Historische Staudenschätze

Das silbrigblättrige Heiligenkraut links im Foto ist ein historischer Halbstrauch

Historische Staudenschätze

Von Sabine Krüger

Wissen Sie, welche Staude hinter dem Duft von Chanel No.5 steht? Und manch vermeintlich heimische Bauerngartenpflanze musste vor langer Zeit auf Expeditionen entdeckt werden.

Historische Staudenschätze

WDR 4 Drinnen und Draußen 18.05.2019 02:20 Min. WDR 4

Download

Stauden mit Geschichte

Historische Stauden sind solche, die seit über 100 Jahren unverändert kultiviert werden. Ein Schatz, den wir uns im Sinne der Artenvielfalt erhalten sollten. Eine Würdigung.

Astrid Schubert

Für den Duft dieser rotblühenden Pfingstrose geht Astrid Schubert gerne auf die Knie. Sie steht stellvertretend für mehrere Pfingstrosenarten und -sorten, die vor vielen hundert Jahren zu uns kamen. Die Bauernpfingstrose (Paeonia officinalis) beispielsweise brachten wohl Benediktinermönche im frühen Mittelalter über die Alpen hierher. Die chinesische Pfingstrose (Paeonia lactiflora) hat der Naturforscher Peter Simon Pallas im 18. Jahrhundert bei einer Expedition im Auftrag der Zarin Katharina der Zweiten in Sibirien entdeckt.

Für den Duft dieser rotblühenden Pfingstrose geht Astrid Schubert gerne auf die Knie. Sie steht stellvertretend für mehrere Pfingstrosenarten und -sorten, die vor vielen hundert Jahren zu uns kamen. Die Bauernpfingstrose (Paeonia officinalis) beispielsweise brachten wohl Benediktinermönche im frühen Mittelalter über die Alpen hierher. Die chinesische Pfingstrose (Paeonia lactiflora) hat der Naturforscher Peter Simon Pallas im 18. Jahrhundert bei einer Expedition im Auftrag der Zarin Katharina der Zweiten in Sibirien entdeckt.

"Von den historischen Stauden gefallen mir die Pfingstrosen und die Taglilien am besten. Aber wenn ich früher eine Schwäche für gefüllt-blühende Pfingstrosensorten hatte, so würde ich heute eher solche mit einfacher Blüte pflanzen, wo die Insekten Pollen und Nektar finden", erzählt Astrid Schubert.

Bevor Pfingstrosen ihre Knospen öffnen, betreiben sie so viel Photosynthese, dass sie mehr Zucker produzieren als sie selbst brauchen. Dieser überschüssige Zucker kommt als Sirup oben raus. Darüber freuen sich Ameisen genauso wie Bienen und Hummeln. Die Ameisen schaden den Pfingstrosen nicht, im Gegenteil, sie helfen deren Samen zu verbreiten.

Manche botanische Systematiken rechnen Pfingstrose und Christrose zur gleichen Familie, nämlich zu der der Hahnenfußgewächse. "Die Ähnlichkeit erkennt man am besten am Fruchtstand", erklärt die Staudengärtnerin. Der Fruchtstand ist der grüne Pflanzenteil oben im Foto.

Diese Sorte im Botanischen Garten Köln ist eine Kreuzung aus Lenz- und Christrose. Die Ähnlichkeit ihres Fruchtstandes mit dem der Pfingstrose ist nicht abzustreiten. Die Christrose (Helleborus niger) sollen schon die Römer in ihren Gärten gehabt haben. Auf alle Fälle ist sie aber seit 1532 im Kräuterbuch von Otto Brunfels erwähnt. Weil er sich nicht nur auf die Überlieferungen der Antike gestützt, sondern eigene Beobachtungen notiert hat, gilt er als einer der Väter der Botanik.

Die Pflanze mit den silberfarbenen stark gefiederten Blättern ganz links in der Steinvase ist das Heiligenkraut (Santolina chamaecyparissus). Das ist wiederum im Kräuterbuch von Hieronymus Bock aus dem Jahr 1539 gelistet. Er nannte den Halbstrauch "Cypresse" und führte ihn als Heilpflanze gegen Magenbeschwerden. Im 19. Jahrhundert legte man das Heiligenkraut aber nur noch als Mittel gegen Motten zwischen die Wäsche.

Immer noch als Heilpflanze wird dagegen der Salbei eingesetzt (Salvia officinalis). Und das wahrscheinlich schon seit den Eroberungsfeldzügen der Römer. Auch Kaiser Karl der Große empfahl in seiner Landgüterverordnung im Jahr 812 (Capitulare de villis), Salbei anzubauen. Und Hieronymus Bock lobt ihn in seinem Kräuterbuch: "es dienet dem arzet, koch, keller, armen und reichen."

Auch das Maiglöckchen (Convallaria majalis) fehlte nicht in den Kräuterbüchern der Väter der Botanik aus dem 16. Jahrhundert. Als Herzmittel wurde nur die Wildart verwendet, aber es gab, ebenfalls schon im 16. Jahrhundert, auch andere Sorten in den Gärten. "Aus dem Maiglöckchen-Duft hat man schon früh Parfüm gemacht. Sogar Chanel No.5 duftet danach. Aber glücklicherweise wird dieser Duft heute künstlich hergestellt", so Astrid Schubert.

"Das giftige Maiglöckchen kann man vom Bärlauch übrigens gut unterscheiden, auch wenn sie noch nicht blühen. Die Blätter des Bärlauchs sind schmaler, weicher, neigen sich im Bogen zur Erde und wachsen einfach aus der Zwiebel raus. Die breiteren Blätter des Maiglöckchens teilen sich dagegen und sie sind kräftiger", erklärt die Staudengärtnerin anschaulich. Das Foto hier zeigt den Bärlauch (Allium ursinum).

Der Diptam (Dictamnus albus) ist in den Gärten inzwischen nicht mehr oft zu sehen. Er wird auch Brennender Busch genannt, weil er viele ätherische Öle enthält, unter anderen auch Isopren, das brennbar ist. Bei Hitze kann er sich tatsächlich selbst entzünden. Der Diptam findet sich auch in der Landgüterverordnung von Karl dem Großen. Und die kräuterkundige Hildegard von Bingen nutzte ihn im elften und zwölften Jahrhundert als Wundheilmittel und gegen Frauenleiden.

Die Iris ist ein echter Klassiker unter den Bauerngartenstauden. Dies ist eine hohe Bartiris der Sorte "Hello Darkness". Die Iris, oder auch Schwertlilie, gab es aber schon bei den alten Ägyptern. Pharao Thutmosis I. (um 1500 vor Christus) soll sie von seinem Syrienfeldzug nach Hause gebracht haben.

Um so gesunde Stauden im Beet zu haben, wie diese prächtige hohe Bartiris der Sorte "Andalou", empfiehlt Astrid Schubert in renommierten Staudengärtnereien zu kaufen: "In Großbetrieben werden Stauden oft extrem schnell herangezogen, das macht sie anfällig. Stauden müssen aber langsam ans Klima gewöhnt werden. Und alte Sorten bekommt man zudem auf den Raritätenmärkten im Land."

Lesetipps

Alte Staudenschätze
Autoren: Dieter Gaißmayer, Frank M. von Berger
Ulmer Verlag, 2018
39,90 €

Meine Welt der Stauden
Autor: Christian Kreß
Ulmer Verlag 2017
29,90€

Stauden. Die große Enzyklopädie
Autor: Graham Rice, Herausgeber: Royal Horticultural Society
Dorling Kindersley Verlag, 2015
29,95€

Iris in bester Gesellschaft
Autorin: Heidi Howcraft, Fotografin: Christa Brand
Ulmer Verlag, 2019
30,00 €

Stand: 18.05.2019, 00:00