Im Kübel gärtnern

Im Kübel gärtnern

Im Kübel gärtnern

Von Sabine Krüger

Botanische Gärten sind Schatzkästen für exotische Pflanzen. Der Direktor des Dortmunder Rombergparks, Patrick Knopf, berichtet über Freuden und Herausforderungen des Kübel-Gärtnerns.

Im Kübel gärtnern

WDR 4 Drinnen und Draußen | 11.08.2018 | 02:20 Min.

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Die ganze Welt im Kübel

Bei seiner Kübelpflanzen-Führung präsentiert der Direktor des Rombergparks Dr. Patrick Knopf die Vielfalt der Pflanzenwelt unseres Globus‘. Tipps für Kübelgärtner inklusive.

Direktor Dr. Patrick Knopf vom Botanischen Garten Dortmund

"Liebesblume" lautet die deutsche Übersetzung des botanischen Namens "Agapanthus". Und mit viel Liebe werden diese Schmucklilien im Botanischen Garten Dortmund unter der Ägide von Direktor Dr. Patrick Knopf gepflegt. Sie stammen aus Afrika und sind je nach Sorte unterschiedlich winterhart: "Die Breitblättrigen brauchen mindestens 7 Grad zum Überwintern bis hin zu den schmalblättrigen ‚Headbourne-Hybriden‘, die man bei 0 Grad im Keller oder der Garage einfach bis zum Frühjahr vergessen kann", so Knopf.

"Liebesblume" lautet die deutsche Übersetzung des botanischen Namens "Agapanthus". Und mit viel Liebe werden diese Schmucklilien im Botanischen Garten Dortmund unter der Ägide von Direktor Dr. Patrick Knopf gepflegt. Sie stammen aus Afrika und sind je nach Sorte unterschiedlich winterhart: "Die Breitblättrigen brauchen mindestens 7 Grad zum Überwintern bis hin zu den schmalblättrigen ‚Headbourne-Hybriden‘, die man bei 0 Grad im Keller oder der Garage einfach bis zum Frühjahr vergessen kann", so Knopf.

Ein unter Hobbygärtnern relativ weit verbreiteter Exot dürfte die Palme sein. "Palme, da denkt man an Urlaub", spricht Patrick Knopf den Rundgangs-Teilnehmern aus der Seele. Der Rombergpark beherbergt zum Beispiel fünf Kanarische Dattelpalmen. Sie stehen in handgeküferten Holz-Kübeln. "Da kann man schon mal eine dreistellige Summe für hinlegen", dämpft er die Begeisterung der Besucher.

Und die Palmen brauchen in regelmäßigen Abständen größere Töpfe, weil sie sich aus der Erde, also dem Substrat, herausarbeiten. "Da entstehen dann diese Wurzelbärte, die Sie wahrscheinlich auch von Ihrer Palme zuhause kennen", so Knopf. Ab einem gewissen Zeitpunkt wachsen Palmen nur noch in die Höhe, und zwar über ihre Blätter, die dann immer neue Wurzeln bilden, die alle das Substrat erreichen wollen.

Aus Australien stammt dieser Urzeit-Baum, die "Wollemia nobilis", eine Spende vom Freundeskreis des Botanischen Gartens. Ein australischer Ranger hatte die Art 1994 in einer Schlucht wiederentdeckt. Versteinerungen dieser Pflanze sind 280 Millionen Jahre alt. "Eine tolle Blüte hat sie zwar nicht, aber das austretende Harz kann man wie Kaugummi kauen", verrät der Direktor.

Ebenfalls aus Australien stammt, rechts im Bild, die Pflanze mit dem Bubikopf, der Grasbaum. "Sie sind holzig, haben einen Pseydostamm, ähnlich wie Palmen. In der freien Natur werden sie regelmäßig Bränden ausgesetzt und sie würden auch ganz schnell krank, wenn man sie hier nicht mit dem Gasbrenner abflämmen würde. Wegen der verkohlten Stämme heißen sie auch "Black Boys", also "Schwarze Jungs"", erklärt Patrick Knopf.

Aus dem Stamm wachsen ganz viele riemenförmige Blätter, ein beeindruckendes grafisches Muster! "Wenn sie braun werden, schneiden wir sie zurück. In unserem feuchten Klima würde sich zwischen diesen Stummeln Fäulnis bilden. Deshalb flämmen wir sie auch noch ab", erläutert Knopf das Verfahren, das die australischen Brände imitiert.

Der Karminrote Zylinderputzer aus Australien gehört zu den Myrtengewächsen, lateinisch Callistemon. Cali bedeutet schön und stemon heißt Staubfaden, also: Der mit dem schönen Staubfaden. Die charakteristischen Blüten sind inzwischen verblüht, aber aus ihnen werden Samen, die in holzigen kleinen Kapseln sitzen. "Die Samen warten darauf, dass ein Feuer kommt, die Mutterpflanzen werden zu Asche, die Kapseln knacken auf, die Samen fallen auf freien Boden und keimen aus", so Patrick Knopf.

Wir reisen weiter nach Mexiko, wo der Hammerstrauch (lat.: Cestrum elegans) heimisch ist. Das reichblühende Nachtschattengewächs hat zwar sehr schöne tief pinkfarbene Blüten, die in kleinen Sternchen auslaufen. Aber wer sie im Kübel halten möchte, muss wissen, dass sie sehr viel Sonne, Wasser und Nährstoffe braucht. Im Herbst schneidet man die Jahrestriebe auf ein Drittel zurück und überwintert sie bei mindestens fünf Grad Celsius.

Mit silbrig-blauen Blättern besticht diese Blaue Hesperidenpalme (lat.: Brahea armata), ebenfalls aus Mexiko. Diese Blattfarbe deutet darauf hin, dass sie viel Sonne, Licht und Trockenheit verträgt. "Sie ist also sehr gut geeignet für die hartgesottenen Sommerurlauber, die nicht gießen können. Genauso wie Yucca, Agaven oder auch Aloen aus dem Mittelmeerraum, darunter sind auch wunderschöne Blüher", empfiehlt Patrick Knopf.

Auffallende Blüten bietet auch diese Kriechende Samtpappel (lat.: Abutilon megapotanicum) aus Brasilien. Einer Rundgangs-Teilnehmerin fällt auf, dass bei der einen Blüte der untere Teil gelb ist und bei einer anderen rot. "Beim Verblühen verändert sich die Farbe von gelb zu rot. Der gelbe Farbstoff ist für die Pflanze wichtig, deshalb lagert sie ihn beim Abblühen ein und übrig bleibt das Rot", erklärt der Direktor.

Die Puderquastensträucher mag Patrick Knopf besonders gerne: "Auch hier beeindrucken die Staubfäden wie beim Zylinderputzer. In vielen Büchern steht: Überwinterung mindestens elf Grad. Wir haben die etwas kälter überwintert und festgestellt, dass sie dann besser blühen. Wenn man Kübelpflanzen zu sehr päppelt, dann werden sie gerne blühfaul", so der Tipp des Experten.

Ein Blick auf Australien, Amerika, Afrika und Asien – Kübelpflanzen machen es möglich! Das findet Patrick Knopf so faszinierend an ihnen. Richtig große und teilweise über zwei Tonnen schwere Palmen ins Winterquartier zu transportieren, ist allerdings nichts für Privatpersonen. Patrick Knopf lädt aber herzlich dazu ein, den Rombergpark zu besuchen: "Wir sind jeden Tag und rund um die Uhr geöffnet, ein Vermächtnis der Rombergs!"

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Stand: 11.08.2018, 00:00