Was im Herbst zu tun ist

Was im Herbst zu tun ist

Was im Herbst zu tun ist

Von Sabine Krüger

Was können wir jetzt tun, um Gemüse und Stauden im nächsten Jahr einen guten Start zu verschaffen? Bea Frenzke vom VHS-Biogarten Köln zeigt auch, was man lassen sollte.

Was im Herbst zu tun ist

WDR 4 Drinnen und Draußen | 20.10.2018 | 02:23 Min.

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Nachhaltig gärtnern im Herbst

Im Herbst fällt oft Schnittmaterial an, das im Sinne des nachhaltigen Gärtnerns sinnvoll für den Garten genutzt werden kann. Ein Kurs im Kölner VHS-Biogarten gibt Anregungen.

Was im Herbst zu tun ist

Bea Frenzke arbeitet ehrenamtlich im Biogarten am Thurner Hof in Köln mit. Immer wieder leitet sie dort auch als Honorarkraft für die Volkshochschule Gartenkurse. Diesmal zu den Aufgaben, die im Herbst anfallen. Ein besonderes Anliegen ist es ihr, zu vermitteln, dass Laub, Ast- und Baumschnitt keine Abfälle sind.

Bea Frenzke arbeitet ehrenamtlich im Biogarten am Thurner Hof in Köln mit. Immer wieder leitet sie dort auch als Honorarkraft für die Volkshochschule Gartenkurse. Diesmal zu den Aufgaben, die im Herbst anfallen. Ein besonderes Anliegen ist es ihr, zu vermitteln, dass Laub, Ast- und Baumschnitt keine Abfälle sind.

Stabile Holzpflöcke bilden das Gerüst für eine Benjeshecke. Gefüllt wird sie mit grobem Material vom Heckenschnitt. Das Laub, das zum Schutz des Grases unter dem Obstbaum weggeharkt wurde, wird für einen Laubkompost gesammelt. Der kommt vor allem Pflanzen zugute, die saure Böden brauchen, wie Maiglöckchen und Himbeeren.

Bei wem nur wenig Astschnitt angefallen ist und wer keinen Platz hat für eine große Benjeshecke, der kann auch ein kleines Tipi bauen. Mit Weidenzweigen wird es zusammengehalten. Beides erfüllt denselben Zweck: Im Winter fliegen gerne Vögel rein oder es verstecken sich Igel darin, weil sie dort vor Katzen sicher sind. Die verrottenden Äste nähren den Boden darunter und dekorativ ist das Ganze auch noch.

Wer gleich mehrere Bäume fällen musste, der kann sich auch eine stattliche Totholzwand in den Garten stellen. Sie trennt Gartenräume voneinander ab oder dient als Sichtschutz. Geht man näher ran, entdeckt man Bohrspuren von Insekten und Käfern. Besonders für Großkäfer, wie Nashorn- oder Hirschkäfer sind das ideale Lebensräume. Sie legen ihre Eier in morsches Holz und ihre Larven bleiben dort bis zu sieben Jahre, bevor sie es als Käfer wieder verlassen.

Besonders bizarr geformte Stücke von Baumstümpfen haben ihren großen Auftritt im Schattenbeet, zwischen Farnen und Funkien. Das verrottende Holz lässt die Schattenstauden besser wachsen und hält den Boden feucht und frisch. Das Schattenbeet im Kölner Biogarten hat den trockenen Sommer so sehr gut überstanden. Und solche Charakter-Hölzer zieren übrigens auch die Farnbeete in Highgrove, dem Garten von Prinz Charles.

Auch trockenes, stehendes Totholz ist für den Garten wertvoll. Bei diesem Baum musste die Krone gekappt werden. Auf Wunsch des Biogarten-Teams blieb aber der Baum-Torso bis circa vier Meter Höhe stehen. Dort hängt nun ein Fledermaus-Nistkasten und der Specht freut sich über Insekten-Nahrung in der Rinde, genauso wie der Kleiber und der Baumläufer.

Diese "Unordnung" auf dem Gemüsebeet ist gewollt: Hier liegen Pflanzenreste auf dem abgeernteten Beet zur Flächenkompostierung. "Beim Winterschutz sollten wir uns an der Natur orientieren und freie Flächen kommen in der Natur nicht vor. Bodenkundler würden von einer Bodenstörung sprechen", erklärt Bea Frenzke. "Regen und Wind würden den Boden verdichten und den Bodenlebewesen Wärme, Feuchtigkeit und Sauerstoff nehmen. Pflanzenreste dagegen nähren sie."

Eine andere Möglichkeit, dem Boden im Gemüsebeet im Winter etwas Gutes zu tun, ist Gründüngung zu säen. Auf diesem Beet wächst Buchweizen. Er wird den Boden gut durchwurzeln und lockern. Im Frühjahr werden die abgestorbenen Pflanzenreste dann in den Boden eingearbeitet. Verschiedene Gründüngungspflanzen erfüllen unterschiedliche Zwecke: Gelbsenf bedeckt zum Beispiel schnell den Boden und unterdrückt Unkraut.

"Mediterrane Kräuter, wie hier dieser Lavendel, können auch im Rheinland Frostschäden davon tragen", warnt Bea Frenzke. Im Kölner Biogarten hat man aus der Erfahrung gelernt. "Wir stellen unsere Weihnachtsbäume nicht an den Straßenrand, sondern bringen sie hier in den Garten. Denn die kleingeschnittenen Äste geben einen prima Frostschutz für Lavendel, Rosmarin und Lorbeer ab", empfiehlt sie.

Zur Demonstration steckt sie einen Thuja-Zweig in den Boden, der den Lavendel perfekt umhüllt. "Machen Sie es im Rheinland nicht zu früh, denn wir haben hier selten schon im November und Dezember langanhaltenden Frost. Und sie sollten den Schutz auch nicht zu spät entfernen, um die Pflanzen frühzeitig bei kühlem Wetter langsam ins Frühjahr kommen zu lassen", so Frenzke.

Sie rät auch sehr dazu, im Garten Spätblüher zu pflanzen. Im Biogarten der Volkshochschule Köln leuchten einem derzeit schon von weitem weiße Schäume entgegen: Astern! Sie sind ein Fest für Bienen und Hummeln.

Nur der gelbe Sonnenhut (lat.: Rudbeckia) versucht, ihnen den Platz streitig zu machen. Wer dessen Samen ernten möchte, um sie im April oder Mai auszusäen, der schneidet ein paar welke Blütenstände ab und lagert die reifen Samen trocken, dunkel und kühl. Die Temperatur sollte über einige Wochen unter 5°C liegen, denn Sonnenhut ist ein Kaltkeimer.

Ansonsten sollte man verblühte Stauden nicht im Herbst zurückschneiden, sondern bis zum Frühjahr stehenlassen. Denn sie schützen die Pflanze vor Frost und Wind. Bea Frenzke schiebt die Halme der Fetthenne mit ihren großen Dolden beiseite und demonstriert, dass sich unten schon zarte neue Triebe zeigen. "Würden wir die Dolden abschneiden, wären diese Triebe nicht mehr vor den kalten Winterwinden geschützt", erklärt sie.

Zudem haben verblühte Stauden ihren eigenen Reiz, wie man hier links von den überschäumenden Astern sehen kann: Hochaufragende welke Artischocken und Karden sind zierende Gestaltungselemente im Herbst- und Wintergarten. In bunte Farben getaucht werden die Karden dann wieder, wenn sich auf ihnen die gelb-rot-schwarzen Distelfinken tummeln, auf der Suche nach Samen.

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Stand: 20.10.2018, 00:00