Hogräfer packt's an: Begehbarer Kleiderschrank mal anders

Begehbarer Schrank mal anders Servicezeit 01.02.2019 29:24 Min. UT Verfügbar bis 01.02.2020 WDR

Hogräfer packt's an: Begehbarer Kleiderschrank mal anders

Den Traum von einem riesigen begehbaren Kleiderschrank haben viele - nicht nur Frauen. Auch die Herren nutzen in den eigenen vier Wänden gern jede erdenkliche Ecke. Stauraum ist ja immerhin fast überall Mangelware. Eine ungewöhnliche und gleichzeitig praktische Idee von Servicezeit-Heimwerkerexperte Ulf Hogräfer: Ein Treppenschrank – Kleiderschrank und Treppe in einem.

Das beste Platzangebot für Stauraum findet sich oft unter Treppen, ein idealer Ort also für Einbauschränke. In unserem Beispiel fehlt aber beides: Stauraum und Treppe. Für die beiden Probleme hat Ulf Hogräfer eine ungewöhnliche Kombi-Lösung: Er baut einen Eckschrank, der gleichzeitig eine Treppe in den darüber liegenden Spitzboden ist.

Eine DIN-Treppe wird in dem 15-Quadratmeter-Zimmer nicht eingebaut, da sie hier nicht passt und wenig optimal mit dem Schrank verbunden werden kann. Eine maßgeschreinerte Einheit muss her. Die individuelle Konstruktion von Ulf Hogräfer ist etwas verrückt und unüblich und auf keinen Fall eine Standard-Lösung, denn Treppenbau ist diffizil und der Beruf des Treppenbauers ist eigenständig und geschützt. Darum werden normalerweise Treppen auch nach DIN-Norm vom Fachmann eingebaut.

Diese Möbelkonstruktion ist allerdings absolut stabil - und das obwohl sie aus günstigem Material (beschichtete Spanplatte) gebaut wurde. Durch die Kombination mit den 45 Millimeter Massivholzstufen aus Buche ist sie schön, hochwertig und sehr tragfähig. Und natürlich absolut praktisch!

Bevor Sie mit dem Bau beginnen

Grundsätzlich gilt: Je mehr Gedanken Sie sich vorher machen, desto besser!                                                                

  • Messen Sie den Raum aus, in dem der Treppenschrank gebaut werden soll. Dazu gehört auch das genaue Messen der Deckenhöhe und das Ausmessen des darüberliegenden Raumes (Dachbodens). Außerdem sollten Sie auch den Fußbodenaufbau im Dach berücksichtigen.
  • Besonderes Augenmerk bedarf der Fußboden, auf den das Möbelstück gebaut werden soll. Der Boden muss absolut eben sein; ist er das nicht, muss der Sockel Unebenheiten ausgleichen. 
  • Vor allem der Sockel, die Basis der Konstruktion, muss exakt und eben sein. Es ist sinnvoll, ihn aus Massivholz anzufertigen. Er muss die Einteilungen der Schränke aufweisen, die später auf ihm ausgerichtet werden. Der Sockel ist eine Arbeit, die wirklich nur versierte Selbstbauer in Angriff nehmen sollten, falls mehrere Zentimeter Bodengefälle im Raum auszugleichen sind. Ein Schreiner macht das in etwa einem halben Tag für Sie, was viel Grübelei erspart.    
  • Falls Sie Pläne vom Haus oder den Geschossen haben, nutzen Sie diese, um zu sehen, wo Sie eventuell Balken für die Deckenöffnung entfernen oder auch Wechsel setzen müssen. Es gibt zudem Mindestmaße für den Platz, der für Treppen erforderlich ist. Diese ermitteln sich immer aus dem richtigen Verhältnis von Tritthöhe zur Tritttiefe. Beachten Sie auch Türen und Fenster sowie Ihre Körpergröße. Die ist wichtig für die Höhe der Konstruktion, beziehungsweise für die Ermittlung der Öffnungsgröße der Decke zum Dachboden.
  • Zeichnen Sie einen Entwurf so sauber wie möglich selbst vor. Ein Schreiner sollte die Maße nochmals vor Ort überprüfen. Dann erstellen Sie die Teileliste und lassen die Zuschnitte nebst Bauplan (Zeichnungen) anfertigen.
  • In unserem Beispiel ist die Treppe auch noch gewendelt; der Treppenschrank wird über Eck gebaut, und die Schränke darunter ebenfalls. Das ist die Königsdisziplin und erfordert höchste Genauigkeit! Aber keine Angst: Wenn alle Teile ganz korrekt zugeschnitten sind und sauber gearbeitet wird, geht alles gut.
  • Sollte die Geschossdecke zum Dachboden noch geschlossen sein, müssen Sie zuvor die Decke öffnen. Tun Sie das nie allein, sondern zu zweit oder zu dritt.

Ein Statiker oder Architekt sollte zurate gezogen werden, wenn Sie sich unsicher sind, und vor allem, wenn Genehmigungen wegen eventueller Nutzungsänderungen erforderlich werden. Details erfahren Sie von Ihrem zuständigen Bauamt, denn jeder Fall ist individuell – und abhängig von den jeweiligen Baugesetzen und Vorschriften eines jeden Bundeslandes. Bestehen keinerlei Bedenken, können Sie mit dem Möbelbau starten.

Sind alle Maße genommen und die Fragen geklärt, kann es dann auch losgehen. Mit ein wenig Geschick und Kreativität entsteht ein praktisches und schönes Unikat - und ganz viel Stauraum!

Stand: 31.01.2019, 18:15