Bienenfreundlicher Balkon

Bienenfreundlicher Balkon

Von Inga Thiede

Daniela Sporny aus Hattingen hat ihren Balkon in ein Paradies für Insekten verwandelt - mit den richtigen Pflanzen und einem selbstgebauten Bienenhotel.

Insektenhotels gibt es derzeit im Handel in allen Preisklassen und Größen, von einem einfachen Wildbienenhäuschen für rund zehn Euro bis hin zum First-Class-Hotel für verschiedene Insektenarten für über 100 Euro.

Und grundsätzlich macht es auch Sinn, für sogenannte Nützlinge wie Wildbienen, Marienkäfer, Ohrenkneifer und Hummeln Nistmöglichkeiten zu schaffen. Infolge der Kulturbereinigung gibt es nämlich immer weniger Totholz in der Landschaft, das viele dieser Tiere normalerweise zum Nisten genutzt haben. Insektenhotels können also helfen, dem Artensterben entgegenzuwirken, und außerdem Platz für Nützlinge zu schaffen, die zum Beispiel die ungeliebten Blattläuse auf biologische Weise bekämpfen.

Was taugen die gekauften Insektenhotels?

Beim Kauf eines Insektenhotels sollte man sehr genau darauf achten, ob zum Beispiel die Löcher für die Wildbienen in Hartholz gebohrt worden sind. Ist das nämlich nicht der Fall, nehmen in der Regel die Tiere diese Hotels nicht an, denn bei Feuchtigkeit richten sich bei Weichholz die Fasern auf und die könnten die Flügelchen der Wildbienen verletzen.

Fertiges Insektenhotel auf einem Tisch

Gekaufte Insektenhotels sind nicht immer die bessere Wahl.

Viele der fertigen Insektenhotels sehen hübsch aus, bestehen aber zum größten Teil aus billigen Füllern wie Tannenzapfen oder Baumrinde; für den Preis lassen sich Insektenhotels, die von den Tieren auch wirklich angenommen werden, leichter selber fertigen.

Selbstgebaut: Insektenhotel für Wildbienen

Dafür braucht man: einen dicken Ast oder dünnen Stamm von mindestens 20 bis 30 Zentimetern Durchmesser, am besten mit glatter Rinde, am besten Buche. Das Holz sollte gut abgelagert und trocken sein.

Der Stamm oder Ast wird halbiert, dann werden Löcher im Durchmesser von zwei bis acht Millimetern gebohrt. Zwischen den einzelnen Löchern sollte der Abstand mindestens einen Zentimeter betragen. Die Gänge werden parallel angelegt, und sollten mindestens die zehnfache Tiefe des Durchmessers haben.

Dann die Späne sorgfältig aus den Gängen klopfen, eventuell noch die Eingänge nachfeilen. Schließlich ein paar Haken und eine wetterfeste Schnur anbringen – schon ist das Hotel fertig und kann im besten Fall an einer wettergeschützen, südwärts gelegenen Wand angebracht werden.

Schutz für Ohrenkneifer

Ohrenkneifer sind zwar nicht die beliebtesten Gartenmitbewohner, aber ihre Fähigkeit zur Schädlingsbekämpfung wird oft unterschätzt: Sie fressen nämlich mit Vorliebe Blattläuse und auch den Apfelwickler, der gerne ganze Apfelernten vernichtet.

Tontopf mit Stroh gefüllt auf einem Stock

Mit wenigen Handgriffen kann man ein Paradies für die nützlichen Ohrenkneifer schaffen.

Um dem Ohrenkneifer Schutz zu bieten, reicht ein Tontopf, den man mit Stroh oder Holzwolle füllt. Am besten die Füllung mit etwas Maschendraht sichern, und schon kann man das Ohrenkneiferhotel entweder direkt an den Baum hängen oder auf einem kurzen Stab ins Blumenbeet stellen. Die Ohrenkneifer können sich dann darin tagsüber verstecken und nachts auf Beutefang gehen.

Hotel für solitär lebende Wespen

Neben den über 500 Wildbienenarten gibt es in Deutschland auch noch über 250 wilde Wespenarten, die häufig als solche gar nicht erkannt werden und für Menschen völlig ungefährlich sind – aber einen großen Nutzen für das Gleichgewicht in der Natur haben. Eine davon ist die Grabwespe, die mit ihrem Stachel ihre Beute betäubt, um sie dann zu ihrem Nistplatz zu schleppen, wo sie als Futter für ihre Nachkommen dient. Gerne fressen Grabwespen auch Blattläuse oder Raupen.

Für sie kann man mit ganz einfachen Mitteln ein Hotel basteln: Man nehme einen konisch zulaufenden Blumentopf und auf Länge geschnittene Bambus- oder Strohhalme im Durchmesser von zwei bis sechs Millimetern. Vorsicht: Die Schnittkanten müssen sauber sein, sonst könnten die Tiere sich daran ihre Flügel verletzen.

Die Halme mit Gummibändern bündeln und im Topf festkleben. Den Kleber gegebenenfalls noch ausdünsten lassen – und fertig ist das Hotel, das man jetzt wettergeschützt und sonnig an der Wand aufhängen kann.

Literatur-Tipp

Dr. Melanie von Orlow
Ideenbuch Insektenhotels
Ulmer, 2013
ISBN 9783800178780
Preis 14,90 Euro

Stand: 06.06.2018, 12:00