Grüne Apotheke

Drinnen und Draußen: Grüne Apotheke

Grüne Apotheke

Von Sabine Krüger

Oft sind Botanische Gärten aus Klostergärten entstanden oder sie dienen der pharmazeutischen Forschung. Höchste Zeit, die Heilpflanzen in den Botanischen Gärten zu würdigen!

Drinnen und Draußen: Grüne Apotheke

WDR 4 Drinnen und Draußen | 23.06.2018 | 02:20 Min.

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Grüne Apotheke: Von Tees und "Drogen"

"Drogen" nennt man die Pflanzenteile, die zur Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln verwendet werden. Ein rauschfreier Rundgang durch den Botanischen Garten Düsseldorf.

Drinnen und Draußen: Grüne Apotheke

Professor Dr. Rainer Kalscheuer arbeitet am Institut für Pharmazeutische Biologie und Biotechnologie der Universität Düsseldorf. Und er leitet den Rundgang zur "Grünen Apotheke" im Botanischen Garten Düsseldorf. Die Blüten der Linde enthalten beispielsweise Schleimstoffe, die als Tee gegen Erkältungen wirken und den Hustenreiz unterdrücken.

Professor Dr. Rainer Kalscheuer arbeitet am Institut für Pharmazeutische Biologie und Biotechnologie der Universität Düsseldorf. Und er leitet den Rundgang zur "Grünen Apotheke" im Botanischen Garten Düsseldorf. Die Blüten der Linde enthalten beispielsweise Schleimstoffe, die als Tee gegen Erkältungen wirken und den Hustenreiz unterdrücken.

Eine Augenweide ist der Lavendel im Bauerngarten. Lippenblütler, wie auch Rosmarin und Thymian, sind reich an ätherischen Ölen. Beim Lavendel steckt der Wirkstoff, der krampflösend und beruhigend wirkt, in den Blüten. "Meist findet man ihn in Kombinationspräparaten zusammen mit anderen Pflanzen, wie beispielsweise dem Baldrian", so Kalscheuer.

Und so sieht der Baldrian aus (lat.: Valeriana officinalis). Man erkennt ihn auch am charakteristischen Duft, den zudem Katzen besonders gerne mögen. Der Baldrian ist eine Wurzeldroge. "Baldrianpräparate muss man allerdings mehrere Tage lang, bis ein, zwei Wochen einnehmen, bevor sie ihre beruhigende Wirkung entfalten", erklärt der Rundgangs-Leiter.

Das schwarze Bilsenkraut ist ein Nachtschattengewächs wie die Kartoffel. Es ist sehr giftig. Aber man kann aus ihm einen Stoff gewinnen, der in Medikamenten gegen Durchfall eingesetzt wird. Man findet ihn beispielsweise in Buscopan.

Der hier abgebildete Wiesen-Storchschnabel wird zwar in der Pharmazie nicht eingesetzt, aber seine Verwandte: "Die Kapland-Pelargonie aus Südafrika liefert den Wirkstoff für Umckaloabo", erläutert Rainer Kalscheuer. "Das Medikament wird gegen akute Bronchitis verwendet. Hier ist die Droge wieder die Wurzel."

"Ebenfalls viel Umsatz in den Apotheken wird mit dem Wirkstoff des Ginkgo gemacht. Diese Baumart ist ein lebendes Fossil, mehrere hundert Millionen Jahre alt. Was man verwendet, sind die Blätter: Deren Inhaltsstoffe können die Durchblutung fördern. Extrakte aus Ginkgo-Blättern werden genutzt, um die geistige Leistungsfähigkeit zu steigern", erklärt der Professor.

Ein weiterer Baum mit Heilkraft ist der Weißdorn, der hier schon seine Früchte ausbildet. Als Droge dienen die Blüten und Blätter. Die darin enthaltenen Flavonoide produzieren Calcium, das dafür sorgt, dass sich Muskeln zusammenziehen. Deshalb werden die Wirkstoffe des Weißdorns zur Herz-Stärkung eingesetzt.

Ähnlich funktionieren die Wirkstoffe des Fingerhuts, obwohl der giftig ist. Würde man direkt die Blätter verwenden, ließe sich dies nicht fein genug dosieren. Deshalb isoliert man stattdessen nur den Wirkstoff aus ihnen. Im richtigen Maß kann dieser dann im Medikament heilend wirken.

Das Schleifenblumenkraut ist ein Kreuzblütler mit vier Kronenblättern, wovon zwei kleiner und zwei größer sind. Die Blüte sieht also etwas schmetterlingsähnlich aus. "Extrakte aus der Schleifenblume wirken appetitanregend. Sie sind beispielsweise in dem Magen-Darm-Medikament Iberogast enthalten", erläutert der Wissenschaftler.

Inhaltsstoffe aus insgesamt neun Pflanzen kommen in Iberogast zusammen, auch solche vom Schöllkraut. Viele streichen aber auch dessen gelben Milchsaft auf Warzen. Der Wissenschaftler bestätigt: "Warzen werden von Viren verursacht. Wenn man mit der zellschädigenden Wirkung des Schöllkrauts das befallene Gewebe angreift, sterben mit ihm auch die Viren ab."

Achtung vor diesem Doldenblütler, dem Gefleckten Schierling! "Schon wenige Milligramm reichen aus, um einen Menschen zu töten, und er ist geschmacksneutral", warnt Rainer Kalscheuer. Von der ungefährlichen Wilden Möhre unterscheidet er sich unter anderem durch rot-violette Flecken am Stängel.

Gleich doppelt hilft dagegen diese Pflanze, die Aloe. "In den äußeren Schalen der Blätter sind Anthranoide enthalten, die man für Abführmittel verwenden kann", erläutert der Professor. Bekannter ist, dass die Aloe gegen Verbrennungen hilft. Eine  Rundgangsteilnehmerin erklärt wie: "Blatt abknipsen, Flüssigkeit rausdrücken und über die Wunde streichen! Sie bekommen keine Blase, keine roten Flecken – nichts!"

Lesetipps

Die Grüne Apotheke. Vom Hortus Medicus zur Pharmaforschung
Ausstellungsbroschüre herausgegeben vom Verband Botanischer Gärtern, 2018
7 €
(erhältlich in den Botanischen Gärten, die an der bundesweiten Aktion teilnehmen)

Alles über Heilpflanzen. Erkennen, anwenden und gesund bleiben
Autorin: Ursel Bühring
Ulmer Verlag, 2018
29,90 €

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Unsere Heilkräuter. Bestimmen und anwenden
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Stand: 23.06.2018, 00:00