Igeln helfen, aber richtig!

Igel "Eddi" wird von seiner Pfelgemama gefüttert

Igeln helfen, aber richtig!

Von Sabine Krüger

Igel bekommen jetzt ihren Nachwuchs und bereiten sich auf den Winterschlaf vor. Melanie Pöschl von der Igelhilfe Sankt Augustin zeigt, wie wir Tieren in Not wirklich helfen.

Igeln helfen, aber richtig!

WDR 4 Drinnen und Draußen 06.10.2018 02:21 Min. WDR 4

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Erste Hilfe für Igel in Not

Melanie Pöschl engagiert sich seit einem Jahr ehrenamtlich für den Igelschutz. Sie informiert darüber, was notleidenden Igeln wirklich hilft und nimmt auch Schützlinge auf.

Melanie Pöschl hält einen geretteten Igel in der Hand

Melanie Pöschl arbeitet in Sankt Augustin in ihrem häuslichen Nagel-Studio. Aber auf dem Dachboden hat sie mehrere Gehege, in denen sie inzwischen schon 120 Igel versorgt hat. Kürzlich hat eine Igelmutter zum ersten Mal bei ihr Igelbabys geboren. Eddi, der kleine Igel auf ihrem Arm, war vorher schon bei ihr abgegeben worden. Er stromerte unterernährt und alleine in einem Park herum und wurde von einer aufmerksamen Spaziergängerin mitgenommen.

Melanie Pöschl arbeitet in Sankt Augustin in ihrem häuslichen Nagel-Studio. Aber auf dem Dachboden hat sie mehrere Gehege, in denen sie inzwischen schon 120 Igel versorgt hat. Kürzlich hat eine Igelmutter zum ersten Mal bei ihr Igelbabys geboren. Eddi, der kleine Igel auf ihrem Arm, war vorher schon bei ihr abgegeben worden. Er stromerte unterernährt und alleine in einem Park herum und wurde von einer aufmerksamen Spaziergängerin mitgenommen.

Etwas kamerascheu versucht Eddi sich unter die Achseln seiner Pflegemama zu verkriechen. Tagsüber schläft er eigentlich ja auch. "Deshalb kann man davon ausgehen, wenn man Igel tagsüber herumlaufen sieht, dass sie zu 99% Hilfe brauchen", meint Melanie Pöschl. "Wer sich nicht traut, sie anzufassen, schützt seine Hände mit einer Jacke oder einem Tuch gegen die Stacheln. Oder von der Seite am Bauch hochheben, da sind sie ja weich."

Oft werden Igel auch angefahren, weil sie keinen Fluchtinstinkt haben, sondern sich bei Gefahr einigeln. So wie das hier Igel-Oma Sunny macht, der die Fotokamera auch nicht geheuer ist. "Sunny war auf 530 Gramm abgemagert, für ein Igel-Weibchen ihrer Größe und ihres Alters viel zu wenig. Sie ist vier oder fünf Jahre alt, hat kaum noch Zähne, ist verwurmt, ihr fallen die Stacheln aus. Sie wird hier für den Winterschlaf aufgepäppelt und dann kriegen wir das wieder hin", meint die Igelschützerin.

Dass Sunny viel zu dünn ist, sieht man auf diesem Foto. Die ideale Igelform ist die einer Birne. Bei Sunny steht aber die Hüfte raus. Melanie Pöschl stärkt sie mit Katzenfutterpastete. "Bitte nur Katzenfutterpastete, keine Soße, kein Gelee, das macht Durchfall und Bauchschmerzen", warnt die Igelschützerin, "und auch kein Igel-Fertigfutter, da sind Getreide und Zucker drin und nur ganz wenig Insekten."

Von der Seite ist Sunnys Nackenfalte zu sehen. "Das ist die sogenannte Hungerfalte. Gesunde Igel haben keinen Hals. Daran erkennt man, dass ein Igel unterernährt ist. In freier Wildbahn fressen Igel Insekten. Schnecken übrigens nur in der Not, wenn sie nichts anderes finden. Da diese Innen-Parasiten verursachen, machen sie Igel letztlich eher krank", räumt Melanie Pöschl mit diesem Irrglauben auf.

Wer einen notleidenden Igel findet, wärmt ihn zuerst auf einer Wärmflasche, wiegt ihn und stellt ihm Futter hin: "Am besten Wasser, keinesfalls Milch, und ein schlodderiges Rührei, so weich, dass wir es nicht essen wollten. Dann schaut man im Schubkarrengang nach dem Geschlecht: Sitzt der Knoten weit hinten in der Nähe des Schwanzes, wie hier bei Sunny, ist es ein Weibchen", so Pöschl.

Bei Eddi sitzt der Knoten eher auf Bauchnabelhöhe. Eddi ist also eindeutig ein Männchen. Gefallen tut ihm die Prozedur allerdings nicht. Für die Aufklärung von potenziellen Igel-Findern ist sie aber hilfreich. Danke, Eddi!

Warum er nochmals mit der Spritze seine Katzenaufzuchtmilch trinken soll, leuchtet ihm auch nicht ein. Er kann doch schon aus dem Schälchen schlabbern. Auch das nur, um potenziellen Igel-Müttern und -Vätern zu zeigen, wie sie Igel-Babys füttern können. Denn Melanie Pöschl kann nicht alle aufnehmen.

Zusätzlich zu ihren Schützlingen beobachtet Melanie Pöschl in ihrem Garten auch immer circa zehn gesunde Igel. Ihnen stellt sie in dieser Futterstelle, improvisiert aus dem Klettergerüst ihres tierlieben Sohnes, abends ein kleines Zubrot bereit: Wasser, Trockenfutter, Rührei.

Luxuriöser ist dieses Fertig-Futterhäuschen mit einem kleinen Labyrinth innen, als Schutz gegen Katzen. Äpfel fressen Igel übrigens auch nicht, auch so ein Irrglaube. Sie freuen sich über Fallobst, weil sie da die Würmer rauspicken.

Jakob wurde von einem Hund gebissen und von Melanie Pöschl zusammen mit einer igelkundigen Tierärztin in Much gesund gepflegt. "Lange nicht alle Tierärzte kennen sich mit Igeln aus. Wir geben auch Adressen weiter von igelkundigen Tierärzten in Ihrer Nähe", bietet die Igelhelferin an, die vieles im Tierheim Troisdorf gelernt hat, aber auch in der Facebook-Gruppe "Igelfreunde und die, die es werden wollen." In ihr tauschen sich Igelpfleger und Tierärzte aus.

Für verletzte Igel-Schützlinge, wie Jakob, ist es wichtig, zur Genesung ein geschütztes Außengehege zu haben. Melanie Pöschl hat zwei davon. All das kostet Geld und sie pflegt die Igel ehrenamtlich. Unterstützt wird sie vom Tierheim Troisdorf mit Katzenfutterpastete-Spenden, vom BUND Rhein-Sieg und von Igel-Findern, die ihren Schützlingen etwas Taschengeld mitgeben, wenn sie sie bei ihr einquartieren.

Ein einfaches Igelhäuschen oder auch nur Laub und Reisig reichen einem Igel für den Winterschlaf. Hobbygärtner bittet Melanie Pöschl, vor dem Mähen und Heckenschneiden zu schauen, ob sich nicht ein Igel ein Nest gebaut hat. "Und bitte kein Gift spritzen!" Wer in Sankt Augustin und Umgebung einen Igel findet und Rat sucht, erreicht Melanie Pöschl tagsüber unter: 0170-2869801 und igelhilfe@yahoo.com. Die Igelhilfe ist im Privathaus der Familie, bitte nicht einfach vorbeigehen!

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Stand: 06.10.2018, 00:00