Handwerker-Stichprobe: Dachdecker

Handwerker-Stichprobe: Dachdecker

Von Marco Jankowski

Wer schon einmal im wahrsten Wortsinn einen Dachschaden hatte, weiß: Hier muss schnell Hilfe her. Denn sonst droht schnell der Wasserschaden. Aber wie gut arbeiten Dachdecker? Wir haben es mit versteckter Kamera getestet.

Sturmschaden = Versicherungsschaden

Unser Experte Rene Felten, selbst öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und ausgebildeter Dachdeckermeister aus Aachen, empfiehlt: Im Falle eines möglichen Sturmschadens als allererstes die Versicherung zu kontaktieren – am besten direkt mit Fotos vom Schaden.

Der Hintergrund: Besonders perfide Abzocker versuchen gerne, dem Kunden neben der eigentlichen Reparatur gleich noch größere Maßnahmen, etwa eine komplette Dach-Sanierung anzubieten. Hier wird es aber kniffelig und unübersichtlich, denn: Grundsätzlich deckt die Versicherung erst einmal nur die Wiederherstellung des Zustands vor dem Sturmschaden ab – selbst wenn die Konstruktion unter den Ziegeln nicht mehr zeitgemäß oder gar fehlerhaft sein mag, werden Arbeiten, die über die reine Behebung des Sturmschadens hinausgehen, in den meisten Fällen seitens der Versicherung erst einmal abgeblockt. Der Kunde bleibt also auf allen Kosten sitzen.

Das Bild zeigt ein Dach, an dem einige Ziegel lose sind. Es handelt sich um einen Sturmschaden.

Halten Sie sich an diese Vorgehensweise, damit Sie am Ende nicht alleine auf den Kosten sitzen bleiben.

Hier hilft also nur ein penibles Vorgehen „nach Protokoll“: Schaden bei der Versicherung melden, Fotos schicken, Empfehlung der Versicherung abwarten, Handwerker kommen lassen, Kostenvoranschlag machen lassen und dann das grüne Licht der Versicherung abwarten. Sollte der Handwerker bei der Begehung vor Ort vermeintlich notwendige weitere Ausbesserungen ausfindig machen, bitten Sie ihn, Ihnen entsprechende Fotos zu machen und bestehen Sie erst einmal nur auf der Behebung des Sturmschadens. Anhand der Fotos und der Empfehlung des Handwerkers kann dann im Gespräch mit der Versicherung abgeklärt werden, ob weitere Maßnahmen zielführend oder notwendig sind – und ob diese von der Versicherung abgedeckt wären oder nicht.

Vorsicht vor den „Dachhaien“

„Dach- und Fassadenhaie“ ist ein Begriff, der in den letzten Jahren immer mehr die Runde gemacht hat. Es handelt sich dabei um eine sehr beliebte Masche von schwarzen Schafen, die unaufgefordert vor der Haustür auftauchen und dem Kunden weismachen wollen, ihnen „sei da was aufgefallen“. Gerne wird etwa behauptet, man habe irgendwo in der Nachbarschaft auf dem Dach gearbeitet und dabei ganz zufällig auch registriert, dass es auf dem Dach des Kunden an einigen Stellen sehr marode oder gefährlich aussähe. Oftmals bitten die Handwerker dann darum, sich das Ganze einmal – ganz unentgeltlich – ansehen zu dürfen, nur um dann, wenn der besorgte Hausbesitzer darauf anspringt, auf dem Dach ganz viele vermeintliche Schäden und Schwachstellen zu finden.

Das Bild zeigt zwei Dachdecker auf einem beschädigten Dach.

Lassen Sie keine Handwerker ins Haus, die behaupten sie hätten vermeintliche Schäden und Schwachstellen am Haus entdeckt.

Besonders gern sind die Dach- und Fassadenhaie in Gebieten unterwegs, wo viele Senioren und Rentner leben, da man sich erhofft, denen mit ein bisschen Panikmache problemlos eigentlich unnötige Maßnahmen andrehen zu können. Diese werden dann oftmals auch noch ohne Rechnung oder Angabe des eigenen Firmennamens auf der Stelle durchgeführt, sodass dem Kunden am Ende jegliche Belege und damit Gewährleistungsansprüche fehlen.

Hier gilt ganz klar und prophylaktisch: Finger weg! Wenn Sie tatsächlich besorgt sind, dass auf dem Dach etwas nicht in Ordnung ist, kontaktieren Sie lieber einen Meisterbetrieb (möglichst aus dem Ort), der sich das Ganze einmal anschaut und einen transparenten Kostenvoranschlag macht. Im Zweifelsfall einfach einen Sachverständigen hinzuziehen, der das Ganze noch einmal unabhängig betrachtet und auch den Kostenvoranschlag prüft.

Finger weg von Callcentern/Servicehotlines!

In mittlerweile dutzenden Handwerker-Stichproben haben wir immer wieder Erfahrungen mit sogenannten „Handwerker-Servicehotlines“ gemacht, die eine schnelle und unkomplizierte Vermittlung von Handwerkern versprechen. Unseren Erfahrungswerten nach hat sich dieser Weg eigentlich nie gelohnt, denn selbst wenn – wie im vorliegenden Fall – uns tatsächlich mal ein sehr seriöser und kompetenter Handwerker vermittelt wurde, so sind die Vermittlungsgebühren sehr hoch (im aktuellen Fall: 75 Euro!) und stehen in keinem Verhältnis zur Tätigkeit, die die Callcenter ausüben. So verführerisch es auch sein mag, das erste Suchergebnis im Internet anzurufen (denn das sind in der Regel die Servicehotlines): Besser für den eigenen Geldbeutel und auch eine transparente Abwicklung ist es allemal, an den richtigen Stellen – z.B. in der Kreishandwerkerschaft oder der jeweils zuständigen Handwerkerinnung – selbst nach entsprechenden Firmen suchen, sich die Homepages der Firmen genau anzusehen (Gibt es zum Beispiel Referenzen oder Arbeitsbeispiele?) und sich das Geld für den „Mittelsmann“ zu sparen.

Stand: 19.01.2017, 18:15