Hochwasser hautnah

Pappeln und Kopf-Weiden spiegeln sich in der überfluteten Urdenbacher Kämpe

Hochwasser hautnah

Von Sabine Krüger

Der Rhein tritt immer wieder über die Ufer. In der Urdenbacher Kämpe zwischen Düsseldorf und Monheim kann man auch die positiven Seiten von Hochwasser kennenlernen.

Hochwasser hautnah

WDR 4 Drinnen und Draußen | 10.02.2018 | 02:37 Min.

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Dem Hochwasser auf der Spur

Damit Hochwasser nicht zur Gefahr wird, braucht es natürliche Speicher und Überflutungsflächen. Beides bietet die Urdenbacher Kämpe. Und: Hochwasser ist auch nützlich!

WDR 4 Drinnen und Draußen: Hochwasser hautnah

Otto Bremm ist ausgebildeter Auen-Erlebnisbegleiter in der Urdenbacher Kämpe zwischen Düsseldorf und Monheim. Das Arreal ist eine der wenigen Auen-Landschaften, die nie eingedeicht wurden. Das macht sie zu einem enormen Wasserspeicher, der Düsseldorf und die Region rheinabwärts bei Hochwasser sehr entlastet. Das von Von Otto Bremm zeigt, dass am 9. Januar 2018 die Info-Stele am Wander-Parkplatz "Piels Loch" nasse Füße hatte.

Otto Bremm ist ausgebildeter Auen-Erlebnisbegleiter in der Urdenbacher Kämpe zwischen Düsseldorf und Monheim. Das Arreal ist eine der wenigen Auen-Landschaften, die nie eingedeicht wurden. Das macht sie zu einem enormen Wasserspeicher, der Düsseldorf und die Region rheinabwärts bei Hochwasser sehr entlastet. Das von Von Otto Bremm zeigt, dass am 9. Januar 2018 die Info-Stele am Wander-Parkplatz "Piels Loch" nasse Füße hatte.

Damals war der Parkplatz natürlich gesperrt, weil überflutet. Knapp einen Monat später, am 4. Februar 2018, führt Otto Bremm eine Gruppe durch das Natur- und Landschaftsschutzgebiet, um das Hochwasser erlebbar zu machen. Die Infotafel zeigt, wie sich die Aue mit den verschiedenen Wasserständen verändert: Die dunkelblauen Flächen sind immer zuerst überspült. "Der kleine gelbe Fleck ist Neu-Bürgel, der einzige Teil, der nie überflutet ist", so Bremm.

Sowohl an der Info-Stele am Wanderparkplatz als auch entlang der Wanderwege durch die Urdenbacher Kämpe finden sich immer wieder Hochwasser-Marken. Diese hier zeigt an, dass, wenn der Info-Tafel das Wasser bis kurz unterhalb des Schaubilds reicht, in Düsseldorf ein Pegelstand von 8,80 Metern erreicht ist. Dann muss auch die Schifffahrt auf dem Rhein eingestellt werden.

Auch dieses Foto stammt vom 9. Januar 2018. Die Kreuzung am Alt-Rhein war damals komplett überspült und unbefahrbar. Jetzt fließt hier statt des Wassers wieder der Verkehr. "Wenn wir hier Hochwasser haben, dann wird vor dem Restaurant Extratour die Straße abgesperrt. Dann ist die Durchfahrt hier zwischen Urdenbach und Baumberg komplett zu, weil es einfach kein Durchkommen gibt", erklärt Otto Bremm.

Eigentlich wollte der Auen-Erlebnisbegleiter ein Stück den Weg links von der Kreuzung am Alt-Rhein entlang gehen. Aber vor der ersten Kurve ist Schluss. Schließlich haben nicht alle Gummistiefel an. Otto Bremm nutzt die Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass auf den Wiesen versickerndes Hochwasser die Grundwasserspeicher füllt, die Grundlage für unser Trinkwasser.

Ein zweiter positiver Effekt zeigt sich auf dieser Brennnessel. Der beigefarbene Überzug ist das, was das Hochwasser beim Überspülen mitbringt und übrig lässt, wenn es sich wieder zurückzieht. Otto Bremm: "Das nennt man Sediment. Vor allem die Bauern freuen sich darüber, weil es eine natürliche Düngung ist."

Wer Gummistiefel trägt, ist hier klar im Vorteil. Die "Enge Gasse", die zur Fähre nach Zons führt, ist pfützenreich und matschig. Otto Bremm nennt das schmunzelnd "gelenkschonendes Gelände". Sturm Frederike macht den Ausflug zusätzlich spannend: Er hat ein paar Hindernisse in den Weg gelegt.

Links und rechts von der "Engen Gasse" ähneln die Wiesen oft noch Seen. Dass diese einen Monat zuvor aber noch stärker überspült waren, das zeigt Otto Bremm mit diesem Foto. Es ist ebenfalls am 9. Januar entstanden.

Ganz nebenher lernt die Gruppe von ihm, dass diese Bäume, "deren Stämme aussehen wie das Profil von Winterreifen" Birnbäume sind. Der Apfelbaum rechts im Bild ist der Lieblingsbaum des Auenführers: "So hohl und zweibeinig, wie der da steht, sieht der mausetot aus. Ende März, April ist er aber voller Blüten und im Herbst voller Früchte, ein richtiges Wunder!"

Das ganze Ausmaß des Hochwassers wird am Ausleger der Fähre nach Zons nochmals so richtig deutlich. Der dunkle runde Fleck in der Mitte des Fotos ist ein Parkverbots-Schild. Das Hochwasser verbirgt, dass das Gelände hier ordentlich abfällt und beim Schild die Straße zum Ausleger langführt.

Anfang Januar 2018 war der Fährbetrieb wegen des Hochwassers eingestellt. Inzwischen verkehrt die Fähre wieder, legt aber ein ganzes Stück weiter vorne an als sonst.

Mit Blick auf die Rheinkiesel erläutert Otto Bremm, dass das Hochwasser diese am Ufer und im Flussbett in Bewegung bringe, was eine reinigende Wirkung habe. Zudem brüten Flussregenpfeifer, kleine Vögel, im Kies und legen dort ihre Eier ab, die auch aussehen wie Steine. Daher bittet er Hundebesitzer, ihre Tiere am Rheinufer an die Leine zu nehmen.

Otto Bremm schließt seine Tour mit dem Hinweis darauf, wie romantisch Hochwasser in der Urdenbacher Kämpe sein kann. Die Spiegelungen der Mistel-bewehrten Pappeln und der Kopf-Weiden wirken tatsächlich fast mystisch. Es lohnt sich also, die öffentlichen Wanderwege zu nutzen oder eine Führung mit einem Auen-Erlebnisbegleiter zu buchen.

Stand: 10.02.2018, 00:00