun wird und abfällt und den Baum nachhaltig schädigt.

Diesen Kreislauf wollen die Aktiven des BUND Jüchen (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) durchbrechen. Ihr Werkzeug liegt schon parat: Rechen, Laubbesen, Eimer und Plastikfolie, auf der das Kastanienlaub gesammelt wird. Von dort holen es die Abfallbetriebe dann ab, um es bei hoher Temperatur zu verbrennen. 

Die 13-jährige Anna Thomas (vorne links) kennt das Problem auch aus dem eigenen Garten der Familie. Dort ist die Kastanie ebenfalls von Miniermotten befallen und die Familie sammelt das Laub auf. Weil sie „etwas für die Natur tun“ möchte, ist sie Mitglied bei den BUNDSpechten, der Kinder- und Jugendgruppe des BUND Jüchen. Heute heißt das für Anna: Laub harken gegen die Miniermotte!

Nicht nur das Laub neben, sondern auch das in der Hecke muss entfernt werden. Wird eine Larve übersehen, kann sie sich im Frühjahr hundertfach vermehren und wird wieder zur Gefahr für den Baum. Jedes einzelne Blatt muss also mühsam herausgesammelt werden. Garten-Handschuhe, eine wasserdichte Regenhose oder Gamaschen und wasserdichte Schuhe erleichtern die Arbeit.

In dem Maß, wie die Hecke und der Boden frei werden von abgefallenem Laub, wächst der Laubhaufen auf der Plastikfolie. Die Zusammenarbeit mit den Abfallbetrieben der Gemeinde, die das von den Motten befallene Laub abholt und verbrennt, ist wichtig. Denn nur wenn die Larven bei über 40 Grad vernichtet werden, können sie sicher keinen Schaden mehr anrichten.

Zur Belohnung für die mühevolle Arbeit im grauen Novemberwetter mit Regen gibt es heißen Tee mit Kuchen und Plätzchen. Und – hoffentlich – im nächsten Jahr eine gesunde Kastanie. "Wir sind hier ja in der waldärmsten Gemeinde des waldärmsten Kreises und da ist jeder Baum von unschätzbarem Wert", sagt die Biologin Dr. Luzie Fehrenbacher, die die Aktion initiierte und auch die BUNDSpechte leitet (gelbe Jacke im Foto).

Motte lässt Kastanien welken

Wenn das Laub von Rosskastanien schon mitten im Sommer braun wird, ist das ein deutliches Zeichen für einen Befall mit der Miniermotte. Ihre Raupen knabbern an den Blättern und zerstören so deren Versorgungsbahnen. Die Folge: Das Laub welkt frühzeitig, wird also braun und fällt lange vor dem Herbst ab. Können sich die Motten ungehindert vermehren, wird das den Baum langfristig zerstören. Diesem Kreislauf muss man aber nicht tatenlos zusehen. Will man den Bäumen helfen, verhindert man, dass die Motte sich vermehren kann.

Laub sammeln kann helfen

Seit dem Jahr 2000 sammeln deshalb Aktive des BUND Jüchen das Laub von befallenen Kastanien auf, um es von der Gemeinde verbrennen zu lassen. Zunächst haben sie sich Alleen vorgenommen. "Das war aber frustrierend, weil das ein Kampf gegen Windmühlen war. Seit 2013 konzentrieren wir uns auf einzeln stehende Bäume. Wir haben im Nachbarort in Aldenhoven drei riesige Kastanien, plus in der Nachbarschaft nochmal zwei große Kastanien befreit und die sind supergut über den Sommer gekommen!", freut sich die Biologin Dr. Luzie Fehrenbacher. Sie hat die Aktion initiiert und leitet auch die Kinder- und Jugendgruppe des BUND Jüchen, die BUNDSpechte, die sich regelmäßig aktiv daran beteiligen.

Meisen als Verbündete

Eine zweite Strategie im Kampf gegen die Miniermotte ist, Nützlinge zu stärken. In dem Fall also Meisen. "Man hat festgestellt, dass besonders Blaumeisen, aber auch andere Meisen die Miniermotten fressen. Miniermotten fliegen nur in einer kurzen Zeit und legen dann ihre Eier ab. Und zwar genau in der Zeit, in der Meisen ihren Nachwuchs versorgen müssen", erklärt Luzie Fehrenbacher. Deshalb haben die BUNDSpechte unter ihrer Leitung Meisen-Nistkästen an Kastanienbäumen angebracht. "Beim Säubern konnten wir auch sehen, dass sie bewohnt waren", sagt sie. "Aber die Meisen können die Aktion lediglich unterstützen."

Rettet die Kastanien - Gemeinsam gegen die Miniermotte

WDR 4 Drinnen und Draußen | 18.11.2017 | 02:31 Min.

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Das fatale Bakterium

Wogegen es leider noch kein Mittel gibt, ist ein zweiter Schädling der Weißen Rosskastanie: das Bakterium Pseudomonas syringae. "In Priesterath haben wir letztes Jahr auch eine Kastanie von Miniermotten befreit, die ist dann aber im Frühjahr trotzdem eingegangen. Wir haben festgestellt, dass sie auch das Bakterium hatte. Diese Bäume sterben dann ganz schnell, das geht innerhalb von drei Monaten. Eine traurige Sache", so Fehrenbacher. Das Einzige, was man tun könne, sei, den Baum zu stärken. Normalerweise würde dazu gehören, das Laub liegen zu lassen, damit sich Humus bilden kann. "Das geht natürlich nur, wenn die Blätter nicht von der Miniermotte befallen sind."  

Tipps für Nachahmer

Luzie Fehrenbacher rät anderen Baumfreunden, sich im Katasteramt ihrer Gemeinde die Standorte der Kastanien zeigen zu lassen und Privatleute aufzufordern, befallene Kastanien in ihren Gärten oder in ihrer Nachbarschaft zu melden. Dann geht es darum, über Aushänge, Postwurfzettel und Pressemitteilungen möglichst viele Aktive zu mobilisieren, die beim Laubsammeln mithelfen. Und nicht zuletzt mit den Abfallbetrieben zusammenzuarbeiten, die das von den Motten befallene Laub verbrennen. "Kleine Laubmengen kann man in der Biotonne entsorgen. Aber keinesfalls auf dem eigenen Komposthaufen! Die Temperaturen dort sind nicht hoch genug, um die Larven zu zerstören", so Fehrenbacher.

Stand: 18.11.2017, 00:00