Herein in den Naturgarten

Eine Frau steht hinter einem Gartentor

Herein in den Naturgarten

Von Sabine Krüger

Privatgärtner und -gärtnerinnen öffnen ihre Pforten. Auch Christine Kuchem in Morenhoven in der Voreifel. Die begeisterte Naturgärtnerin zeigt gerne, wie man "Tiere pflanzt".

Herein in den Naturgarten

WDR 4 Drinnen und Draußen 20.07.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 19.07.2020 WDR 4

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Reingeschaut und nachgemacht: Offene Gartenpforte

"Ich bin ein Naturgarten", steht an ihrem Gartentor in Morenhoven in der Voreifel. Damit es davon bald mehr gibt, öffnet Hobbygärtnerin Christine Kuchem ihre Gartenpforte.

Eine Frau steht hinter einem Gartentor

Die 57-Jährige Christine Kuchem beteiligt sich seit letztem Jahr an der Offenen Gartenpforte im Rheinland. "Es kamen auch Leute aus dem Ort, die mir erzählten, dass sie sich bisher nicht reingetraut hätten, aber beim Vorbeigehen immer dachten, dass das ein schöner Garten sei". Das hat sie gefreut und sie meint: "Wenn an einem Zaun das Naturgarten-Schild hängt, einfach mal klingeln und fragen, ob man schauen darf! Die meisten Gärtner werden dann wahrscheinlich gerne die Türe öffnen".

Die 57-Jährige Christine Kuchem beteiligt sich seit letztem Jahr an der Offenen Gartenpforte im Rheinland. "Es kamen auch Leute aus dem Ort, die mir erzählten, dass sie sich bisher nicht reingetraut hätten, aber beim Vorbeigehen immer dachten, dass das ein schöner Garten sei". Das hat sie gefreut und sie meint: "Wenn an einem Zaun das Naturgarten-Schild hängt, einfach mal klingeln und fragen, ob man schauen darf! Die meisten Gärtner werden dann wahrscheinlich gerne die Türe öffnen".

Am auffälligsten sind die übermannshoch-wachsenden gelbblühenden Königskerzen. "Das passt, weil ich in der Königsberger Straße wohne. Deshalb habe ich mir schon überlegt, ob ich meinen Garten 'Hortus Königskerze' nennen soll", scherzt sie. Das hier ist der Blick vom Nutzgarten zum Haus. Die Fassadenbegrünung mit wildem Wein war eine der ersten Aktionen, als sie vor 23 Jahren mit ihrer Familie in ihr Elternhaus zurückgezogen ist. Sie waren sich einig, den ehemaligen Siedlungsgarten in einen Naturgarten umzugestalten.

Seitdem ersetzt sie Schritt für Schritt Prachtstauden durch heimische Wildstauden. Aber eine englische Rose und Taglilien aus ihrem alten Garten dürfen bleiben. Die Bank steht um eine mächtige Magnolie, die ungefähr so alt ist wie sie selbst. Die soll hier auch weiter alt werden, obwohl sie nicht heimisch ist. Die Blüte im Frühjahr ist ein Traum, zwei Äste sind in Herzform gebogen und ihr Schatten kühlt den Sitzplatz auf der Bank.

Diese fröhliche Metallskulptur hat Christine Kuchem auf dem Sperrmüll gefunden. "Ich sammle nicht, aber die fand ich wirklich schön", sagt sie. Die Katzenskulptur dahinter hat leider eine traurige Geschichte, denn da ist die Vorgängerin von ihrer schwarzen Katze "Neo" begraben. Neo sitzt am liebsten auf der Magnolienbank.

Die Hecke aus Wildsträuchern war, zusammen mit der Fassadenbegrünung, eine ihrer ersten Umgestaltungen. Die Sal-Weide ist inzwischen ein richtiger Baum. "Sie blüht sehr früh im Jahr und ist der erste Nektar- und Pollenspender. Dann folgt eine Blüte nach der anderen: vom Weißdorn, über den Hartriegel und so weiter, damit die Nahrungsquelle nicht versiegt. Sträucher sind sogar noch wichtiger als Wildstauden, denn sie bieten zusätzlich Nistplätze, Schutz für Tiere und schaffen ein angenehmes Kleinklima", so Kuchem.

Die Marienkäfer-Nisthilfe auf dem vorigen Foto war wohl bewohnt, denn auf den Blättern der Katzenminze sind Marienkäfer-Larven zu sehen. Die Grafik-Designerin liebt es, sich mit der Fotokamera vors Wildstaudenbeet zu setzen, zu beobachten und zu fotografieren. Die Fotos von ihrem Garten sind auch in vielen Broschüren des NABU zu sehen. Obwohl Christine Kuchem kein Vereinsmensch ist, wie sie sagt, ist sie sowohl im NABU als auch im Naturgarten-Verein aktiv.

Im sonnenbeschienenen hinteren Teil des Gartens stand bei ihren Eltern eine Forsythie. Weil die Garten-Forsythie aber eine Kreuzung ist, die weder Nektar noch Pollen liefert, für die Insekten also nutzlos ist, hat Christine Kuchem an dieser Stelle ein Wildstaudenbeet angelegt. Hier buhlen Königskerzen, Muskatellersalbei und orangefarbener Mohn um Aufmerksamkeit. Davor ein Stapel aus Schieferplatten: "Als Unterschlupf für die Zauneidechsen in meinem Garten. Und Schmetterlinge lassen sich auch sehr gerne auf dieser natürlichen Sonnenbank nieder".

Dass das Wildstaudenbeet Insekten anlockt, kann man hier gut sehen: Eine Gelbbindige Furchenbiene, eine Wildbiene also, sucht auf einer Acker-Kratzdistel nach Nahrung.

Diese Biene lässt es sich auf dem rosablühenden Echten Dost, auch Wilder Majoran, schmecken.

Eine Gemeine Feuerwanze besucht die Blüte einer zart-lila-blühenden Skabiose.

Gegenüber vom Wildstaudenbeet hat Christine Kuchem einfach den Rasen weder gemäht noch gedüngt oder vertikutiert. Entstanden ist eine Wildblumenwiese mit Schafgarbe, Wiesenflockenblume und Rainkohl. "Einfach mal faul sein!", schmunzelt sie. Hier dient die Blüte einer Schafgarbe einem Käfer-Pärchen als Liebesnest.

Auf der anderen Seite vom Wildstaudenbeet stehen ein Tomatendach und drei Hochbeete. "Ich werde ja auch nicht jünger und außerdem baue ich gerne. Die Hochbeete habe ich aus dickem Lärchenholz konisch gebaut, damit mehr Platz ist für die Füße. Und das Gemüse gedeiht prächtig darin. Aber mein Highlight ist, dass jetzt schon zwei Jahre hintereinander der Schwalbenschwanz-Schmetterling seine Eier auf meinen Möhren abgelegt hat", freut sich Christine Kuchem. "Dieses Jahr habe ich ihn leider noch nicht gesehen".

So wunderschön sahen die geschlüpften Schwalbenschwanz-Schmetterlinge aus. Christine Kuchem hat sie natürlich fotografiert. Auf dem rechten Bild kann man unten auch noch eine Raupe sehen. "Normalerweise kriecht die Raupe weg von der Futterpflanze, um sich zu verpuppen. Also habe ich hohle Stöcke neben meine Möhren gesteckt und einen Beobachtungskasten mit Vogelschutznetzen gebaut und drüber gestülpt. So konnte ich miterleben, wie aus den Raupen Schmetterlinge wurden".

Was im Naturgarten auch keinesfalls fehlen sollte: Wasser! Christine Kuchem hat einen kleinen Teich mit Molchen und diese Vogeltränke. Für eine Tränke ist im kleinsten Garten und auch auf dem Balkon Platz. "Efeu ist wichtig im Naturgarten, da es sehr spät im Jahr blüht, wenn es sonst kaum noch andere Nektarquellen gibt. Allerdings dauert es acht bis zehn Jahre, bis eine Efeupflanze zur Blüte kommt".

Christine Kuchem öffnet ihre Gartenpforte in der Königsberger Straße 7 in Swisttal-Morenhoven am Sonntag, 21. Juli 2019 von 12-18 Uhr. Ihre Tochter gibt Infobroschüren zum Naturgarten vom NABU aus und bietet selbstgezogene Pflanzen ihrer Mutter an, während diese die Besucher durch den Garten führt.

Lesetipps:

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Stand: 15.07.2019, 15:00