Zu den Herbstzeitlosen

Sonnenbeschienene weiße und rosafarbene Herbstzeitlose

Zu den Herbstzeitlosen

Von Sabine Krüger

Sie blühen wieder: die Herbstzeitlosen! Zum Beispiel in den Wiesen der Urdenbacher Kämpe bei Düsseldorf. Der Weg zum Blütenmeer führt vorbei an weiteren Wiesenschönheiten.

Zu den Herbstzeitlosen

WDR 4 Drinnen und Draußen 21.09.2019 02:15 Min. Verfügbar bis 20.09.2020 WDR 4

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Giftige Herbstschönheiten

Wo sich Herbstzeitlose wohlfühlen, bilden sie zartrosa bis zartlila Blütenteppiche. "Nur schauen, nicht anfassen!" ist aber das Motto, denn die ganze Pflanze ist sehr giftig!

Regina Thebud-Lassak in der Urdenbacher Kämpe

Botanikerin Regina Thebud-Lassak führt für das Gartenamt Düsseldorf zu den Herbstzeitlosen in der Urdenbacher Kämpe. Leider ist das Wetter grau und regnerisch: "Bei strahlendem Sonnenschein sind die Blüten in der Regel viel mehr geöffnet", bedauert sie. Aber das Wetter lässt sich nun mal nicht bestellen, und hat man erst einmal den Blick auf die zarten Blüher am Boden fokussiert, wird das Blütenmeer erkennbar.

Botanikerin Regina Thebud-Lassak führt für das Gartenamt Düsseldorf zu den Herbstzeitlosen in der Urdenbacher Kämpe. Leider ist das Wetter grau und regnerisch: "Bei strahlendem Sonnenschein sind die Blüten in der Regel viel mehr geöffnet", bedauert sie. Aber das Wetter lässt sich nun mal nicht bestellen, und hat man erst einmal den Blick auf die zarten Blüher am Boden fokussiert, wird das Blütenmeer erkennbar.

"Hier sind sicherlich Zehntausende von Herbstzeitlosen", sagt die Botanikerin. Und wirklich: Zwischen dem gemähten Gras schießen überall zartrosa Blütenköpfe in die Höhe. Elke Löpke, Leiterin der Biologischen Station Haus Bürgel, die die Wiesen betreut, erklärt, dass sie zweimal im Jahr gemäht werden. Sonst würden sie verbuschen und der Lebensraum der Herbstzeitlosen wäre verschwunden. "Das Mähen übernehmen dankenswerterweise Landwirte, die das Heu an Pferde verfüttern."

Auch wenn diese Herbstzeitlose (lat.: Colchicum autumnale) angeknabbert aussieht: Keinesfalls essen oder anfassen, denn die ganze Pflanze ist stark bis tödlich giftig! "Die Blätter der Herbstzeitlosen treiben erst im nächsten April aus", erklärt die Botanikerin. "Das unterscheidet sie von Herbst-Krokussen, die auch im Herbst Blätter haben."

"Das ist ein Albino, das sieht man selten!", freut sich Regina Thebud-Lassak und kniet auch schon mit ihrer Kamera vor der weißen Blüte. Auf der rosafarbenen Blüte rechts über der weißen erkennt man eine Ameise. Sie hilft, die Herbstzeitlosen zu verbreiten. Denn wie beim Schneeglöckchen und Veilchen hat ihr Samen ein fett- und stärkehaltiges Anhängsel, das Ameisen unter den Boden verschleppen.

Aber auch dieser Käfer scheint Gefallen an Herbstzeitlosen zu finden. In Nordrhein-Westfalen haben die Herbstblüher in Deutschland ihre nördliche Verbreitungsgrenze und gelten laut Roter Liste als "gefährdet". "Die artenreichen Wiesen in der Urdenbacher Kämpe wurden 1989 von der NRW-Stiftung gekauft, weil sie so schützenswert sind. Die Flächen werden an Landwirte verpachtet, zu einem moderaten Preis, weil hier im Naturschutzgebiet weder gedüngt noch gespritzt werden darf", so Elke Löpke von der Biostation Haus Bürgel.

Vor den trockeneren, weil etwas höher gelegeneren Glatthaferwiesen, auf denen die Herbstzeitlosen wachsen, durchstreift die Gruppe eine feuchtere Wiese. Dort klärt die Infotafel über die Artenvielfalt beider Typen auf: Den feuchteren Teil bevorzugen Blutweiderich, Mädesüß und Wiesensilge, während auf dem trockeneren Herbstzeitlose, Wiesenpippau und Wiesenbocksbart wachsen.

Die Gewöhnliche Wiesensilge (lat.: Silaum silaus) fühlt sich besonders in wechselfeuchten Gebieten wohl, wie hier im Überschwemmungsgebiet der Urdenbacher Kämpe. "Man erkennt den Doldenblütler an seinen leicht gelblichen Blüten", erklärt Regina Thebud-Lassak. Hier trägt die Silge auch schon Früchte. "Weil die Pflanze laut Roter Liste gefährdet ist, sammeln wir zusammen mit Ehrenamtlichen ihre Samen und verkaufen sie, damit sie weiter verbreitet werden", so Elke Löpke.

Hier spinnt offenbar eine Spinne am Altweibersommer. Es sieht fast so aus, als wolle sie sich einen Strauß wunderschön bordeauxroter Wiesenknöpfe binden. Der Wiesenknopf (lat.: Sanguisorba officinalis) ist in Nordrhein-Westfalen nicht gefährdet und wächst auf beiden Wiesentypen in der Urdenbacher Kämpe.

Der Schmetterling der Art "Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling" ist auf den Großen Wiesenknopf angewiesen. Seine Raupen ernähren sich anfangs ausschließlich von dessen Blüten. Der Schmetterling war leider nicht zu sehen. Dafür hat sich diese Fliege auf dem Wiesenknopf in Szene gesetzt.

Hier kombiniert die Natur Wiesenknopf und Silge aufs Schönste.

Wie massenhaft die himbeerfarbenen Wiesenknöpfe in den Auen der Urdenbacher Kämpe wachsen, wird hier deutlich. Die roten Kolben wiegen sich federleicht im Wind. Das ist mindestens so beeindruckend wie der Blütenteppich der Herbstzeitlosen.

Zwischen Silgen und Wiesenknöpfen wächst hier auch Beinwell (lat.: Symphytum officinale). Beinwell enthält Allantoin, was erwiesenermaßen die Durchblutung und Zellbildung anregt. Trägt man dessen pürierte Blätter auf die Haut auf, soll das die Wundheilung fördern. Gemüsegärtner machen aus ihm Pflanzenjauchen, um die Starkzehrer im Gemüsebeet, wie Kohl, zu düngen.

Die Biologische Station Haus Bürgel bittet darum, diese artenreichen Wiesen zu schützen: Nichts pflücken, nichts ausgraben! Da die Wiesenpflanzen empfindlich sind, sollten Besucher auf den Wegen bleiben oder den Anblick von den Bänken aus genießen. Hunde bitte anleinen und Kot einsammeln! Denn der verdirbt das Heu für die Pferde. Im Frühjahr könnten zudem Junghasen gestört werden und Vögel, die in den Wiesen brüten.

Die Belohnung für den Wiesenschutz sind dann Anblicke wie diese.

Und so kommen Sie hin: Parken auf dem Wanderparkplatz "Piels Loch" am Baumberger Weg. Von dort links über die Brücke des Alt-Rheins, ohne die Straße zu überqueren, und direkt wieder links einschwenken auf den Damm. Bei der Infotafel zu den artenreichen Wiesen rechts abbiegen. Das entspricht dem Anfang der Entdeckertour "Natur pur" auf der im Beitrag verlinkten Wanderkarte der Urdenbacher Kämpe. Andere Vorkommen von Herbstzeitlosen in NRW finden Sie auf der ebenfalls verlinkten Seite “Natur erleben NRW".

Lesetipps:

Blütenrausch im Rheinland. 14 Streifzüge für alle Sinne
Autorin: Kerstin Goldbach
J. P. Bachem Verlag, 2018
14,95 €

Das große Buch der Gartenblumen
Autoren: Andreas Barlage, Frank M. von Berger
Ulmer Verlag, 2016
29,90 €

Stand: 20.09.2019, 14:09