Erst kaufen, dann Miete zahlen

Erst kaufen, dann Miete zahlen

  • Modell: Gemeinsam kaufen und dann Miete zahlen
  • Über 120 Projekte in Deutschland, vier davon in NRW
  • Geld für Kauf kommt von Unterstützern

Ein schmucker Ziegelsteinbau inmitten von Obstbäumen und Wiesen: So steht das Bauernhaus heute im Süden von Münster. Saniert wurde es von einer Hausgemeinschaft, der "Grafschaft 31", die sich vor einigen Jahren zusammen getan hat, um bezahlbaren Wohnraum zu finden. Ein Jahr lang haben die 14 Bewohner das marode Haus umgebaut, seit 2015 wohnen sie hier auf 300 Quadratmetern - als Mieter in zwei Wohnungen.

Das Haus bleibt unverkäuflich

Denn das alte Haus gehört den Bewohnern nicht, obwohl sie es gekauft haben. Was wie ein Widerspruch klingt, ist das Grundprinzip eines Modells, das in Deutschland über 100 Mal umgesetzt wurde. Entwickelt wurde es vom Miethäuser-Syndikat in Freiburg, das angesichts ständig steigender Preise für Immobilien und Mieten nach Alternativen suchte. Das Besondere: Das Haus kann nicht weiterverkauft werden. Und: Das investierte Geld wird als Miete zurückgezahlt.

Unerwartete Unterstützung

Das Bild zeigt das renovierte Bauernhaus.

"Entprivatisiert": Das Bauernhaus in Münster

In Münster lief die Finanzierung so ab: Die Bewohner der "Grafschaft 31", eines von vier Wohnprojekten in NRW, und das Miethäuser-Syndikat brachten das notwendige Stammkapital zusammen. Der Rest wurde von vielen Unterstützern eingeworben, die von der Idee der Vergemeinschaftung überzeugt waren. Diese Direktkredite zu bekommen, war überhaupt kein Problem, erzählt Jan Gebauer vom Verein. "Wir brauchten 250.000 Euro als Eigenkapital für die Bank - und nach zweieinhalb Monaten hatten wir 500.000!" Viele Unterstützer waren mit 50 Euro dabei, einige beteiligten sich sogar mit 50.000 Euro.

Miete finanziert neue Projekte

Mit den Mieteinnahmen werden die Kredite abbezahlt - und neue Projekte finanziert: Der Syndikat-Verbund bekommt einen Teil als Solidarbeitrag. Wie hoch die Miete ist, hängt von den Krediten und den Verwaltungskosten ab: Die Summe wird durch alle Bewohner geteilt, Nebenkosten werden extra bezahlt. "Im Prinzip ist das eine Fix-Miete", sagt Gebauer. Nach oben angepasst wird die nur, wenn zum Beispiel ein weiterer Ausbau ansteht. Zur Zeit wird der Bauplan für die Scheune nebenan besprochen: Hier sollen zwei weitere Wohnungen entstehen, eine davon als Sozialwohnung.

Keine Gemeinschaft ohne Regeln

Das Bild zeigt die Hausbesitzerin vor ihrem renovierten Bauernhaus.

Feste Regeln für die Gartenarbeit

Natürlich muss das Zusammenleben geregelt werden. Hier gilt: Alle sind für alles verantwortlich, für Gartenarbeit und fällige Reparaturen. Und sollte sich jemand nicht an die Regeln halten, gibt es einen eigenen Passus in der Satzung. "Aber das ist erstmal nur ein Papiertiger", so Gebauer. "Wir kennen uns ja schon eine Weile."

Stand: 03.05.2018, 13:53