Hecken für Vögel

Henry Nordmann (im Vordergrund mit rotem Spaten)

Hecken für Vögel

Von Sabine Krüger

Hecken strukturieren die Landschaft und bieten zahlreichen Tieren Schutz, Nistplätze und Nahrung. Wir berichten von einer Pflanzaktion bei Leverkusen und geben Tipps für lebendige Hecken in Hausgärten.

Vielfalt pflanzen: Hecken

Maschinell bewirtschaftete Ackerflächen lassen Hecken aus unserem Landschaftsbild verschwinden. Viele Insekten und Vögel sind aber auf diesen Lebensraum angewiesen. Ein Plädoyer für heimische Wildsträucher.

Sönke Geske

Sönke Geske, Geschäftsführer der NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln, hat zur Heckenpflanzaktion im Leverkusener Leimbachtal aufgerufen. Dort, wo ein großes Feld an ein kleines Waldstück grenzt, soll ein Heckenstreifen gepflanzt werden. Der soll verhindern, dass Spaziergänger eine Abkürzung durch die Schonung nehmen und Wildtiere aufschrecken. Und die Wildsträucher sollen möglichst vielen Insekten und Vögeln neuen Lebensraum bieten.

Sönke Geske, Geschäftsführer der NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln, hat zur Heckenpflanzaktion im Leverkusener Leimbachtal aufgerufen. Dort, wo ein großes Feld an ein kleines Waldstück grenzt, soll ein Heckenstreifen gepflanzt werden. Der soll verhindern, dass Spaziergänger eine Abkürzung durch die Schonung nehmen und Wildtiere aufschrecken. Und die Wildsträucher sollen möglichst vielen Insekten und Vögeln neuen Lebensraum bieten.

Dazu braucht es engagierte Mitstreiter, die mit Kreuzhacken und Spaten Pflanzlöcher ausheben. Fünf hauptamtliche Mitarbeiter und acht Ehrenamtler beteiligen sich und haben sichtlich Spaß daran. Der 65-jährige Henry Nordmann mit dem roten Spaten (vorne im Bild) hat vor ein paar Jahren eine NABU-Mitgliedschaft geschenkt bekommen: "Ich habe 30 Jahre lang im IT-Bereich gearbeitet, also vor dem PC gesessen. Das hier macht Spaß und ist sinnvoll."

Außerdem braucht es natürlich Werkzeug und Heckenpflanzen. Damit die Hecke später möglichst vielen Tieren einen Lebensraum bieten kann, werden ausschließlich heimische Wildsträucher aus der Region gepflanzt. Sie kommen mit den hiesigen Standortbedingungen am besten zurecht und sind am nützlichsten für das Ökosystem: also für Wildtiere, Insekten und Vögel.

Alles in allem soll eine Fläche von 18.000 Quadratmetern mit Sträuchern bepflanzt werden. Dafür hat die Biologin Claudia Heitmann, die für die Schutzgebietsbetreuung zuständig ist, 500 Stecklinge besorgt. Und zwar: Weißdorn, Kreuzdorn, Feldahorn, Weinrose, Kornelkirsche und Schlehe. Die Hochwachsenden werden an der Waldseite gepflanzt und die Niedrigeren, wie die Weinrosen, kommen an die Seite zum Feld.

Der 40-jährige Marco Horling (vorne mit Schiebermütze) hat im Internet von der Pflanzaktion erfahren und gleich noch zwei Freunde mobilisiert. Der Austausch mit Gleichgesinnten und die körperliche Arbeit mit der Kreuzhacke haben ihm viel Spaß gemacht: "Wir kommen wieder und machen auch noch ein bisschen Werbung, damit das nächste Mal noch mehr mitmachen."

Erst ein Pflanzloch ausheben mit Spaten und Kreuzhacke gegen widerborstige Wurzeln. Dann kommt der Steckling rein, die Erde festtreten – fertig! Das Angießen erledigt im Spätherbst die Natur. Deshalb ist diese Jahreszeit auch der ideale Zeitpunkt fürs Heckenpflanzen.

Bei so viel Elan ist der zu bepflanzende Streifen schnell mit Wildsträuchern bestückt und die Schubkarre leert sich. Die 44-jährige Iris Lieg (rechts im grünen Overall) ist zwar Ehrenamtlerin, aber mit professionellem Hintergrund: Die gelernte Forstwirtin ist vor drei Jahren im Leverkusener Grünflächenamt wieder in den Beruf eingestiegen. Mit der Pflanzaktion möchte sie sich zusätzlich für die Natur einsetzen.

Geschafft – der drei Meter breite Streifen ist bepflanzt! "So sieht das ein bisschen armselig aus", lacht Claudia Heitmann, "aber in zwei, drei Jahren ist das eine schöne Hecke." – "Klar, weil man ja immer dann pflanzt, wenn an den Stecklingen gerade keine Blätter dran sind", bestätigt Sönke Geske, der mit den Arbeiten auch sehr zufrieden ist.

Diese Hecke am gegenüberliegenden Waldrand wurde bei einer ähnlichen Aktion vor 15 Jahren gepflanzt. "In regelmäßigen Abständen darf zwischen den Sträuchern eine Hasel oder ein Feldahorn groß wachsen – als Sitzwarte für Greifvögel", erklärt Claudia Heitmann. "Und im Frühling blüht die Hecke wunderschön und ist voll von Insekten und Vögeln", freut sich Sönke Geske.

Da das bei der aktuell gepflanzten Hecke noch etwas dauert, gibt es jetzt schon mal zur Belohnung Kaffee und Berliner. Henry Nordmann freut sich auf die Dusche. Denn anstrengend ist der Kampf gegen das Wurzelwerk im Boden am Waldrand schon. Aber das sei eben sein Fitness-Studio, sagt er.

Hecken für Vögel

WDR 4 Drinnen und Draußen | 02.12.2017 | 02:35 Min.

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Landschaftliche Lebensadern

Früher waren Hecken prägend fürs Landschaftsbild. Der Begriff kommt vom althochdeutschen "hegga"“, was so viel heißt wie "hegen", "umzäunen". Im Mittelalter hat man mit ihnen Ackerland vom Weideland abgegrenzt. "Deshalb sind Feldgehölze auch dornig. Sie sollten das Vieh abhalten", erklärt Sönke Geske, Geschäftsführer der NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln. Die industrialisierte Landwirtschaft, in der große Flächen maschinell bearbeitet werden, habe die Hecken zurückgedrängt. Damit seien leider auch wichtige Lebensräume für Insekten, Vögel und Wildtiere verloren gegangen.

Heimische Wildsträucher sind am wertvollsten

Dem wirkt die Biostation entgegen, indem sie, mit der Unterstützung von Freiwilligen und im Auftrag der Stadt Leverkusen, neue Hecken pflanzt. Wichtig sei, die Heckenpflanzen zu setzen, die der Tierwelt am meisten nützten. Das seien heimische Wildsträucher. "Weil das die Pflanzen sind, die hier von Natur aus vorkommen und deswegen am besten in das Ökosystem passen. Andere Pflanzen und Tiere haben sich darauf eingestellt, sind zum Teil darauf angewiesen, als Nahrungspflanze, als Brutpflanze", betont die 30-jährige Landschaftsarchitektin Hannah Brüggemann, die in der Biostation für die Umweltbildung zuständig ist.

Vielfalt statt Monokultur

Um möglichst vielen verschiedenen Tieren einen Lebensraum zu bieten, sollte eine Hecke aus unterschiedlichen Wildsträuchern bestehen. "Heutzutage sieht man um Hausgärten herum häufig Buchen-Hecken. So schön die Buche auch ist, sinnvoller für die Natur ist es, eine vielfältige Hecke zu pflanzen", rät Sönke Geske. Für die Pflanzaktion im Leverkusener Leimbachtal haben er und seine Kollegin, die Biologin Claudia Heitmann, daher folgende Sträucher besorgt: Weißdorn, Kreuzdorn, Feldahorn, Weinrose, Kornelkirsche und Schlehe.

Auch für Hausgärten geeignet

All diese Sträucher könne man auch als Hecke um Hausgärten pflanzen. Sie wüchsen zwar etwas langsamer und breiter als Thuja und Kirschlorbeer, aber man könne auch diese Wildsträucher zurückstutzen. "Wer allerdings mehr Platz im Garten hat, kann gerne auch einen Strauch einzeln in den Garten setzen und ihn dann auswachsen lassen. Einen Haselstrauch zum Beispiel", empfiehlt Sönke Geske. Damit steige der ökologische Wert der Pflanze nochmals. "Von Thuja und Kirschlorbeer raten wir ab", sagt Geske, "es gibt keine Insekten, keine Vögel, die daran irgendwie eine Freude hätten."

Blickdicht oder nicht?

Das Thema Blickdichtheit von Hecken werde überbewertet, meint Geske: "Schließlich läuft man ja dann, wenn die Sträucher keine Blätter mehr haben, selten in Bikini oder Badehose durch den Garten." Die einzige heimische immergrüne Pflanze sei die Eibe. Wer aber in seinem Garten möglichst viel Leben beobachten wolle, der sei mit einer vielfältigen Wildsträucher-Hecke besser bedient. In der Hecke, die die Biostation vor 15 Jahren am Waldsaum gegenüber gepflanzt hat, wimmele es im Frühjahr nur so von Insekten, Singdrosseln, Amseln, Heckenbraunellen, Rotkehlchen und Zaunkönigen. "Und sie wirkt auch ziemlich dicht", findet Claudia Heitmann.

Lesetipps

Hecken. Lebensräume in Garten und Landschaft
Autor: Uwe Westphal
pala-Verlag, 2015
16 €

Wildobst. Schlehe, Hagebutte und Co. für meinen Garten
Autorin: Ina Sperl
Ulmer Verlag, 2016
24,90 €

Mein Naturkalender 2018
Illustrator: Christopher Schmidt
pala-Verlag, 2017
19,90 €

Stand: 02.12.2017, 00:00